Das Tal der Stürme 6

Bisschen spät heute, aber ich war ziemlich beschäftigt und konnte erst um acht anfangen zu schreiben. Sorry. 😉

Am nächsten Morgen war beiden klar, dass ihre Zeit in der Höhle zuende ging. Der Suppentopf, der sich nach dem Essen immer wieder neu füllte, blieb diesmal leer und draußen schmolz der Schnee mit Macht.

Die beiden jungen Männer, zu denen sie in diesem Winter herangereift waren, schnürten ihre Bündel und machten sich auf den Weg zum Ausgang des Tales. Goshar sah, dass etwas anders war an Al’lel, er bewegte sich leichter und wirkte zufriedener. Er war neugierig, doch fragte er nicht weiter nach. Er wusste, sein Freund würde sich ihm öffnen, sobald er soweit war.

Langsam arbeiteten sie sich durch den immer noch tiefen Schnee voran. Goshar, als der kräftigere von beiden bahnte den Weg. Al’lel hatte versucht, ihm die Arbeit abzunehmen, bis der große Ork den Kopf schüttelte und auf ihre Spuren deutete. Al’lel hatte ihn daraufhin verlegen angegrinst, Goshars Spur war mehr als doppelt so breit wie die des schlanken Elfen.

Und während der große Ork sich langsam aber stetig vorarbeitete, schossen Al’lels Augen hin und her auf der Suche nach lohnender Beute für seinen Bogen, den er in der stillen Winterzeit gefertigt hatte. Doch das Tal verharrte in absoluter Stille, kein einziges Geräusch, nicht einmal das Krächzen von Raben durchbrach den Frieden des Tales, der für die beiden jungen Männer das Schweigen eines Leichentuches zu bedeuten schien.

Gegen Mittag erreichten Sie den schmalen Eingang des geschützten Tales. Und jetzt wurde ihnen auch klar, warum so lange keine Nachrichten aus der Außenwelt das Tal erreicht hatten. Der Eingang war von einem alten Erdrutsch versperrt. Niemand würde hinter dem Erdrutsch Lebewesen vermuten und sich die Mühe machen, zu erkunden, was sich wohl hinter dem Erdrutsch befinden würde.

Langsam bestiegen sie den großen Geröllhaufen. Kleinere und größere Steine lösten sich aus ihrem Bett und kullerten nach unten als sie ihren Fuß auf die größeren Steine setzten. Der Erdrutsch hatte sich über die Jahre zwar gesetzt, aber das Gestein war immer noch lose genug, um sie zur Vorsicht zu gemahnen, gebrochene Glieder konnte sich keiner von ihnen leisten.

Al’lel als der wendigere von beiden erreichte die Spitze des Geröllhaufens als erstes. Er blickte voll Erstaunen auf die Welt, die sich da vor ihm ausbreitete. Während der Winter das Tal nur zögernd aus seinem eisigen Griff entließ war der Frühling weiter unten bereits in voller Blüte. Al’lel konnte weite Wälder ausmachen und saftig grüne Wiesen, die in der Frühlingssonne leuchteten. In weiter Ferne machte er etwas aus, was ein Dorf sein mochte.

Ein Poltern hinter ihm ließ ihn herumschnellen. Goshar drohte das Gleichgewicht auf einem der Steine zu verlieren. Rasch griff Al’lel zu und zog den großen Ork zu sich herüber. Der nickte ihm dankend zu, bevor auch er sich in dem unglaublichen Anblick des Überflusses hangabwärts verlor. Und zum ersten mal in ihrem Leben fragten sich die beiden, warum ihre Vorfahren sich entschieden hatten, das lebensfeindliche Tal aufzusuchen.

Endlich schüttelte der Ork den Kopf und meinte: “Lass uns gehen”. Al’lel nickte und gemeinsam machten sie sich an den Abstieg.

Am frühen nachmittag hatte Al’lel fröhlich drei fette Kaninchen über der Schulter hängen und die Taschen quollen von Kräutern und den ersten Frühlingsgemüsen über. Sie steuerten auf den Fluss zu, den sie von ihrer erhöhten Warte aus gesehen hatten und wollten dort ihr Nachtlager aufschlagen.

Endlich, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, erreichten sie das Flußufer. Das Wasser rauschte laut mit großer Geschwindigkeit an ihnen vorbei und beiden war klar, dass sie auf keinen Fall an dieser Stelle übersetzen konnten. Sie mussten eine Furt suchen.

Eine kleine, trockene Lichtung mit genügend Steinen für eine Feuerstelle entschied es dann. Hier würden sie ihr Nachtlager aufschlagen. Goshar legte rasch genügend Steine zu einem Kreis zusammen und schichtete das Feuerholz, dass er gesammelt hatte während Al’lel die Kaninchen “einsammelte”, zu einem Stapel auf. Mit Zunder und Feuerstein arbeitete er daran, das Feuer zu entzünden. Endlich prasselte ein lustiges Feuer und tauchte die Lichtung in ihren warmen Schein.

Al’lel hatte in der Zwischenzeit die Kaninchen aufgebrochen und gehäutet. Weder der Elf noch der Ork fühlten große Lust, noch eine Suppe zu kochen und so füllte Al’lel die Kaninchen mit dem geputzten Gemüse, umhüllte sie mit Lehm vom Flußufer und legte sie danach ins Feuer.

Beide starrten versonnen ins Feuer, wo die Lehmklumpen allmählich aushärteten. Plötzlich blickte Goshar auf. “Hast du dich eigentlich je gefragt, wieso du mich plötzlich verstehen konntest?” Al’lel sah ihn überrascht an. Er überlegte eine Weile, schüttelte dann den Kopf und meinte trocken: “Von allen Dingen die wir diesen Winter erlebt haben, fragst du ausgerechnet das?” Goshar lächelte leicht und verfiel wieder in sein Schweigen.

Ein Geräusch ließ die beiden auffahren und zu ihren Waffen greifen. Hinter ihnen stand ein abgerissen aussehender Mann, das Schwert gezogen. “Was haben wir denn da?” fragte er, das Gesicht in einer komischen Mischung aus Erstaunen und Häme verzogen. “Ein Ork und ein Elf, gemeinsam an einem Feuer?” Der Mann schüttelte den Kopf. “Wo hat man denn so etwas schon gesehen?” er hob das Schwert erneut. “Aber das ist auch egal. Ihr werdet mir euer Gold geben und diese feinen Waffen, die da so nutzlos neben euch lie…”

Mit einem ziemlich hässlichen Geräusch flog eine der nutzlosen Waffen durch die Luft und bohrte sich tief in die Brust des Räubers. Al’lel zuckte nur mit den Schultern und wandte sich erneut dem Feuer zu, um zu prüfen, ob das Abendbrot jetzt durchgegart war, als die Hölle losbrach.

Aus den Büschen sprangen etliche Männer, alle abgerissen und liefen brüllend auf die beiden zu. Al’lel ergriff seine Schwerter und zog sie aus der Scheide während Goshar bereits seine beiden Äxte gezogen hatte. Beide stellten sich Rücken an Rücken auf und deckten sich gegenseitig. Zwei Schwerter und zwei Äxte schlugen sich durch die Menge der Räuber und wo sie trafen stand der betreffende Mann nicht wieder auf.

Ein lautes Heulen erklang aus den Büschen. Die verbliebenen Räuber zogen sich zögernd zurück. Weder Goshar noch Al’lel hatten auch nur eine Schramme davongetragen.

Aus den Büschen löste sich eine weitere Gestalt. Es war ein Troll, groß, mit borkiger Haut und dicken Hauern, lediglich bekleidet von einer Art Lendenschurz. Auf den Schultern lag eine gigantische Axt mit massivem Griff. Der Troll schwang die Axt einmal in einem großen Bogen und Al’lel sprang rasch zurück, bevor sie ihm den Bauch aufschlitzte. Zwei Räuber waren nicht schnell genug und hatten weniger Glück.

Die letzten Räuber drangen wieder auf die beiden ein, diesmal verstärkt von dem Troll, der keinerlei Rücksicht auf Freund oder Feind nahm. Bald stand nur noch der Troll, alle Räuber lagen tot am Boden.

Goshar blickte mit leichtem Bedauern auf die Kaninchen. Er hoffte, dass zumindest eins noch genießbar wäre. Es hatte wirklich zuviel Mühe gemacht, die kleinen Biester so zuzubereiten. Der große Ork hob seine Äxte und stellte sich in Verteidigungshaltung vor den Troll. Der brüllte erneut auf und hob die große Axt. Beide Männer sprangen beiseite und während Al’lel sein Schwert in die Seite des Trolls schlug, schlug Goshar mit seinen Äxten auf den Kopf des Trolls.

Zu ihrem Entsetzen merkten beide, dass ihre Waffen nicht die Kraft hatten, die harte Haut des Giganten zu durchdringen. Der Troll hob die Axt und ließ sie in einem weiten Bogen umherschwingen. Al’lel sah eine große Eiche, deren Zweige so gerade eben in Reichweite hingen. Er rannte zu dem großen Baum und schwang sich auf den untersten Ast. “Goshar, komm hier hoch, hier kann er uns nicht erreichen.” Goshar, der gerade einem Schlag auswich, sah den Elfen genervt an.

“Orks können nicht klettern. Und hast du diese Axt gesehen?” antwortete er dem Elfen. Al’lel blickte ihn mit großen Augen an. “Wie, Orks können nicht klettern?” Goshars grüne Gesichtshaut verfärbte sich leicht violett. “Orks können nicht klettern. Brauchen wir nicht. Wenn wir was haben wollen, schlagen wir so lange drauf, bis es herunterfällt. Was nicht herunterfällt, brauchen wir nicht.” Al’lel schüttelte den Kopf und sprang wieder vom Baum.

Zusammen schlugen sie auf den großen Troll ein, doch mit wenig Erfolg. Es war Goshar, der bemerkte, dass der Troll das Feuer sorgfältig vermied. Er zog sich auf die andere Seite des Feuers zurück, inzwischen schwer atmend. Al’lel folgte ihm direkt und Goshar sah sich bestätigt. Der Troll umrundete das Feuer sorgfältig. Dem Ork kam eine Idee.

Bei der nächsten Umrundung schubste er den ahnungslosen Elfen direkt vor den Troll. Beide waren von der plötzlichen Bewegung verblüfft und guckten den Ork an, als hätte er den Verstand verloren. Al’lel zuckte die Schultern und hob sein Schwert, während der Troll seine Axt erneut hoch über den Kopf hob und brüllte.

Das nutzte Goshar, um einen brennenden Ast aus dem Feuer zu ziehen und ihm dem Troll in seinen Lendenschurz zu stecken.

Er hatte recht. Kaum berührte der Ast die Haut des Trolls, fing diese an, wie Zunder zu brennen. Die Flammen breiteten sich in Sekunden über den ganzen Körper aus. Der Troll, brüllend in Agonie, wankte auf die beiden jungen Männer zu, doch die wichen flink zurück und ließen den Troll nicht nahe herankommen.

Endlich brach der Gigant in einer stinkenden Rauchwolke zusammen. Die eben noch so friedliche Lichtung glich einem Schlachtfeld.

Al’lel rümpfte die Nase und blickte auf das halb ausgetretene Feuer. “Wenn die meine Kaninchen ruiniert haben, dann bringe ich die nochmal um.

Goshar konnte ihm nur zustimmen.

Das Tal der Stürme – Prolog
Das Tal der Stürme – 1
Das Tal der Stürme – 2
Das Tal der Stürme – 3
Das Tal der Stürme – 4
Das Tal der Stürme – 5

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