Das Tal der Stürme 8

Etwas kürzer heute. 😉

Goshar strebte mit entschlossenen Schritten dem Hafen zu. Er hatte genug. Was glaubte dieser Herr Rabenau, wer er war? Die Axt war seine, hart genug erworben in einem ehrlichen Kampf.

Er war völlig in Gedanken versunken und bemerkte nicht, wie sein Gefährte ihn besorgt ansah. Al’lel wiederum entgingen die erschrockenen Reaktionen nicht, wenn Passanten an ihnen vorbeiliefen. Selbst in der überfüllten Straße vermieden die Menschen ängstlich jede Berührung.

Al’lel ergriff den Arm seines Freundes. “Goshar.” rief er halblaut. Der Ork drehte sich um. “Was?” knurrte er ihn an. Der Elf deutete auf die Menschen, die an ihnen vorbeihasteten. “Sieh doch nur.” Und wirklich, die Straße war voller Menschen, die es alle eilig hatten. Doch sie standen gleichsam in einer Art Insel der Ruhe. Um sie herum war eine Art Bannkreis, den keiner der Leute zu überqueren wagte.

Goshar zuckte die Schultern. Das närrische Treiben dieser Stadtleute wollte ihn nicht beunruhigen. Ganz offensichtlich musste das Stadtleben etwas seltsames mit ihnen machen und Goshar war entschlossen, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen.

Inzwischen waren sie endlich am Hafen angekommen. Eine Frau mit stark angemaltem Gesicht lächelte sie zahnlos an. Keiner der beiden jungen Männer konnte genau ihr Alter bestimmen, die Farbe war zu dick aufgetragen.

“Hey, ihr zwei Hübschen. Sucht ihr eine Unterkunft für die Nacht?” die Frau lachte grell. Al’lel zögerte kurz, doch Goshar ergriff seinen Umhang und zog ihn weg. “Das ist nicht dein ernst?” fragte er den kleineren Mann. Der Elf sah ihn an: “Aber sie war doch freundlich?” Goshar schüttelte den Kopf. “Ich mag zwar unerfahren sein, aber das heißt nicht, das ich jedem Fremden vertraue. Vor allem nicht nach dem, was wir heute erlebt haben.” Al’lel schluckte und folgte seinem Freund ohne weitere Worte.

Als sie endlich am Kai standen, sahen sie die Sonne in prächtigen Farben untergehen. Beide konnten sich kaum sattsehen. In ihrem Tal kannten sie den freien Horizont nicht und ebensowenig einen Sonnenuntergang. Die Sonne verschwand abends hinter den Bergen und kam des Morgens wieder hervor. Diese Pracht war völlig neu für sie und sie konnten sich ihrer Magie nicht entziehen.

“Heda” kam ein Stimme von rechts, als die Sonne in einem letzten Aufbäumen endlich verschwand. Eine junge Frau stand neben ihnen und lächelte. Die schlanke Figur war von einem braunen Wollkleid bedeckt, die Schürze sauber und adrett, dass braune Haar von einer Haube gekrönt, unter der eine Haarsträhne keck hervorlugte. “Ihr seid doch die beiden vom Tor, richtig?” Goshar grunzte nur und Al’lel nickte vorsichtig.

Das Mädchen wurde ernst. “Ihr seid in Gefahr, wenn ihr in der Nacht auf den Straßen bleibt. Nachts gehören die Straßen den Dieben und anderen Volk und glaubt mir, selbst die Axt deines großen Freundes wäre nicht genug. Folgt mir.” Sie wartete keine Antwort ab sondern drehte sich um und steuerte auf eines der Hafengebäude zu. Goshar folgte dem Mädchen ohne zu zögern. Al’lel, der sich seltsam unwohl fühlte, folgte den beiden nach kurzem Zögern.

Die junge Frau öffnete eine Tür und ließ die beiden Abenteurer eintreten. Der Elf war wachsam und suchte nach Anzeichen von Verrat, doch er fand nur ein heimeliges Herdfeuer vor. Al’lel schluckte, das Herdfeuer sah genauso aus wie das Herdfeuer in dem Haus, in dem er aufgewachsen war.

“Ein Feuer wie bei mir zu Hause in der Höhle.” hörte er seinen Freund träumerisch sagen. Al’lel stutzte, seine Sinne plötzlich hellwach, doch es war zu spät. Überall aus den Wänden schossen Spinnfäden aus den Wänden und setzten sie fest. Das adrette junge Mädchen verschwand in einer tiefschwarzen Rauchwolke und vor ihnen stand breit grinsend der Herr Rabenau.

“Ich sagte doch, dass ich diese Axt bekommen werde. Sie ist ein schönes Stück für meine Sammlung.” Sein Grinsen erlosch. “Was euch beide angeht: Freut euch an eurem restlichen Leben. Niemand stellt sich mir entgegen ohne es zu bereuen. Niemand.” Er zog eine Kerze aus seinem Umhang, zündete sie am Herdfeuer an und stellte sie auf einen Haufen Spinnenseide. Sein hasserfüllter Blick wanderte zu den gefangenen Gefährten. “Sobald die Kerze abgebrannt ist, steckt sie die Seide in Brand. Und euch mit. Ein großartiges Ende für zwei Möchtegernabenteurer wie ihr: Verbrannt und vergessen. Gehabt euch wohl, ihr Trottel. Ich werde einen Becher Wein auf euer Wohl trinken.”

Goshar sah ihn an, ohne eine Miene zu verziehen. „Die Axt gehört mir. Und ich werde sie mir zurückholen. Das verspreche ich dir.“

Der Herr Rabenau blickte ihn höhnisch an. „Wir werden sehen, ob das einem Haufen Asche gelingen wird.“ Er verwandelte sich wieder in die schwarze Rauchwolke und verschwand.

Sowohl Goshar als auch Al’lel mussten schnell einsehen, dass die Spinnfäden zwar fragil wirkten aber zu stark für sie waren und je mehr sie zappelten, umso enger zogen sie sich zu. Endlich, erschöpft und halb erstickt von ihrem Kampf mit den Fäden, hielten sie inne. So kamen sie nicht frei.

Al’lel blickte seinen Freund keuchend an. Er zog eine Augenbraue hoch und meinte trocken: “Aha. Ich bin nicht misstrauisch genug, was?”

Doch aller Sarkasmus half nichts.

Was nun?

Das Tal der Stürme – Prolog
Das Tal der Stürme – 1
Das Tal der Stürme – 2
Das Tal der Stürme – 3
Das Tal der Stürme – 4
Das Tal der Stürme – 5
Das Tal der Stürme – 6
Das Tal der Stürme – 7

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13 thoughts on “Das Tal der Stürme 8

  1. Mehr Umbrüche vor allem! *g* Unten in der Auflistung zwischen Teil 5 und 6…

    Baust du die Links selbst ein? Gibts kein WP-Addon, welches sowas automatisch machen kann?

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