Anleitung für Turnbeutelvergesser

Stellt euch für einen Moment vor, ihr seid frisch verheiratet und habt Nachwuchs. Eure Frau wird krank. Bandscheibenvorfall.

Sie muss operiert werden. Der Nachwuchs ist 9 Monate alt, laufen is nich. Der Haushalt läuft weiter.

Frau liegt von Montag bis Mittwoch im Krankenhaus, Montag OP, Mittwoch Entlassung mit dem Hinweis: „Das Kind dürfense aber nicht tragen“

So. Bild ist soweit klar? Gut. IHR seid jetzt der Ehemann. Was würdet ihr tun?

1. Frauchen versuchen, nach Möglichkeit alles abzunehmen, weil sie eben verdammt viel Schmerzen hat. Weil sie riskiert, wenn sie zuviel macht, dass sie einen erneuten Bandscheibenvorfall bekommt und möglicherweise im Rollstuhl sitzt. Ihr überschüttet sie mit Liebe und Zuneigung, legt euch selbst ziemlich krumm und verzichtet auch mal auf liebgewonnene Dinge wie die eigene Zockerei. Ihr steht nachts auf, wenn Kind weint und kümmert euch um die zwei.

2. Jo nu, OP ist rum, alles gut oder? Ihr seht nicht wirklich ein, dass ihr nach eurem anstrengenden Arbeitstag auf eure Zockerei verzichtet, das habt ihr euch verdient.
Oh, die Frau legt gerade die Wäsche zusammen und beklagt sich, dass der Rücken weh tut? Hey, kein Problem. „Schatz, das nächstemal müssen wir uns was überlegen. Ich bau dir dann das Bügelbrett auf, okay?“

Spülmaschine ausräumen sollte doch nun wirklich kein Problem sein. Schließlich ist das Zeug nicht schwer. Müll runterbringen ist kein Ding, das Zeug ist ja schwer und Treppensteigen wohl nicht so der letzte Bringer, aber vor die Tür legen kann sie das ja wohl – woher sollt ihr schließlich wissen, dass der Müll runtermuss?

Wäsche umpacken von Waschmaschine zu Trockner, mäh, schon blöd, weils die Zockerei unterbricht. Aber Frauchen hätte euch wirklich sagen können, dass ihr die trockene Wäsche auch wieder mit hochbringen solltet. Beim runtergehen entsprechend rummeckern.

Überhaupt die Zockerei. Ihr habt keine Ahnung, wieso sie sich so aufregt, nur weil ihr ein paar Zombiespiele zockt. Die Kleine guckt da drauf, klar, aber die kapiert doch noch gar nicht, was das ist. Sind nur bunte Bilder. Man kann sich auch anstellen.

Garniert das ganze dann mit Sprüchen wie:

„Schatz, ich bin schwanger, der Arzt hat mir verboten, schwer zu heben. Und dein Schwager umsorgt seine schwangere Frau viel mehr.“

„In der Steinzeit haben die Frauen auch schwer heben müssen, das war damals natürliche Selektion.“

Oder sehr gut kommt an:

„Schatz, ich seh überhaupt nicht ein, dass ich hier den ganzen Haushalt machen muss und du den ganzen Tag faul auf dem Sofa hockst.“

*CUT*

Ich werde hier allmählich zum Schwesternator. Oder Tantenzilla, suchts euch aus.

Mein Schwager benimmt sich alles in allem, als ob er die Vorteile des Singledaseins mit den Vorteilen der Ehe kombinieren möchte und er läßt meine Schwester mit allem alleine.

Es ist nicht alles schlecht – das auf keinen Fall. Er hat seine guten Seiten und sie mag ihn ja auch. Das kann die Basis für eine Beziehung sein, aber nicht, solange sie so einseitig ist, wie sie gerade ist.

Meine Schwester trägt die Verantwortung für zwei Kinder, bzw. ein Kind und einen Kindskopf. Der Mann ist inzwischen 36, er ist nicht der einzige, dem es schwer fällt, sich auf die Situation mit Kind umzustellen. Das ist so der Lauf der Dinge. Und wenn man eine Familie hat, müssen sich die Prioritäten nun mal ändern. So doof das nun mal ist.

Aber das Kind ist da und er gefährdet gerade sehr konkret durch sein Verhalten die Gesundheit meiner Schwester. Die OP war eine Bandscheiben-OP, die mussten an den Wirbelkanal ran, um den Inhalt der Bandscheibe aus demselben rauszuprokeln. Die OP an sich ist schon ein Risiko, aber wenn man danach zuviel macht (aka HEBEN/BÜCKEN/TRAGEN, das ist ein völliges NO GO), dann riskiert man den Rollstuhl und ich kriege gerade deswegen echt graue Haare.

Und mein Schwager realisiert das gerade nicht. Der macht fröhlich so weiter – OP ist ja gelaufen und jetzt ist alles gut, oder? Nein, Schwager, ist es nicht. Mindestens sechs MONATE hätte sie keinen Handschlag machen dürfen. Dass sie selbst ab und an übers Ziel hinausschießt: Geschenkt. Würde sie in der Form auch nicht, wenn mein Schwager nicht bei jedem Handschlag fordert, dass sie ihm sagt, wie er ihn zu machen habe.

Und da isse wie ich: Wenns zu lang dauert, wird man ungeduldig und machts selbst.

Es gibt zwei Arten von Männern. Richtige Männer und Möchtegernmänner.

Ersterer wird man übrigens nicht dadurch, indem man DMAX als Lieblingssender hat.

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Soziales

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23 thoughts on “Anleitung für Turnbeutelvergesser

  1. Doch, wird man. Aber nur, wenn man das dargestellte auch umsetzt…

    Aber ich denke jetzt mal, dein Schwager ist kein zweiter Bear Grylls, oder? (Bin ich auch nicht, aber ich drücke mich auch nicht vorm Haushalt, dem Leben und dem ganzen Rest…)

  2. Hmmm – also _ich_ jedenfalls packe für meine Gattin nichts aus der WaMa in den WaTro oder räume die SpüMa ein oder aus; das liegt aber eher daran, dass wir weder ’nen Wäschetrockner noch eine Spülmaschine besitzen.
    Ansonsten gilt: Wer kann, der macht! Wer nicht kann, machts nich!

    😀

  3. Da möchte ich lieber nicht erleben, wie er sich anstellen würde, wenn *ER* so eine OP hätte – „Schahatz, kannst du mir bitte das Bier bringen, mir geht’*s so schlecht!“ “ Ach Schatz, stopf mir doch ein Kissen in den Rücken, sonst kann ich nicht zocken!“ …

  4. „… als ob er die Vorteile des Singledaseins mit den Vorteilen der Ehe kombinieren möchte und er läßt meine Schwester mit allem alleine.“

    Macht man das nicht so? Ich dachte, das wäre der Sinn der Rollenverteilung …

  5. Vielleicht sollte sich deine Schwester eine Haushaltshilfe auf Kosten der Krankenkasse organisieren (wenn sie darauf Anspruch hat).

    Und vielleicht jemanden, der ihrem Mann mal ganz kräftig in den Hintern tritt …
    … und danach mal klar macht, wie das zu laufen hat. Scheint so, als ob er noch ein paar Entwicklungsschübe benötigt.

      • Naja,
        aber ein sehr ernstes Wörtchen sollte sie mit ihm schon mal reden. Oder zusammen mit einem Mediator. Scheint ja so, als ob er den Sinn des Wortes „Familie“ noch nicht erfaßt hätte …

        … und entsprechend angepaßte Verhaltensweisen drauf hat.

  6. In einer Krise zeigt sich das wahre Gesicht eines Menschen, oder: Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot. Wenn er sich nicht ganz schnell umstellt, sehe ich die Beziehung in großer Gefahr. Zuneigung ist ja gut und schön, aber gerade in der Krise reicht das halt nicht.

  7. Ich lass nun mal alles weg, was ich hier denke, ist sowieso viel zu lang und dennoch nicht lang genug. Alles, mit Ausnahme der Tatsache, das die Situation typisch ist und in aller Regel die Frauen gleich mehrfach die Opfer sind.

    Aber wenn Du daran wirklich etwas ändern möchtest, dann tritt einen Schritt zurück. Um Dinge zu verändern muss man sie zunächst verstehen und alle Aspekte einbeziehen. Es nutzt nichts den Typen zu erschießen, selbst wenn das verdient wäre.

    Es gibt Ursachen für sein Verhalten. Zum Beispiel möglicherweise die, dass er mit der Situation hoffnungslos überfordert ist. Zum Beispiel die, das er einem Schmerz ausgelöst durch Mitgefühl einfach ausweicht. Männer sind so, die schalten einfach ab. Ich kann das nicht wissen. Ich denke aber, dass es für die Beiden sehr hart wird, das alleine zu überwinden.

    Was unter Anderem unbedingt erforderlich ist:

    – eine neutrale, freundliche Person, die möglichst beide mag und sich auf keine Seite schlägt. Die hat die Aufgabe Fortschritte ganz neutral und fair immer wieder zu kontrollieren und externe Anstöße zu geben. Das kann auch eine fachkundige Person sein.

    – eine Untersuchung der Ursachen und Umstände. Die Beiden müssen reden. Die neutrale Person kann hier nur den Anstoß geben – mehr aber nicht!

    – Reden kann man zunächst auch über Gefühle. Klare Ich-Botschaften senden. Verurteilung vermeiden bzw. nicht akzeptieren! Falls ein geeigneter Moderator zur Verfügung steht kann das vorerst helfen. Der braucht aber eine sinnvolle und objektive eigene Autorität.

    – Es ist ziemlich sicher, das der Mann auch (zu hochtrabend gesagt!) andere Probleme hat. Möglicherweise mit der Arbeit, sozialen Kontakten oder einfach nur unerfüllten Wünsche/ Bedürfnissen – was auch immer. Die müssen gemeinsam erkannt und möglichst gelöst werden. Es gibt hier erstaunliche Möglichkeiten, selbst wenn die Wünsche unerfüllbar sind.

    – Sie müssen feste Aufgaben verteilen, deren Erfüllung in eigener Verantwortung und eigenem Zeitplan erfolgt. Dieser Zeitplan muss, wie auch immer, existieren.

    – Sie brauchen Rituale. Z.B der Mann verwöhnt die Frau regelmäßig ohne jeden Eigennutz. Umgekehrt ist hier wohl wg. der Schmerzen nicht so einfach.

    – Es braucht gemeinsame Interessen, die tatsächlich gelebt werden. Theater, Bücher, Freunde usw. Sie sollte sich erinnern, was sie zusammengeführt hat. Das entspannt die Situation erheblich.

    – „Männer“ brauchen „Ausgleich“. Je nach Persönlichkeit (…) kann das extrem wichtig sein. Das Computerspiel etwa ist nicht schlecht. Doch alles zu seiner Zeit. Möglicherweise nimmt die Frau einmal daran teil?

    – die Frau muss erkennen, dass es keinen Sinn macht zu warten. Sie muss Wünsche und Bedürfnisse einfordern. Niemand kann Gedanken lesen (außer ich natürlich, nur bei meiner eigenen Frau nicht immer 😉 Nein, auch nicht wenn das so offensichtlich ist, wie hier beschrieben. Es geht nicht!

    – externe Hilfe im Haushalt ist eine Option. Das ändert aber nichts daran, dass sich auch der Mann zuhause fühlen muss. Das ist offensichtlich nicht so der Fall, wie es wünschenswert wäre. Denn für mein eigen Ding sorge ich, sofern mich nicht Dinge davon abhalten. Reden! Was müsste anders sein, damit dies hier ganz egoistisch, möglicherweise vollkommen unrealistisch mein eigenes Zuhause ist. Notfalls gemeinsam entscheiden, umstellen, einrichten, streichen, machen.

    – Es braucht eine schnelle, Disziplin erfolgende Zwischenlösung, für die der Mann klar verantwortlich ist – und das ihm die neutrale Person ganz objektiv, ohne Schuldzuweisung klar machen muss. Sinnvoll ist es, wenn er mit nur wenig Hilfe selbst darauf kommt und sich dann selbst verpflichtet.

    Und so weiter. Der wichtigste Punkt ist der Wunsch auf beiden Seiten das Problem zu lösen. Es wird dauern. Es braucht Überwindung auf beiden Seiten. Schuldzuweisungen erzeugen nur Opposition.

    Achtung: dabei wird es sicher Rückschläge und Konflikte geben. Die Krankheit der Frau macht das ziemlich problematisch. Eine wesentlich frühere Lösung wäre deutlich besser gewesen. Aber Frauen sind sehr gedultig. Zu geduldig und viel zu lieb. Und Männer sind „Männer“, viel zu simpel, egoistisch und blind.

    So gesehen ist auch der Mann ein Opfer. Es geht ihm nicht gut damit. Das ist nur nicht so klar sichtbar, wie es bei physischen Schmerzen ist. Männer geben das niemals zu. Was nichts an der Korrektheit Deiner Beschreibung ändert. Doch es gibt niemals nur eine Sicht. Es gibt nur ein zu lösendes Problem. Und leider kann ich nur Spekulieren.

    Ich wünsche der Familie jedenfalls das alles Beste, was man nur wünschen kann und das ihre Beziehung daran wächst. Und das sie schnell gesund wird natürlich.

    Macht übrigens 50EUR. Die sollen natürlich dem Kind zukommen und zusammen mit den Eltern irgend ein tolles Erlebnis ermöglichen.

  8. Meine Frau rekonvalesziert (geiles Wort) gerade von Ihrem. Ich mache seit drei Monaten absolut alles im Haushalt außer Hemden bügeln. Da gab es mal einen Vorfall… Naja die Feuerwehr war bald wieder weg und ein neues Bügeleisen auch nicht so teuer, aber jetzt darf ich nicht mehr. Nicht weil Sie es verlangt, sondern weil ich mir sorgen mache.

    • Hemden bügeln? Die ziehn sich beim Tragen glatt!
      😉
      Nee – wenn bügeln, dann (Baumwoll-)Hemden; Hosen mit (richtigen) Bügelfalten sind da schon schwieriger; und wehe dir, das Material ist Seide, Nylon o.ä. empfindlich.
      😀

  9. Erfahrungsgemäß: Da kannste freundlich draufquasseln wie auf einen störrischen Muli, die Zombies pflegen zu gewinnen. Und mal ganz ganz im Ernst an alle Männer, die sich für ihre Artgenossen in die Bresche werfen: Wenn die Lage derart übel ist wie in diesem Fall, dann hilft es nicht unbedingt sanft in die richtige Richtung zu schubsen, dann ist der Tritt mit dem GROSSEN Stiefel dringend vonnöten.

    • Da stimme ich als Mann sogar zu. Genauer: es ist noch schlimmer. Ich halte nichts von „Baby, Baby, don’t you treat me this way, I’ll be back on my feet someday.“ (aus „hit the road jack“ – toller Song), denn das ist zu spät – „so I have to pack my bag and go“ sagt der Song dazu.

      Männer sind Schweine. Das ist jedoch nur eine sicher legitime Sicht. Willst Du die Welt so lassen wie sie ist?

      Nein? Ich würde wirklich etwas darum geben, wären die Dinge Anders. So schreibe und rede ich mir also die Finger wund, versuche die Dinge zu ändern und niemanden interessiert es – während meine Frau abwäscht – wie megapeinlich ist das denn? (…)

      Aber ich versuche es. Niemand wird zurück gelassen, Fehler hin oder her, Peinlichkeit hin oder her.

      Übrigens, ich habe den Abwasch natürlich zudende gemacht und mich mega entschuldigt. Und nun habe ich keine Zeit mehr – ihr seht, es gibt Wichtigeres.

  10. Mittel- bis langfristig hat Joachim meiner Meinung nach recht – soll die Ehe eine Chance haben weitergeführt werden zu können, müssen genau solche Schritte von beiden unternommen werden.
    Kurzfristig, sprich akut, hilft das leider nur wenigt. Kurzfristig muss dringend eine Entlastung für die Schwester her. Wäre es nicht so gefährlich, würde ich auch einen „kalten Hilfeentzug“ in Erwägung ziehen – aber wer will sich schon Vorwürfe machen, dass die eigene Schwester jetzt im Rollstuhl sitzt.
    Daher bin ich auch ratlos, was sinnvoll ist. 🙁

    • Ich sagte: „Es braucht eine schnelle, Disziplin erfordernde Zwischenlösung“. Ich meine, das geht. Und es muss wirklich schnell gehen.

      Möglicherweise leiert ihr, wie schon angedeutet, professionelle Hilfe an – wobei Männer sich hier mit Haut und Haaren sträuben… Macht nichts. Es geht hier nicht um männliches Ego.

  11. Trennung ist doof, weil: Dann ist sie ja auch ganz alleine. Aber es gibt einiges an Möglichkeiten, wie zB eine temporäre Haushaltshilfe. Informierende Rede vom Arzt an den Mann, damit dem aus einer ganz anderen Richtung klar gemacht wird: Du machst deine Frau kaputt. Erkunden ob Frau nicht für eine Weile auf Reha geschickt werden kann. Den vollen Müllbeutel (gut verschlossen!) auf der Tastatur abstellen. Mit einem Post It „Zarter Hinweis“ drauf. Zombiespiele mit Junjor auf dem Schoß nicht hinnehmen. Klar, alles nur bunte Bilder, aber spielt er ohne Ton? Außerdem soll er sich in der Zeit mit seinem gezeugten Kind beschäfftigen, nicht mit dem Inneren Kind. Mit viel Glück begreift er es.

  12. Es ist immer schwierig, wenn nicht gar unmöglich, eine derartige Situation per „Ferndiagnose“ zu analysieren, zumal es als Informationsquelle nur die eine Seite gibt. Natürlich habe ich auch den Drang, den Zombie-Spieler in den siebten Kreis der Hölle zu wünschen, weil er seine arme Frau im Stich lässt und ihre Gesundheit seinem pubertären Drang nach Videospielen opfert.

    Ich gebe aber mal ein Beispiel, wie es auch sein könnte: In den 1990ern lebte mein Bruder in einem Mehr-Generationenhaus. Die Großeltern im Erdgeschoss, meine (Stief-)Mutter und mein Vater im 1. Stock, Bruder mit Freundin im Dachgeschoss.
    Oma hat sich regelmäßig darüber beschwert, dass Brüderlein nichts macht, nicht die Bohne im Haus hilft und wenn man ihn bittet, mal den Hof oder das Trottoir zu kehren, sich schlichtweg verweigert. Die Mutter hat sogleich ins selbe Horn gestoßen, und der Zoff war mit schöner Regelmäßigkeit da. Mein alter Herr hat sich da immer schön rausgehalten, denn er wusste genau, er konnte nur verlieren ;-).

    Denn die Sachlage war die: Wenn Oma um 7:00h morgens sagte: „Kehr den Hof!“, dann musste dieser spätestens um 7:10h blitzeblank gekehrt sein, denn sonst hat sie selbst den Besen geholt, den Hof gekehrt und sich anschließend darüber beschwert, dass der faule Bruder einer armen alten Frau nicht die Bohne hilft.

    Das obige Extrembeispiel muss nicht zutreffen, ganz klar. Und auch ich halte es für selbstverständlich, dass der- oder diejenige, der/die ohne Blessuren dasteht, dem-/derjenigen hilft, der/die aus gesundheitlichen Gründen nun erstmal eine Runde aussetzen muss. Und natürlich kann ich als Gesunde(r) eher schwere Sachen heben, oder sonstige den Rücken belastende Tätigkeiten ausführen, als mein(e) Angetraute(r) mit gerade hinter sich gebrachter Rücken-OP, keine Frage.

    Es ist aber auch so, dass der Müll nicht extra zur Tonne geleitet werden muss, sondern auch mitgenommen werden kann, wenn man sowieso aus dem Haus geht. Wäsche wird im Trockner nicht automatisch wieder nass, wenn man sie nicht unverzüglich rausnimmt. Was die Bügelei angeht: Okay, ich bin Mann und habe wahrscheinlich deshalb nie verstanden, warum man UNTERwäsche bügeln muss. Die trägt man drunter, die darf ruhig Falten haben, sieht doch keiner (okay, gilt nicht für Superhelden, die tragen ihre Unterhosen ja über der Hose *g*).

    Insofern vertraue ich zwar grundsätzlich den Schilderungen unseres geschätzten Tantchens, bin aber dafür, vor der Steinigung erst noch einmal genau hinzugucken.

    PS: Kleine persönliche Zugabe – Frauen sind nicht automatisch Heilige und Männer sind nicht automatisch Dämonen oder Schweine!
    „Jehova, Jehova“… 🙂

    • Schwesterchen bügelt nicht, sie hat die nur zusammengefaltet – das Bügelbrett war seine Lösung, damit sie sich beim nächsten mal nicht bücken muss. 😉

      Den Müll nimmt er mit runter. Aber *nur* wenn er bereits zugeknotet neben der Tür steht. Was sie machen muss, sonst weiß er ja nicht, dass der runtermuss.

      Ja, sind nur meine Schilderungen und ich bin die erste die zugibt, dass Frauen mit der Geburt nicht das Recht auf Heiligkeit erlangt haben und Männer das Arschlochgen nicht automatisch implementiert.

      Das machts aber nicht besser 😉

  13. viele deiner Punkte sehe ich unter dem Punkt „muss *wirklich* mal gesagt werden“ bw. „es muss nicht exakt so weiterlaufen wie vorher“.
    – Müll: wenn er nicht weiß, dass der Mülleimer voll ist bzw. der Abfuhrtermin ansteht müsste er explizit regelmäßig nachschauen/aufpassen beim wegwerfen. Wenn er’s die letzten Jahre nicht musste wird er’s auch vergessen. Also: ihm sagen. Aber so, dass es nicht als Vorwurf rüberkommt.
    – Wäsche: warum soll er das mitbringen, wenn’s nicht gesagt wird? Kann ja auch sein, er wird sonst angeschnauzt „wo bitte soll das hinkommen, dass wird doch immer im Keller zusammengelegt“ (oder so). Und wenn er die letzten Jahre nie Wäsche machen musste: woher soll er’s wissen? Das ist natürlich nicht unbedingt eine Entschuldigung für’s Maulen.
    Beim Zusammenlegen: ich hab‘ mich da immer vor gedrückt, wenn meine Mutter anwesend war. „Aber das muss doch ganz anders gelegt werden, damit’s in den Schrank passt“ „so nicht, das knubbelt sonst“ Auch hier: das nichtmachen *kann* ein „Schutzreflex“ sein.
    Und und und.

    Es *kann* also sein, dass er nicht so egozentrisch und kindsköpfig ist, wie das von Dir gesehen wird. Kann aber natürlich auch genauso sein…

    Eine Einführung in „was muss wann *wie* gemacht werden wäre wohl sinnvoll (gewesen) (Checkliste?), evtl. auch von fachkundiger Seite eine (detaillierte) Liste, was „sie“ nicht machen darf. Und dann halt (zeitweise) eine Haushaltshilfe, so das finanziell irgendwie machbar ist. Jedenfalls solange „er“ regelmäßig arbeitet und dadurch auch Auszeit/entspannungszeit braucht. Ein paar Wochen kann man immer überbrücken, aber wenn das ein halbes Jahr gehen soll…

    Männer und Haushalt ist eh so ne Sache. Wenn ich mich so in meiner Wohnung umschaue… 🙂

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