Das Tal der Stürme 4

Hey Cliff, nice to meet you. Danke das du vorbeischaust. Wirds dir langweilig bei Tom?

Disclaimer: Nich haun, is nur ein kleiner… *g*


Goshar schob die Kapuze zurück und rückte das schmale Lederband mit den Schlitzen zurecht, dass seine Augen vor der Schneeblindheit schützen sollte. Das Tal war tief verschneit und es war einer der raren Sonnentage. Doch der junge Ork wusste, dass das schöne Wetter zeitlich begrenzt war. Jederzeit konnte ein erneuter Sturm das Tal heimsuchen und er konnte es sich nicht leisten, sich zu weit von seiner Höhle zu entfernen.

Er dachte oft an Al’lel in diesen Tagen und fragte sich, wie es dem jungen Elfen wohl ergangen war. Er hoffte wirklich für ihn, dass es ihm besser ergangen war als ihm.

Zu sagen, dass seine Familie nicht erfreut über das Eingeständnis war, dass er das magere Reh mit einem “stinkenden Elfen” geteilt hatte, wie sein Vater es ausgedrückt hatte, wäre eine Untertreibung gewesen. Orks äußerten nur selten tiefe Gefühlsregung und die Missbilligung, die sein Vater ihm zeigte, war für Goshar wie ein Schlag ins Gesicht.

Die Vorhaltungen, die ihm gemacht wurden, sprachen sich schnell in der ganzen Höhle herum. Goshar hatte das erwartet. Wer so lebte wie sein Volk, lernte schnell, sich nur um das zu kümmern, was ihn auch etwas anging. Weil sie nicht in einem Haus mit Wänden lebten, waren die Wände in den Gedanken der Orks zementiert. Man hörte alles und hörte doch nichts.

Was ihn deshalb überraschte, war, dass seine Leute tatsächlich anfingen, den “Elfenfreund” zu meiden. Seine Freunde wollten plötzlich nichts mehr mit ihm zu tun haben, seine Lehrer ignorierten ihn und seine Familie sah sich plötzlich als Außenseiter in der Höhle, eine Position, die sehr schnell lebensbedrohlich werden konnte.

Goshar wusste bereits nach einigen Stunden, dass er keine Wahl hatte als die Höhle zu verlassen. Letzte Nacht hatte er seine Waffen und das Bündel genommen, was er sich zurechtgeschnürt hatte und sich auf zu seinem kleinen Refugium gemacht, dass er vor einigen Sommern entdeckt hatte.

Eine kleine, sehr windgeschützte Höhle, recht tiefliegend in der Nähe des Ausgangs. Ein warmer Quellteich befand sich im hinteren Teil der Höhle, während der Eingang eine Art natürlichen Windfang aufwies durch mehrere Steine, die einen Gang schufen, in dem der Wind sich brach. Er konnte diesen Gang leicht so abdichten, dass die Höhle dahinter völlig windgeschützt war und der See die Höhle aufheizte. Durch einen Spalt in der Decke hatte er einen natürlichen Kamin, so dass der Rauch vom Holzfeuer ungehindert abziehen konnte.

Im Sommer hatte er bereits einen ansehnlichen Holzvorrat in der Höhle gestapelt. Wasser hatte er mehr als genug, einzig an Nahrung fehlte es ihm. Darum hatte er sich auf die Jagd begeben, in der Hoffnung, ein verirrtes Schneekaninchen oder ein anderes Tier zu erlegen.

Er hatte keine Zukunftspläne. Alle Pläne, die er hatte waren durch sein kurzes Intermezzo mit Al’lel zerbrochen. Die Verbannung war nicht offiziell ausgesprochen worden und war daher zeitlich nicht begrenzt. Würde er jetzt zurückkehren, würden ihn alle Orks einfach ignorieren, würden nichts von ihm annehmen, es wäre so, als wäre er unsichtbar. Er hatte das bereits einmal erlebt. Und er wollte nicht so enden wie der unglückliche Ork, den man eines Tages erfroren vor der Höhle fand.

Eine Bewegung weckte seine Aufmerksamkeit. War dort ein Kaninchen? Er sah genauer hin und erkannte eine kleine, schmale Gestalt, die, auf einen Stecken gestützt, durch den Schnee wankte. Goshar verengte die Augen. War dort ein alter Elf, der sein Dorf durch einen freiwilligen Tod um ein unnützes Leben erleichtern wollte? Goshar glaubte das nicht wirklich, er wusste, dass die Elfen ihre Ältesten sehr schätzten.

Die Gestalt fiel in den tiefen Schnee und verschwand. Der junge Ork wartete und richtig, der Stecken schob sich langsam aus der Schneewehe und die Gestalt zog sich langsam daran emport. Ein, zwei Schritte und dann fiel der Elf wieder hin. Goshar erkannte, dass sich der Elf in ernsthaften Schwierigkeiten befand. Er debattierte kurz mit sich selbst, ob er ihm helfen sollte – schließlich war es nur ein Elf, doch dann zuckte er mit den Schultern. Die Höhle war sicher, aber auch einsam. Vielleicht bekam er auf diese Art ein wenig Gesellschaft.

Mit entschlossenen Schritten bahnte sich der große Ork den Weg zum gestürzten Elf. Ihn schienen endlich die Kräfte verlassen zu haben, denn der Stecken kam nicht mehr zum Vorschein. Goshar beeilte sich, aber er achtete auch darauf, im tiefen Schnee seine Kräfte nicht zu sehr zu verausgaben. Er hatte noch keine Zeit gehabt, sich Schneeschuhe zu bauen und er versank mit jedem Schritt tief in den Schneewehen.

Endlich kam er an der Stelle an, wo der Elf verschwunden war. Goshar prüfte den Himmel und sah über den Berggipfeln dunkle Wolken dräuen. Ein Sturm zog auf und würde nicht lange auf sich warten lassen. Goshar drehte den schmalen Elfen auf den Rücken und erstarrte. Al’lel lag vor ihm, totenbleich und dem Tode nahe. Was war ihm nur widerfahren, dass er in diesem Zustand war? Goshar nahm seine große Felljacke und wickelte den Jungen in sie ein. Dann hob er ihn auf seine Schulter.

Als er kurz den Rücken des Elfen berührte, stöhnte Al’lel selbst in seiner tiefen Bewußtlosigkeit vor Schmerz auf. Goshars Stirnrunzeln vertiefte sich. Das war nicht gut und er täte gut daran, sich zu beeilen. Der Ork wagte nicht daran zu denken, dass es vielleicht nicht schon zu spät wäre. Zu bleich war das Gesicht des Jungen und zu leicht sein Gewicht. Er spürte ihn kaum, es war, als hätte die Göttin ihn bereits gerufen, und er weigerte sich nur, ihrem Ruf Folge zu leisten.

Mit kontrollierten doch schnellen Schritten stapfte der große Ork durch den Schnee, sich kontinuierlich der Höhle nähernd. Das strahlende Sonnenlicht wurde von den Wolken verschluckt, doch noch brach der Sturm nicht los. Immer dunkler wurde es, immer tiefer sank die Temperatur und Goshar wusste, dass dieser Sturm einer der schlimmsten dieses Winters werden würde.

Er war nur noch einige Wegesminuten von der Höhle entfernt, als der Sturm unvermittelt und mit einem lauten Heulen losbrach. In wenigen Schritten hatte der große Ork die Orientierung völlig verloren. Er hielt inne und versuchte, durch den wirbelnden Schnee, das laute Heulen und die tiefe Dunkelheit irgendetwas zu erkennen, doch nichts. Es war, als wäre er in einer sehr kalten und sehr engen Höhle gefangen ohne einen Ausweg zu finden. Goshar war verzweifelt. Er wusste nicht, ob Al’lel noch lebte, aber weder er noch der Elfenjunge würden lange hier draußen überleben können.

Plötzlich erschien von oben ein Laternenlicht und bewegte sich auf ihn zu. Er wartete angespannt, denn die Geschichten von verirrten Wanderern, die von Banshees in die Irre geführt wurden, waren Legion. Doch es war keine Banshee, es war seine Schwester, Shirina, die endlich vor ihm auftauchte. Sie lächelte süß und bedeutete ihm, ihr zu folgen. Sie schien den Weg zur Höhle gut zu kennen und leitete ihn sicher zum Eingang.

Innen in der Höhle war bereits ein Feuer angezündet und eine Suppe kochte auf dem Feuer. Goshar hatte den Kessel nicht mitgebracht, also musste sie ihn zu Hause entwendet haben. Er drehte sich zu ihr um und hob fragend die Augenbraue. Shirina grinste ihn an und meinte: “Mutter weiß davon. Sie hat mich geschickt.” Goshar konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Wenigstens waren nicht alle im Dorf gegen ihn.

Der Ork legte seine Last auf dem selbstgebauten Fellbett ab. Shirina sah, was er da hatte und schnalzte mit der Zunge. Goshar wollte sie schon schelten als er das Mitleid sah, dass in ihren Augen stand. “Kannst du ihm helfen?” bat er sie. Er wusste, dass sie beim Heiler der Höhle aushalf und seine Kunst erlernte. Sie nickte ernst. “Ich werde tun was ich kann. Aber, Goshar, es sieht nicht gut aus.”

Goshar nickte. Das wusste er bereits. Shirina schürte das Feuer bis die Höhle hell erleuchtet war und ordentlich durchgeheizt. Dann nahm sie eine der irdenen Schüsseln die sie auch mitgebracht hatte und bat ihn, ihm etwas Wasser aus der Quelle zu holen. In der Zwischenzeit zog sie Al’lel die Fellkleidung aus, soweit es ging. Doch die zwei Hemden, die er ganz zuunterst getragen hatte, waren vollständig mit dem Rücken verklebt. Shirina runzelte die Stirn und überlegte.

Die Hemden einfach abzureißen stand außer Frage, das ging nicht. Aber sie musste sie ausziehen, um zu sehen, wie groß der Schaden wirklich war. Goshar löste das Problem, indem er sein großes Messer zog und die Vorderseite und die Ärmel der Hemden aufschnitt. Die Geschwister drehten Al’lel behutsam auf den Bauch und Shirina konnte das oberste Hemd Stück um Stück von Al’lels Rücken lösen. Die Geschwister blickten sich an. “So würde man nicht einmal ein Tier schlagen” sagte seine Schwester entsetzt und Goshar nickte, nicht weniger erschrocken. Leben war für die Orks geheiligt. Sie nahmen es nicht gerne, aber wenn, dann ohne Grausamkeit und ohne Zorn. Es war eine Notwendigkeit und kein Sport.

Doch das hier, das war die grausame Hand eines Henkers der den Rücken des Jungen gezeichnet hatte. Wer würde so etwas tun? Goshar konnte sich nicht vorstellen, dass einer der Elfen verdorben genug wäre, um einem der ihren so etwas anzutun. Und dann auch noch, ohne dass die Eltern des Jungen eingegriffen hätten um ihn zu schützen. Die Fürsorge von Elfeneltern war legendär. Doch was immer das Geheimnis war, es musste warten, bis Al’lel in der Lage war zu sprechen. Falls er es je wieder konnte.

Shirina riss das bereits ruinierte Hemd in Fetzen, tauchte sie in das Quellwasser und feuchtete das eingetrocknete Blut an. Sie wiederholte das an einer anderen Stelle, und dann wieder. Goshar, der ihr aufmerksam zusah, half ihr dabei. Stück um Stück konnten sie das Hemd behutsam entfernen, kleine Blutrinnsale tupfte Shirina sofort mit Quellwasser ab.

Endlich hatten sie den Rücken freigelegt und Goshars Herz sank. Wie Al’lel es überhaupt bis hierhin geschafft hatte, war ihm ein Rätsel. Er blickte Shirina an, doch fand nur Entschlossenheit. Sie schüttelte den Kopf. “Er wird nicht sterben. Nicht, wenn ich es verhindern kann.” Sie lächelte ihn an. “Schlaf, großer Bruder. Das hier ist die Aufgabe der Heilerin. Schlaf und erhole dich.” Goshar konnte nichts gegen die übergroße Müdigkeit tun, die ihn erfasste und er sank zu Boden. Kurz bevor er endgültig einschlief, fühlte er, wie er mit einer warmen Felldecke zugedeckt wurde und wie seine Schwester ihn auf die Stirn küsste.

Das Tal der Stürme – Prolog
Das Tal der Stürme – 1
Das Tal der Stürme – 2
Das Tal der Stürme – 3

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2 thoughts on “Das Tal der Stürme 4

  1. Ein kleiner? Ich bitt dich – schnell weiter … 😉

    Ich komm mir grad vor wie vor einem Adventskalender, bei dem die anderen Türen alle klemmen … 😛

  2. Und da WP zusätzliche Bindestriche scheinbar eliminiert, würde ich die Seriennummer mit Bindestrich in der Überstrich separieren.

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