Das Tal der Stürme 12

Sorry, gestern und heute wars ziemlich turbulent hier, ich bin gestern gar nicht und heute erst spät zum Schreiben gekommen. 🙁


Al’lel blickte die Magd an. “Wie ist dein Name?” fragte er sie und schämte sich ein bisschen, sie nicht schon eher gefragt zu haben. “Sud’annai, Jon’rans Tochter.” sie neigte kurz den Kopf. “Ältester Kam’mennei ist die letzten Jahre sehr viel wütender geworden. Keiner weiß wieso, aber inzwischen reicht es, ihm nicht sofort zuzustimmen und er wird aggressiv. Er hat angefangen, die Leute zu schlagen, die ihm nicht “gehorchen”, doch das war doch nie unser Lebenswerg.”

Sud’annai holte tief Luft und fuhr fort. “Doch vor einigen Wochen schickte er Späher zur Orkhöhle. Er wollte wissen, wie die Orks leben und wie viele es sind. Es fiel ihm auf, dass auf Jagdausflügen nur noch wenige Orks gesehen wurden. Und es stimmte. Es waren wie bei uns, fast nur noch Kinder und alte Leute.”

Goshar nickte traurig. “Von meiner Familie lebt nur noch meine Schwester und mein Vater. Alle anderen sind tot. Ich habe die Gräber gesehen.” Al’lel schluckte. Hatten sie zu lange gewartet?
“Und dann?” fragte er das Elbenmädchen.

“‘Ältester Kam’mennei beschloß, ein für allemal mit den Orks “aufzuräumen”, wie er es nannte. Er befahl, dass jeder, der noch oder schon gehfähig wäre, seine Waffen zu nehmen und ihm in der Nacht des ersten Winterblizzards zu den Orkhöhlen folgen müsse.” Sud’annai traten die Tränen in die Augen. “Mein Vater hat versucht, ihn von dem Wahnsinn abzubringen, denn die meisten sogenannten Kämpfer wären noch halbe Kinder gewesen, die auf keinen Fall die Nacht überlebt hätten.” Sie wrang ihre Hände. “Doch Ältester Kam’mennei zog seine Bullenpeitsche und schlug ihn halbtot. Er war wie von Sinnen.”

Sud’annai weinte jetzt offen und blickte die Freunde an. “Bitte. Könnt ihr helfen? Wir sind nur noch so wenige.” Goshar und Al’lel tauschten einen langen Blick, dann stand Goshar auf, wickelte sich in seinen Mantel und ging zur Tür. Al’lel folgte ihm auf dem Fuß. Kurz bevor er die Schenke verließ, drehte er sich noch einmal zu Sud’annai um und zwinkerte ihr zu.

Dann waren die Freunde in der Nacht verschwunden.

Der Blizzard, der vor wenigen Minuten noch so laut getobt hatte, war völlig zum Erliegen gekommen. Es war absolut windstill und sehr kalt. Die Luft war so klar, dass die Freunde das Gefühl hatten, dass die Bäume wie mit dem Messer geschnitten waren. Ein seltsames Licht erfüllte das Tal, doch das konnte nicht von den Sternen kommen, die weiterhin von den Bäumen verdeckt waren.

Al’lel zeigte auf das Tal und meinte: “Wir sollten uns besser beeilen, mein Freund. Wir haben nur einen Aufschub bekommen. Wenn der Blizzard erneut losbricht, wird er mehr sein als nur ein Wintersturm. Goshar stimmte seinem Freund zu, auch er spürte das Wirken der Göttin.

Beide Freunde beeilten sich, das Dorf zu durchqueren. Es hatte sich in den Jahren nicht viel verändert. Lediglich die geschwärzten und verkohlten Ruinen zweier Häuser zeugten davon, dass offenbar ein Reinigungsritual vorgenommen worden war. Al’lel hoffte wider besseres Wissen, dass die Bewohner der Häuser nicht mehr am Leben waren, als sein Vater die Häuser anzündete. Denn dass es sein Vater war, der die Häuser niedergebrannt hatte, daran hatte er keinen Zweifel.

Endlich erreichten sie Al’lels Elternhaus. Erinnerungen überfielen ihn und er schob sie gewaltsam beiseite. Er war nicht mehr der verängstigte und verletzte Elfenjunge von damals. Die Zeit hatte ihn zu einem kampferprobten Mann wachsen lassen, der bereit war, ein Erbe anzutreten, von dem er nicht gewußt hatte, dass er es besaß.

Doch das Dorf wiederzusehen, zu wissen, dass dort Elfen lebten, die ihn noch als Kind gekannt hatten, erweckte in ihm das Bedürfnis, für den Schutz dieser Elfen zu sorgen. Nein, der Talbewohner, wie er erkannte, denn dieses Bedürfnis zu schützen erstreckte sich auch auf die Orkhöhle.

Al’lel, der fühlte, dass der Blizzard jeden Moment losbrechen konnte, klopfte an die Tür seines Elternhauses. Die Tür öffnete sich einen Spalt. “Wer seid ihr und was ist euer Begehr?” fragte eine ängstliche Stimme. “Wir sind Wanderer von weither und suchen Obdach für die Nacht.” antwortete Al’lel fest.

“Hier gibt es nichts für euch zu holen, packt euch.” Die zornige Stimme des Ältesten Kam’mennei ertönte aus den Tiefen des Hauses. Goshar hatte genug, er drückte die Tür auf und trat ein, dicht gefolgt von Al’lel.

Der Elf schloß die Tür mit festem Griff und legte den Riegel vor. Goshar legte weiteres Feuerholz auf und blickte besorgt auf den recht kleinen Stapel. Möglicherweise würden sie Möbel verbrennen müssen, denn heute durfte das Feuer nicht ausgehen.

“Du dummes Ding, du hast die Fremden hereingelassen.” der keifenden Stimme des alten Elfen folgte ein lauter Schlag und ein schmerzerfüllter Schrei. “Ich hatte dir befohlen, niemanden einzulassen.” Kam’mennei hob die Peitsche erneut, doch Al’lel hatte sein Schwert gezogen und hielt ihm die Spitze an die Kehle. “Leg die Peitsche nieder, du Narr. Glaubst du wirklich, dass das Kind uns hätte aufhalten können?”

Al’lel blickte auf den erstarrten Ältesten, der offenbar zum ersten mal seit Jahren Widerstand erfuhr. Kam’mennei blinzelte ihn beinah eulenhaft an, bevor er sich fasste und die Peitsche erneut hob, um diesmal auf den Elfen einzuschlagen. “Wie kannst du es wagen, dich zwischen mich und die Göttin zu stellen? Ich erfülle ihre Befehle und ich erfülle ihre Wünsche.”

Die Peitsche sauste nieder, doch traf sie ihr Ziel nicht. Mit einer schnellen Bewegung seines Schwertes hatte Al’lel den Griff direkt über Kam’menneis Fingern abgeschnitten, ohne den alten Elfen jedoch zu verletzen. Kam’mennei sprang zurück als hätte ihn ein glühender Schürhaken getroffen. Er hielt sich die Hand, die er beinahe verloren hätte und ein wachsamer Blick trat in seine Augen. “Wer….wer bist du? Kenne ich dich?”

Al’lel zog sich die Kapuze vom Kopf und hielt Kam’menneis Blick fest in dem seinen.

“Hallo Vater.”

Und Kam’menneis Wutschrei ging im Heulen der Banshees unter die endlich den Sturm brachten.

Das Tal der Stürme – Prolog
Das Tal der Stürme – 1
Das Tal der Stürme – 2
Das Tal der Stürme – 3
Das Tal der Stürme – 4
Das Tal der Stürme – 5
Das Tal der Stürme – 6
Das Tal der Stürme – 7
Das Tal der Stürme – 8
Das Tal der Stürme – 9
Das Tal der Stürme – 10
Das Tal der Stürme – 11

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One thought on “Das Tal der Stürme 12

  1. Wie gewünscht ein Kommentar. Ich finde es sehr gut und freu mich auf die nächsten Kapitel. Stand jetzt habe ich noch eins vor mir 🙂

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