Das Tal der Stürme – Prolog

Danke an Dustbin für den Vers am Schluß – ich krieg sowas ja nie hin 🙂

Der Elfen-Barde saß vor seinem andächtig lauschenden Publikum. Die Sackpfeife war sicher an seiner Seite verstaut und die Harfe, das Kennzeichen seines Standes, lag auf seinen Knien. Langsam strich er über die Saiten und entlockte ihnen einen glockenhellen Akkord.

Den Rücken zur gigantischen Feuerstelle an der Stirnseite der großen Halle gedreht, blickten die Menschen ins Feuer. Er wusste, was sie sahen: Seinen schattenhaften Umriss vor dem riesigen Feuer, nur seine Stimme hörend und nicht sein Gesicht sehend.

Er lächelte zufrieden als er die gebannten Gesichter der Dorfkinder sah. Die Erwachsenen waren nicht weit weg, die Hände emsig beschäftigt während die Ohren den Geschichten des Barden lauschten. Ja, er hatte sie in der Hand und konnte sie lenken wie ein Puppenspieler, mit den Emotionen spielen und sie zum Lachen bringen und zum Weinen. Und alles dazwischen. Wie ein guter Barde es können sollte. Ja, es war ein guter Abend. Er hatte schon eine Weile Geschichten erzählt und er fühlte, dass die Zuhörer bereit waren für den Höhepunkt des Abends.

Ein weiterer glockenreiner Akkord erklang und erinnerte die Zuhörer an das Plätschern des Wassers, wenn es im Sommer über die Steine floß. Eine willkommene Erinnerung so kurz vor Mittwinter, das Heulen des Blizzards außerhalb der fest gefügten Halle eine perfekte Untermalung für die Ballade, die er erzählen wollte. Eins der Kinder wurde ungeduldig. Ein junger, schmal gebauter Elf hob seine Hand. Der Barde, der wußte, was der Junge wollte, nickte ihm zu, während seine geschickten Finger über die Harfensaiten glitten. Das Gesichtchen des Kindes hellte sich auf, als er die Erlaubnis erhielt zu sprechen. “Die Ballade von Goshar und Al’lel bitte?” und mit einemmal hingen die Augen aller Kinder und Erwachsenen gebannt an seinen Lippen. Der Barde lächelte leise und nickte dem Jungen zu, der ihn anstrahlte.

Die Kinder klatschten vor Freude in die Hände, während die Älteren beifällig lächelten. Diese Ballade war die Lieblingsballade aller Dorfbewohner und sie konnten sie nicht oft genug hören. Das war auch der Grund, warum der Barde ein Spiel daraus gemacht hatte. Er erzählte Geschichten und irgendwann am Abend kam unweigerlich die Frage nach der Ballade von Goshar und Al’lel. Und manchmal stimmte der Barde zu.

Und manchmal nicht.

So erhielt er die Vorfreude und verhinderte, dass die Menschen ihrer überdrüssig wurde. Der Ballade von den beiden größten Söhnen des kleinen Dorfes. Und wie sie zu Männern heranwuchsen, deren Name landauf landab nur mit Respekt und Ehrfurcht genannt wurden.

Die Melodie, die der Barde zupfte, veränderte sich subtil, die Töne wurden tiefer, tragender. Und der Barde fing an zu erzählen.

Oh höret die Kunde von dem Tale, fern von hier,
von den jungen Helden, einst Todfeinde,
deren Namen da lauten Gorash, dem Ork
und Al’lel, aus dem Volk der Elben,
und deren weisen Ältesten Goshar und Jon’ran.
Höret von dem Volk aus dem Tal der Stürme,
das durch die Gnade der Göttin versöhnet
und geführt wurden in das Tal des Sommers.
Höret von dem Segen, den die Göttin gibt:
Ein wunderliches Tal mit sanften Winden
und sanften Hügeln, einer Aue in des Grundes Mitte.
Ein Grab stehet dort, das immer blühet,
sei es Sommer oder Winter,
mit weißen Blüten, gekrönet mit Gold.
Eine alte Weise, zu spielen mit der Laute,
zu preisen die Göttin wunderbar;
höret und bestaunet das Wunder,
das Elben und Orks versöhnet hat.
Ein Volk wurde gebildet
aus den klugen Elben, hoch gewachsen und flink,
den derben Orks, dicknackig und stark im Kampfe,
den geschickten Zwergen, zäh und dauerhaft,
und den gelehrten Menschen, die da bestellen die Felder.
Sie alle leben im Segen der Göttin
und wandeln nun im Lichte.
Höret und Staunet!

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