Sie haben wohl keine Kinder

/Update: Avarion hat mir die Free Range Moms gelinkt. Gesunder Menschenverstand gegen Helicopter Mums 😉

Wer kennt das nicht. Kind steht an der Kasse und haut einem stäääääändig mit einem saufrechen Grinsen den Einkaufswagen in die Hacken. Man dreht sich um in der Erwartung, dass der anwesende Erziehungsberechtigte etwas unternimmt – aber nö. Da kommt nix, im Bestfall ein mildes Lächeln und ein „das tut man aber nicht“ (aber dann hat man schon Glück gehabt). Man zieht die Augenbrauen hoch, fragt, ob der Nachwuchs das bitte nicht unterlassen könnte, langsam würden die Hacken anfangen zu bluten, da kommt der tiefe Stoßseufzer der Mutter:

„Sie haben wohl keine Kinder, was? Sonst wüssten Sie doch, wie das ist“

*flash*

Man fährt, respektive tuckert eine Straße entlang. Oh shit. Schule. Und genau: Eine laaaaaange Reihe von Autos nutzt den tollen großen Parkplatz (aka „Bushaltestelle“) der direkt vor dem Schuleingang steht und absolviert nacheinander dasselbe Ritual:

Auto hält an, Fahrertür schwingt auf, Fahrer/-in schwingt den Hintern aus dem Sitz, öffnet die hintere Autotür, eine Anzahl X an Kindern (zwischen eins und 100 alles drin) steigt aus, Fahrer hat für jedes Kind einen Rucksack in der Hand, schnallt den ordentlich fest, gibt dem Kind noch einen feuchten Schmatz auf die Wange und sieht gerührt, wie es in der Schule verschwindet. Hardcorefälle winken dann noch mit einem Taschentuch.

Schwingt die Hufe dann wieder ins Auto und macht Platz für den nächsten, das Ritual beginnt von vorn. Der Busfahrer steht irgendwo hinter mir und hat entweder den völlig abgestumpften Gesichtsausdruck desjenigen, der das Theater seit Jahren mitmacht und den nichts mehr erschüttern kann oder den panischen Gesichtsausdruck des Neulings, der seinen Fahrplan im Kopf hat und ihn gerade von Helikoptern geschreddert sieht.

Erster Schultag? Mitnichten und -neffen. Das ist eine tägliche Morgenroutine.

Man kurbelt das Fenster runter und brüllt: „EY MACHMA BISSI SCHNELLER DA!“ und dann dreht sich der so rüde aus seinen wehmütigen Kinderträumen gerissene um, mustert einen mit einem finsteren Blick und äußert in absoluter Gewissheit, die Überlegene zu sein, den Triumphsatz der Mutter:

„Sie haben wohl keine Kinder, was? Sonst wüssten Sie, wie das ist.“

Ich richte das nachfolgende an alle, die von diesen Idioteneltern gequält werden. Diesen Erziehungsverweigerern, diesen elterlichen Fehlschlägen:

Antwortet doch mal sowas hier:
1. „Doch. Aber MEINE sind erzogen“

2. „Das machen sie woran fest? Dass ich meinen Nachwuchs nicht zur Schule bringe? Der kann das prima alleine, der ist schon groß und selbständig. Ist ihrer irgendwie eingeschränkt, dass er das noch nicht kann?“

Es empfiehlt sich aber dringend, danach nicht nur das Weite zu suchen sondern auch zu finden. Die werden nämlich leicht mordlustig. 🙂

P.S.: Ich mag meine Facebook-Timeline für die Diskussionen da *g*

Send to Kindle
Soziales

Flattr this!

43 thoughts on “Sie haben wohl keine Kinder

  1. Erziehen? Ist das was mit Arbeit? Wo man was tun muß? Krieg ich da Geld für? Wird mir das auf mein Hartz-IV angerechnet?

    Vergiss es, die Zeiten sind vorbei.

    Erwachsene werden vom Staat überbehütet – Abhören, Sicherheitskontrollen, Fingerabdruck- und DNS-Speicherung; Versicherungen gegen alles und jeden. Aber wirklich beschützt werden sie nicht (Du schriebst es mehrfach).
    Das geht halt im Kleinen bei den Familien so weiter. Behüten und Betüdeln bis zum es-geht-nicht-mehr. Aber wirklich was für das Erwachsenwerden tun? Fehlanzeige.

    Just my 2¢, ich versenk mich wieder.

  2. Manchmal hilft ein: „Wenn mir ihr Kind nochmals den Einkaufwagen in die Hacken schiebt, werde ich nicht zögern, denselben bei ihnen als Suppositorium einzuführen!.“ Am besten garniert mit einem leichten Zähneknirschen…

    Helfen kann auch, den Einkaufswagen anzutreten/mit dem Po wegzuschieben/-stoßen, am besten derart, dass das Kind dem Erwachsenen hinter im nicht nur auf die Füße lascht, sondern ihn mit zu Boden reißt. Das folgende Gezeter kommentiert man dann mit: „Oh, Verzeihung, ich habe sie gar nicht gesehen.“ Am besten garniert mit einem offenen Vollgrinsen.

    Machmal allerdings geht dann doch der Deibel mit mir durch und ich fange an, wild zu gestikulieren und herumzuschreihen, vorzugsweise unzusammenhängendes Zeuch, mit Schaum vor dem Mund und einem leichten Knurren zwischendrin.

    Weitere Vorschläge zur Erwiderung:
    „Sie sind witzig! Sie töte ich zuletzt.“
    „Nein! Ich habe meine Kinder bereits vor 16 Jahren verspeist.“
    „Nein! Und sie hätten besser auch keine.“
    „Nein! Sie?“
    „Ach! Das sind ihre?“

    😀

    PS: Mir fielen noch weitere Entgegnungen ein, aber die kann ich hier nicht verlauten lassen…

  3. Wir sind damals(tm) selbständig zum Kindergarten oder zur Schule. Wir hätten uns sonst auch lächerlich gemacht. Und beim Spielen haben wir uns durchaus auch mal Knochen gebrochen. Na und? Hat sich keiner drüber aufgeregt, sowas passiert schonmal.

  4. Die Steigerung der Helikoptereltern sind die, die den Nachwuchs bis an die Uni schleppen:

    „Jetzt sagen sie, Herr Studienberater, doch meinem Melvin-Tschäden doch mal, dass er unbedingt Xxx studieren muss, das ist doch was mit Zukunft, oder?“

    Und Sohnemann sitzt desinteressiert daneben und spielt am Handy rum.

    „Herr Studienberater, bitte reden Sie doch meiner Lorin-Rozerin aus, YYY studieren zu wollen, das ist doch nichts für eine Mädchen!“

    Rozi sitzt mit finsteren „tu ich aber doch“-Gesicht daneben.

    Nein, keine Vision. Unser Studienberater des Departments hat sich öfters bei mir ausgeheult…

    Wir warten nur noch auf die ersten Eltern, die zur Professoren-Sprechstunde kommen, und erwartungsvoll den Prof anblicken:

    „Aber unser Melvin-Tschäden macht doch gut mit im Unterricht, oder? Meinen Sie er besteht die Prüfung?“

    „Gute Frau, in der Anfänger-Vorlesung sitzen 400 Studierende – meinen Sie ernsthaft, ich kann mich da an Ihr Ba… äh … Ihren Sohn erinnern?“

    „Ja aber, ich habe doch …“

    „Ach ja, stimmt, Sie sind die, die den Sohn – der Campus ist ja so groß und unübersichtlich! – bis zum Hörsaal bringt und mit einem Küsschen verabschiedet, nachdem Sie ihm einen guten Platz gesucht haben? Ja, ich glaube, Ihr Sohn wird es sehr leicht im Studium haben…“

  5. Ich kann mich nur erinnern in der Kindergartenzeit gebracht worden zu sein, ansonsten war selber laufen angesagt.

    Wie sich heutzutage Eltern und Kinder dran halten weiß ich nicht.
    Das das helicoptering hier auch Einzug hat ist ja ehrlich gesagt zum Kotzen.

    Manche ami. Eltern sind sogar bei Jobinterviews und Co mit dabei, weil Mamas Liebling und Augenstern.

    Das sind ja teilweise dann auch die, die gerne Homeschooling betreiben würden, dann kriegt das Baby für alles einen Stern.

    Sehr schön auch dazu die Gegenbewegung:
    http://www.freerangekids.com/
    da kriegt man immer mal mit wie kaputt manche Eltern und die Gesellschaft geworden sind.

  6. Beim Einkaufswagen hilft „sanftes“ Zurückschubsen enorm. Durfte ich auch schon erleben 😉

    Und beim Wildparken vor der Schule helfen Anzeigen. Einfach pro Fahrzeug Foto vom Halter und Fahrzeug und Nummernschild machen, wenn du eh nur wartest. Und anschließend online anzeigen. Irgendwann ist die Bushaltestelle wieder frei. Dauert ein bißchen, da einige mehrere Tickets brauchen, wird aber. Und mit Foto kannste auch bequem online und anonym Anzeigen fertigen – Beweis ist ja anbei.

  7. Meist hilft auch ein deutliches zusammenscheißen. Mit dem richtigen Tonfall, erfahrende und gute Lehrer kennen den Tonfall, reagieren die meisten Kinder, auch die angeblich renitenten, sofort. Es könnten nur sein, das man, je nach persönlichen Alter, von der Mutter angekeift wird.
    Zur Schule, jede Polizeidienststelle, besonders, wenn ein Kind davon in der Schule ist, stellt auf Wunsch einen Beamten zum Schulbeginn ab, der sich das Treiben ansieht. Bei meiner Frau hat das wie Backpflaumen gewirkt. Der einzige Haken, die Schule muss Einsatz zeigen. Muss leider zum Beginn jedes Schuljahres wiederholt werden.

  8. ..oh Mann, zum Glück IST meiner gut erzogen, jedenfalls meistens, und in den schlechten Phasen besser als das beschrierbene Pack 😛

    Ich fahr Junior zwar auch zur Schule (muss e h da lang), aber ich such mir nen Parkplatz, wo ich niemanden störe, und lass ihn da raus. Dummerweise ist die Straße dort ne enge Einbahnstraße, so dass ich dieses aussteigeritual inklusive übers Haar streicheln und Ranzen aus dem Kofferraum holen ca. 3 bis 7 mal vor mir habe, ehe ich da durch und drann vorbei Richtung Parkplatz bin..

  9. Pingback: Links 2013-11-22 | -=daMax=-

  10. Das Du gnatzig sein kannst, wußte ich ja bereits, aber heute hast Du Dich mal wieder selbst übertroffen. Ich bin begeistert. 😉

  11. Oh, du hast vergessen zu erwähnen, dass es genau diese Herrschaften sind, die eine verkehrsberuhigte Zone vor ihrem Haus verlangen, wegen der Kinder, wissen schon. Und Tempo 30 am Schulweg, weil das ja sonst viiieeel zu gefährlich ist.

      • … und sich darüber aufregen, dass dieser „scheiß Bus“ mal wieder die ganze Fahrbahn blockiert, bloß weil die Haltestelle zugeparkt ist…

        • … und dann morgens mit Kind und Kegel noch eher losfahren, weil sonst ist ja wieder alles zugeparkt ist. Und weils so früh ist, kann man sich ja dann mit dem Abschiedsritual etwas mehr Zeit lassen …

  12. Da kann ich Einiges nachvollziehen. Viele Antworten sind wirklich gut, etwa JoyntSoft, aussichteinsicht mit dem 60-Blitzer oder überhaupt die Ausgangssituation mit Einkaufswagen in den Hacken. Ist alles ok und die Ursache ist echt blöde. Ich meine das wirklich und ganz ehrlich! Das ist aber nur die eine Seite.

    Wenn so eine „Mutti“ um 5:30 aufsteht, ihren Penner zur Arbeit geschickt hatte, die Brote hinterher warf, das blöde Kind wieder einfach nicht aufstehen wollte und sie nun zu spät zur Arbeit kommt, der Chef wieder meckert oder sie gar anbaggert, wenn wieder nichts mit Duschen war, wenn blöde Omas sich im Supermarkt vordrängeln und dann der Balg noch einer Tante dauernd in die Hacken fährt, wenn dann Mutti am liebsten im Boden versinken möchte und nur noch weinen will, verzweifelt fragt: „Sie haben wohl keine Kinder?“ Was ist dann? Dann kommt eine blöde Antwort auf einen versteckten Hilfeschrei. Was dann? Dann trocket sie die Tränen und tritt Dir einfach kräftig in den A***. Wohl kaum. Was meint ihr, was die macht und wie es ihr geht? Natürlich, die Zicke merkt sowieso nix und schminken kann sie sich sowieso nicht. Ist schon klar, ist alles klar.

    Ja, das ist nicht fair. Ich bin wirklich unfair. 999 mal habt ihr Alle vollkommen Recht. Doch genau einmal habt ihr nicht Recht. Das ist nicht fair – genau einmal in 1000 Fällen ist das nicht fair.

    he, diese Welt ist nicht fair und so wird das wohl auch nix.

    • Tja, dieses eine Promille ist dann halt ein (dieser Ausdruck ist alternativlos) Kollateralschaden.

      😀

      PS: Und jetzt komme hier keiner mit „Begleitschaden“ – das ist nicht fremdwörtisch und gildet deshalb nicht 😉

    • Auch wenn man so fertig ist, ist das kein Grund dem eigenen Kind nicht die „Ohren langzuziehen“, auch wenn’s nur verbal ist.

      • Ach mano, darum geht es doch gar nicht. Es geht um die Pauschalisierung und den Stammtischlevel hier. Es geht darum, dass immer mehr Menschen in dieser Gesellschaft definitiv krank sind, Mütter, Väter, Kinder, Singles, einfach Alle. Und es geht darum, das dies einen Grund hat.

        Schön für Dich so stark zu sein. Andere haben das Privileg nicht und so ist es Deine Aufgabe, da ein klein wenig auszuhelfen. Und wenn das auch nur in einem von 1000 Fällen einen Sinn macht…

  13. @Joachim: Sorry, aber mein MItleid hält sich in Grenzen. Kinder zu kriegen ist seit Jahrzehnten kein Schicksal oder Zufall mehr. Und wenn ich dann die ach so gestressten MILFs (sorry, passt aber) sehe, die ihre lieben Kleinen mit ihrem Hausfrauenpanzer zur Schule oder zur KiTa kutschieren, aber vorher offenbar ausreichend Zeit für ein Top-Styling hatten und ansonsten anscheinend viel Zeit auf ihr Aussehen verwenden, dann ist von dem Stress sicher auch einiges selbstgemacht. Ich plädiere keineswegs dafür, dass alle Mütter aussehen sollen wie Puttchen Brammel, aber manche von diesen Tussen machen auf mich den Eindruck, dass das Kind eher ein modisches Accessoire der Mutter ist als ein eigenständiger Mensch. Und wenn das Kind dann nicht so „funktioniert“ wie es soll (weil seine Bedürfnisse ignoriert werden), dann gibt es Streß, der sich auch auf die Mitmenschen auswirkt.

  14. zu MILF findet Google ca. 108000000 Ergebnisse. Ist wohl ein wirklich wichtiger Begriff zu den Tussen an den Bushaltestellen, die ihre Kinder abgeben.

    Wo ich da schon mal im Internet war habe ich noch etwas für Euch gefunden. Etwas, das erst bei näherer Betrachtung mit dem Thema zu tun hat und nur, wenn man Stefans letzten Satz als Frage umformuliert. Dann aber direkt mehrfach. Ansichtssache. Stefan, dies ist meine Antwort. Have fun.

    http://youtu.be/XOytKU9cBNA
    http://www.elyricsworld.com/good_people_lyrics_jack_johnson.html

    Way down by the edge of your reasons
    Its beginning to show
    And all I wanna know is
    Whered all the good people go

      • Stefan, was soll ich nun sagen? Ich will Dich nicht angreifen. Ich sehe durchaus Deinen Punkt. In der Tat nervt selbst auch mich das dämliche (vom Mann gesteuerte) Taxi mitten auf der Straße zwei mal in der Woche vor dem Kindergarten.

        Ich rufe nur zu ein wenig Toleranz auf und dazu, sich nicht wie bei RTL zu benehmen, also nicht so sehr zu pauschalisieren. Dein letzter Satz, woher kommt das?

        Was läuft mit dieser Gesellschaft so schief, dass es so ist? Wie peinlich ist das für uns, wenn ADHS zunimmt und Mütter, die nur das Beste für ihre Kinder wollen, schon mal hoffnungslos überfordert sind. Statt Hilfe, Verständnis (love an understanding, ein weiterer Songtitel) von einer Gewitterziege die Leviten gelesen bekommen. Schlimm genug, dass diese „Ziege“ auch noch Recht hat.

        Mein Gott, da stehen wir nicht darüber, schauen nicht einmal, ob die Mutter überhaupt gesehen hat, was ihr Kind da gerade abzog, meckern gleich los, drehen an der Leistungs- und Mobbingschraube. Echte TV-Reality, wenn da ein ganzer Blog noch mitzieht.

        Merkt ihr nicht, dass wir uns platt im Kreis bewegen, die Eier schaukeln und prompt an den Ursachen vorbei sehen? He, wie im Fernsehn hier. Und ich dachte, das sei Internet, wo man mich nicht verblöden will.

        Sorry Stefan, das ist echt nicht persönlich und ich finde meist sehr gut, was Du sagst… Aber spätestens MILF und Tussen waren voll daneben.

        • Als ich kann mit Fug und Recht behaupten: Ich schaukel keine Eier 😀

          Joachim, du bist jetzt arg in der Political Correctness-Schiene, merkst du das? *g*

              • Nicht in der Correctness-Schiene. Die Tante hat definitiv Eier – soweit ich mich in der weiblichen Biologie auskenne und ansonsten auch.

                  • Stell Dich nicht so an. Eier in der Hose ist ein Synonym für Courage. Das war mit „ansonst auch“ gemeint.

                    Liebe Leute, ich sehe das Problem. Ich teile die meisten Meinungen hier. 999x sind die Vorschläge korrekt. Nur ich werde es nicht wagen, der Tausenste zu sein und jemanden fallen zu lassen. Es sind Menschen und keine Monster. Es tut mir Leid Tante. Nicht nur Du hast schreckliche Ding erlebt.

                    Außerdem denke ich, genau dagegen, gegen die Ursachen, muss etwas getan werden und nicht groß kotzeliert werden – nur damit wir denken, jedem gehe es gut. Oder meint ihr, Familienpolitik und Leistungsgesellschaft haben damit nichts zu tun?

                  • 😛

                    Joachim, es hat nen Grund, warum ich mit Political Correctness gekommen bin. Der ganze Artikel war nur halbherzig ernst gemeint. Ja, ich habe schon so reagiert – und das mit Fug und Recht. Ich muss mir nicht bei jedem Schritt überlegen, ob derjenige, dessen Kinder gerade meine Nerven strapazieren, selbst einen äußerst schlechten Tag hatte. Das ist definitiv nicht mein Problem. Im Besten Fall kann mans ignorieren, aber es ist kein Problem, jemandem zu sagen: „Hey, deine Kids da – is nich so toll, was die machen.“

                    Und die Eltern, die ich persönlich kenne, deren Kinder kommen erst überhaupt nicht auf die Idee, sowas zu veranstalten. Wenn die sowas machen würde, gäbs den Kopf gewaschen, aber richtig. Das wissen die, also lassen dies.
                    Ja, auch die Drei- und Vierjährigen, die können sich nämlich auch benehmen, wenn man denen das beibringt. Das funktioniert nicht immer zu 100%, aber wenn Muttern oder Vaddern dann sacht „Schluß jetzt“ und ein kleines „Entschuldigung“ in Richtung Opfer – alles ist gut.

                    Ich bezog mich aber auf die Eltern der Bratzen, die glauben, dass man den lieben Kleinen alles durchgehen lassen muss. Weil man ja nicht mehr erziehen darf. Die nicht verstanden haben dass das Kind weder ein schmückend Anhängsel der Mami ist noch ein Ding, mit dem man angeben kann. Sondern kleine Menschen mit eigenem Kopf, den man aber anleiten muss, weil die Erfahrung fehlt. Ich bezog mich auf die Eltern die nicht wissen, dass Erziehung notwendig ist, damit die Kinder in einer Gesellschaft leben können.

                    Den schlimmsten Fall hat mein Ex-Kerl produziert. Der hätte nie ein Kind mit seiner Ollen in die Welt setzen dürfen. NIE.

                    Mutti hatte Knieprobleme. Kann schon mal passieren. Mutti wurde falsch behandelt. Kann auch passieren, verklagt man den Doc und geht zum anderen. Mutti hatte aber herausgefunden, dass kaputtes Knie von der fiesen Hausarbeit befreit. Also wurde flugs ein Flatscreen gekauft und mit dem Tag wurde das Sofa für sich selbst gepachtet. Fernsehgucken. Und Telefonieren. Kümmern um Sohnemann? Ach, der liegt so toll auf der Matte. Und da lag der auch den ganzen Tag. Gesprochen hat mit ihm nur mein Ex – abends, wenn er nach 12 Stunden vom Dienst kam. Für ca. 30 min. dann ging der Kurze ins Bett.

                    Kindergarten? Och nein, der ist doch noch soooo klein. Und ich bin ja den ganzen Tag zu Hause, woll? Kann ich mich drum kümmern, Kindergarten machen wir nicht. Und so zieht sich das durch bis zur Grundschule. Und hier wurde der Kurze auf einmal mit Gleichaltrigen konfrontiert. Der kannte sonst nur Erwachsene und hatte KEINE Freunde. Rat doch mal, wie es dem nunmehr 12jährigen so geht?

                    Die Kinder müssen erzogen werden. Das kann man auf die faule und bequeme Tour tun, indem man die Kids in die Submission prügelt oder man kann das auf die Art machen wie meine Schwestern: Positive Anreize. Wenn sie ein unerwünschtes Verhalten zeigt, dann wird deutlich gesagt: „NEIN.“ Mit der richtigen Betonung und der entsprechenden Konsequenz kann man das durchaus durchziehen. Ist aber schwierig.

                    Und positive Anreize kann man auch geben. Wenn sie was gut gemacht hat, dann wird sie auch belohnt.

                    Ja, das kostet Nerven, ja es wird schlechte Tage geben.

                    Aber die an den unschuldigen Umstehenden auszulassen und zu hoffen, dass derjenige schon versteht, dass man Kinder hat, und dass das alles ganz doll schwierig ist: Nö. Auf die Idee würde keiner von uns Schwestern kommen. Das ist UNSER Problem und WIR müssen es lösen.

                    Der Artikel hingegen hat *bewußt* Figuren satirisch überzeichnet.

                    Und du den erhobenen Zeigefinger gezeigt. 😉

  15. Joachim: Danke, ich sehe das nicht als Angriff. Ich gebe dir recht, da habe ich daneben gegriffen und mich auf Boulevard-Niveau bewegt. Ich finde es gut, dass Du das aufgreifst und in vernünftiger Form kritisierst. Keine Ahnung, was mich da geritten hat.

    • Hi Stefan, bedenkt man, was ich alles schon für Unsinn sagte, machte oder schrieb, dann dürfte ich dazu gar nichts sagen. Aber ich will das nicht als Letztes hier stehen lassen. Nicht als eine Art Zugeständnis – statt dessen als etwas, das wirklich Respekt verdient. Nur so soll das hier stehen bleiben…

  16. Ich musste seit der ersten Klasse allein zur Schule gehen (und war seitdem auch ständig allein zu Haus), und es hat mir gutgetan. Bin dadurch selbstständig geworden. Übrigens hab ich in einer der örtlichen Grundschulen mal ein Schild gesehen, das an der Tür zu den Klassenräumen hing – mit der Aufschrift: „Ab hier schaffen wir es alleine!“. Find ich gut.

  17. Das erlebe ich auch fast täglich, wenn ich zur Arbeit fahre, da Schule um die Ecke. Und was ich da jeden Tag sehe…meine Güte….erkläre mir doch mal bitte jemand, wieso die Eltern ihre Kinder zu 99% auf der Straßenseite aussteigen lassen und nicht in Richtung Fußweg….

    • Weil die dann nicht ums Auto herum laufen müssen, um über die Straße zu gehen, sondern direkt rübergehen können?

bestellt folgenden Kaffee