Das Tal der Stürme 9

Nur Upload, kein Navidings unten drunter. Ich bin hundemüde. *gähn*
Gute nacht 😉

Al’lel grinste freudlos, als er auf die halb heruntergebrannte Kerze blickte. Er kämpfte weiter mit den Fäden, er war nicht dem Freudenfeuer in seinem Dorf entkommen, um jetzt hier Opfer der Flammen zu werden.

Die Tür flog auf und die bunt angemalte Frau von vor einigen Stunden stand im Raum. Sie blickte sich um und schnalzte missbilligend mit der Zunge. Sie griff in ihre Schürze und fing an, hektisch an den Spinnfäden zu säbeln. “Das kommt davon, wenn ihr Männer nicht mit eurem Kopf denkt. Ich kenne das ja nicht anders, aber man sollte doch meinen, das so prächtige junge Männer wie ihr klüger seid als auf jede adrette Schürze hereinzufallen. Wie Schürzenjäger seht ihr mir nicht aus. Vor allem ihr nicht, Herr Ork. Was habt ihr euch nur dabei gedacht?”

Die beiden jungen Männer guckten die Frau völlig entgeistert an. Al’lel machte den Versuch, sie zu unterbrechen, doch sie war nicht zu stoppen, es war, als hätte sich ein verbaler Wasserfall geöffnet.

Endlich bekam Goshar seine fünf Sinne zusammen und brüllte: “RUHE!” Die Frau guckte ihn beleidigt an. “Ihr wollt ihr wohl verbrennen, was? Die Zeit ist knapp, ich beeile mich ja…” Goshar unterbrach sie und es stellte sich heraus, dass ein Ork eine redselige Menschenfrau durchaus übertönen konnte. “Wäret ihr so gut, die Kerze einfach auszublasen, dann hätten wir etwas mehr Zeit.” Die Frau guckte ihn an, der Mund stand offen.

Al’lel sah Goshar an und nickte zu der Frau hin: “Meinst du, mit ihr stimmt was nicht?” Die Frau schlug sich an die Stirn, schüttelte den Kopf, ging zur Kerze hinüber und leckte Zeigefinger und Daumen an. Mit den feuchten, spitzen Fingern löschte sie die Kerze, drehte sich um, zeigte den Männern den Dolch und meinte spitz: “Darf ich euch jetzt befreien? Ihr habt mich um das ganze Drama gebracht.” Goshar schloß die Augen und schien langsam bis zehn zu zählen während Al’lel die Frau anstrahlte und meinte: “Ich bitte darum.”

Es dauerte nicht lange und beide waren wieder frei. Die drei beeilten sich, aus dem Haus zu verschwinden. Es würde sicher nicht lange dauern, bis der Herr Rabenau sich fragte, warum zum Henker das Feuer ausblieb. So dachte Al’lel, er hatte aber nicht mit der Frau gerechnet.

Sie ging zu einer der Nachtlichter, die vor einer Hafenschänke standen, nahm die Lampe aus der Halterung und warf sie danach mit Schwung in das Spinnwebhaus. “Kommt” drängte sie sie. Und sie verloren keine Zeit der Frau zu folgen.

“Wie ist dein Name?” fragte Al’lel angelegentlich. Er wollte sich angemessen bei ihrer Retterin bedanken. “Ich bin Riva. Und ihr seid?” “Mein orkischer Freund dort ist Goshar und ich bin Al’lel.” stellte er sich vor. “Und ich danke euch für unsere Rettung. Warum habt ihr das überhaupt riskiert?” fragte der Elf neugierig.

“Aus vielen Gründen. Vorrangig aber weil ihr schön, stark und mutig seid. Nur noch ein wenig naiv und dumm, aber das kommt noch, wenn ihr erstmal um die Ränke der Frauen wisst.” Al’lel blickte Goshar an. “Hat sie uns eben dumm genannt?” fragte er seinen Freund ungläubig. Der grunzte nur und kratzte sich am Hintern, das Bild des ungehobelten Orks. Riva schlug ihm auf den Hinterkopf. “Lasst den Unsinn. Ich weiß, dass ihr das besser könnt.”

Goshar guckte sie mit leichter Ironie an. “Besser Grunzen oder besser meinen Hintern kratzen?” fragte er. Riva rollte nur mit den Augen. “Wir sind da. Und der Göttin sei dank unbehelligt.”

Sie öffnete die Tür zu einem Haus und scheuchte sie hinein. Als sie in dem kleinen Raum standen, konnte Al’lel ein leises Kichern nicht unterdrücken. Sein Freund ließ die kleine Hütte geradezu schrumpfen. Er musste den Kopf einziehen, um nicht an die Decke zu stoßen.

Riva schloß die Tür sorgfältig und zündete das Herdfeuer an. Sie entschuldigte sich kurz und betrat das Nachbarzimmer, offenbar ihr Schlafgemacht. Kurze Zeit später kam sie wieder und grinste die beiden Abenteurer spitzbübisch an, die sie mit offenem Mund betrachteten.

Die Farbe war verschwunden und offenbarten eine junge Frau mit einem herzförmigen Gesicht. Das zerlumpte Kleid hatte sie gegen eins aus ungefärbter Wolle getauscht, das weiße Unterkleid lugte aus den Ärmeln hervor.

Al’lel betrachtete die junge Frau mit neu erwachtem Interesse und sie flirtete offen mit ihm.
Riva sorgte im Handumdrehen dafür, dass die Schüsseln gefüllt waren und gab jedem einen tüchtigen Kanten Brot zur Suppe. Al’lel seufzte. Schon wieder Suppe. Aber sie füllte den Bauch und war warm.

Goshar sagte nichts und hörte zu, während Al’lel ihre Geschichte erzählte. Riva hörte ihnen zu und als Al’lel seine Erzählung beendet hatte, wurden Rivas Augen groß. “Ihr seid beide noch jungfräulich?” Goshar verschluckte sich an seinem letzten Suppenlöffel und seine Gesichtshaut färbte sich tief lila. Al’lel sah Riva an, sein Mund öffnete und schloß sich in dem vergeblichen Versuch, etwas darauf zu antworten. Schließlich vergrub er nur seinen Kopf in seinen Armen und flehte, dass irgendetwas ihn erlösen möge.

Er hörte, wie ein Stuhl zurückgeschoben wurde und mit erstaunlicher Kraft zog Riva ihn auf die Füße. Er hatte kaum Gelegenheit, zu registrieren, wie Riva dem Ork zuzwinkerte, der irgendwie erleichtert wirkte, als sie ihn schon in das Nachbarzimmer zog.

Goshar sah wie sich die Tür hinter seinem Freund schloß und fragte sich besorgt, ob er nicht besser eingegriffen hätte.

***

Ein völlig übermüdeter und verdammt schlecht gelaunter Ork saß am nächsten Morgen am Herdfeuer und beobachtete, wie ein seiner Meinung nach ziemlich blöde grinsender Al’lel Rivas Schlafgemach verließ. Der Elf tänzelte verträumt durch die Tür. Goshar reichte es. “Was habt ihr da eigentlich die ganze Nacht getrieben? Katzen lebendig gehäutet?” fuhr er den Elfen an.

Der ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. “Nicht im geringsten, mein Freund. Aber möglicherweise hörte es sich für deine Ohren so an.” Goshar schwor sich: Wenn es das war, was Frauen aus einem machten, würde er es sich dreimal überlegen, bevor er sich freiwillig in die Hände eines dieser Wesen begab.

Doch Goshar hatte wichtigeres im Sinn. “Möchtest du diesen Herrn Rabenau mit seinem Diebstahl davonkommen lassen?” Al’lel ernüchterte mit einem Ruck. “Nein, natürlich nicht. Aber wie machen wir das?”

Goshar wiegte den Kopf. “Wir müssen eigentlich nur in den Palast eindringen, die Wachen kurz und klein schlagen und dann den Herrn Rabenau umbringen.” Al’lel guckte ihn an. “Von den offensichtlichen Schwächen deines Planes mal abgesehen: Hast du eine Idee, wie man eine Rauchwolke umbringt?”

Die Tür öffnete sich und eine in einen Mantel gehüllte Gestalt betrat die kleine Hütte. Zwei schmale Hände zogen die Kapuze vom Kopf und enthüllten Elfridge, der sie beide scheltend ansah. “Indem man zum Beispiel nicht lauter brüllt als es für Tote angemessen ist und vor allem nicht laut genug, dass die Palastwachen davon taub wird. Was ist hier heute Nacht eigentlich vorgegangen? Hat jemand Katzen gehäutet?”

Goshar bekam einen Lachanfall, was für ihn so ungewöhnlich war, dass Al’lel ihn völlig ungläubig ansah. Die Tür des Schlafgemachs öffnete sich und Riva betrat den Wohnraum. Sie sah Elfridge, ihr Gesicht leuchtete auf und ohne zu zögern fiel sie ihm um den Hals.

Es war offensichtlich, dass sie sich schon lange kannten. Und auch wenn Riva ihm in der Nacht erklärt hatte, was für einen Beruf sie ausübte, hatte er doch schwer mit seiner Eifersucht zu kämpfen. Goshar stieß ihn an und zog die Augenbraue hoch. “Du bist gerade grüner als ein Ork.” hänselte er seinen Freund. Al’lel zog es vor zu schmollen.

Elfridge lächelte den beiden Männern zu.

“Ich bin hier, um euch in den Palast zu bringen. Und euch zu zeigen, wie man Rauchwolken töten kann.”

Al’lel guckte den älteren Elfen ungläubig an und fragte: “Und wenn du weißt, wie man den Herrn Rabenau tötet, warum zum Henker hast du das nicht schon längst selbst erledigt?

Das Tal der Stürme – Prolog
Das Tal der Stürme – 1
Das Tal der Stürme – 2
Das Tal der Stürme – 3
Das Tal der Stürme – 4
Das Tal der Stürme – 5
Das Tal der Stürme – 6
Das Tal der Stürme – 7
Das Tal der Stürme – 8

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