Was am Ende übrig bleibt

Der große Georg Schramm.

Seine Programme waren keine lustigen Feelgood-Veranstaltungen. Sein Programm war immer die zornige, wütende und verzweifelte Auflehnung gegen ein System, dass er als unmenschlich gesehen hat.

Georg Schramm hat in seinen vielen Figuren immer wieder die brennendsten Themen besagen können. „Empört euch“ – keiner konnte das besser als er.

„Glauben sie, dass sie diese Welt verbessern können?“ wurde er gefragt. Und die Antwort lautete: „Ja, klar. Ist das so ungewöhnlich?“

„Ja, klar.“

Mit einem einzigen Satz die ganze Motivation des Kabarettisten auf einen Punkt gebracht. Der Grund, warum er sich – nein, nicht echauffierte – warum er so wütend war, selbst in der Melancholie.

Wie muss auf einen solchen Mann die Erkenntnis wirken, dass wir, unbemerkt, nicht mehr in einer Demokratie leben? Dass wir in einer Welt leben, die von Geheimdiensten regiert wird und nicht länger von den gewählten Volksvertretern?

Seit heute wissen wir es.

Er gibt auf. Er kann nicht mehr. Denn was soll er auch noch sagen? Die Politik, die auf ihn hören *könnte*, hat längst keine Handlungsfreiheit mehr, wenn es um die Geheimdienste geht. Jeder Politiker, der es wagen würde, die Geheimdienste anzugreifen, würde innerhalb von Stunden sehen, wie sein Leben zerstört wird.

Durch gezielt geleakte Skandale, durch präzise platzierte Informationen und möglicherweise auch durch gefälschte Beweise. Die Geheimdienste wissen von den „Entscheidern“ doch längst auch, wann die die Unterhosen wechseln.

Und wenn es noch eines Indikators bedarf, wie furchtbar die Situation in Wirklichkeit ist: An der Resignation eines wütenden Mannes kann man sie erkennen.

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Soziales

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3 thoughts on “Was am Ende übrig bleibt

  1. Ich finds auch schade, dass er aufhört, verstehe aber die Gründe nicht ganz, zumal, da sogar mir schon vor etlichen Jahren aufgegangen ist, dass es egal ist, was ein Kabarettist sagt, die, die er meint sch…en eh drauf und die, die er anspricht sind zu bequem.
    (zumindest die meisten)

  2. Naja, andere gehen auch mit Mitte 60 in Rente… Ich kann mir gut vorstellen, dass das körperlich und geistig sehr erschöpfend ist, was er getan hat.

  3. Ich hab ja schon gedacht, er sei gestorben. Wenn er im März Geburtstag hat, ist er wahrscheinlich Fisch vom Sternbild. Das war das, was ich bisher immer dachte – irgendwie seltsam. Mir gefallen seine Figuren nicht so richtig – dennoch hat er, auch bei Scheibenwischer damals – immer aus dem Herzen gesprochen. Und er hat ja Recht – es geht permanent abwärts. Vielleicht nicht so im Kleinen, aber schon im allgemeinen Großen. Und mit dieser Koalition erst Recht. Hätt ich doch nur das Geld, ich würde sofort auswandern.

    Und wenn man es genau nimmt, hat er nur gesagt, er macht keine Solo-Auftritte/-Touren mehr 😉 Wobei es schon ein gutes Team sein müßte, wenn er drin mitwirken wollte.

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