Die Rückkehr des Plagiators

Jetzt also Frank-Walter Steinmeier. Soll plagiiert haben. Er hat richtig reagiert, die Uni Gießen gebeten, die Vorwürfe zu klären. Denn alles, was er dazu sagt, wird ihm eh nicht geglaubt.

Aber der Artikel hats in sich, was die Details angeht. Und das dreht eigentlich den gesamten Fall.

Denn anders als bei den bisherigen Plagiatsfällen wurde dieses Plagiat von einer Software „festgestellt“. Veröffentlicht wurde dieser Plagiatsfall vom Hersteller der Plagiatssoftware. Und schon die ersten Kritikpunkte seiner veröffentlichten „Fehler“-liste von Steinmeiers Doktorarbeit waren: Das hat die Software nicht richtig als Scanfehler erkannt. Und das ist einfach schlechte Programmierarbeit.

Denn die Doktorarbeit wurde wohl digitalisiert und dann mit einer Texterkennungssoftware eingelesen. Und die ist fehleranfällig. Ich hätte an Stelle des Herstellers genau diese Fehler doch in der Liste mal rausgenommen. Aber nein, man hat die Plagiatssoftware drüberlaufen lassen und dann die Fehler veröffentlicht.

Der Markt für Plagiatssoftware ist ziemlich überlaufen. Es ist ja nicht so, als wäre das die einzige Software. Und den Coup, ausgerechnet Frank-Walter Steinmeier als Plagiator mit der Software überführt zu haben – das war wohl doch zu verführerisch.

Wir werden sehen, was von den Vorwürfen übrigbleibt. Am Ende, so sieht es derzeit aus, als würde der PR-Coup nach hinten losgehen.

Und eins ist bereits jetzt klar: Keine Software ersetzt die menschliche Wertung.

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Soziales

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6 thoughts on “Die Rückkehr des Plagiators

  1. Entscheidend ist sowieso die Qualität der Arbeit. Plagiate sind a priori von minderwertiger Sachqualität.

    Selbst bei Guttenberg stand vor dem Plagiatstest eine Qualitätsüberprüfung mit dem Resultat: äußerst mittelmäßig.

  2. Bei der örtlichen Hochschule wurde auch in den letzten Jahren eine Lizenz für eine Plagiatssoftware eingekauft.
    Aber die ist ja auf bestimmte Anzahl begrenzt, darum hatte mich das bei der ersten Meldung auch irritiert das da ein Professor einfach mal so einen gewissenermassen kostspieligen Softwarelauf seines Instituts aufbraucht der eigentlich für Studenten und so vorgesehen war.
    Aber wenn das der Hersteller selber war ist das ne andere Wurst.

    Aber die Hochschule hier ist ja auch eher technisch und keine geisteswissenschaftlichen „Schwafelfächer“ in denen die meisten Plagiate aufgedeckt werden.

    • Das Zitat stammt, wenn ich das richtig sehe, von Friedrich Ebert. Das hat mit dem Artikel jetzt was zu tun? Und, „Sanny“, „Ristretto“ oder auch jetzt B-dingsda:
      Mit ner fixen IP wird datt nix mit dem tarnen. Ehrlich. Is wie schwarze Katze im Schnee. Sieht man auch.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ebert

  3. Ja, dieses Zitat, hmmm, was soll das in diesem Zusammenhang, was will der Autor uns damit sagen?

    Die Verräter waren im Übrigen Zentrumspolitiker und rechtsgerichtete; aber das nur am Rande 😉

  4. Soweit ich das letzte Woche im Tagesgespräch beim WDR5 mitbekommen habe, hat der FOCUS die Entwicklung der Software teilgesponsert und sich so Exklusiveröffentlichungsrechte einräumen lassen. Es ist halt grad Zeit die Sozen für eine große Koalition weichzukochen. Dazu auch passend die „Enttarnung“ der Stasihexe bei der Linken die Tage durch das „Welt-Investigativ-Recherche-Team“ (die müssen das immer dabei schreiben, weil der Kampagnencharakter einfach zu durchschaubar ist). Interssanter finde ich noch die eigentliche Intention des nach Plagiaten forschenden Profs, nämlich großzügiger mit Plagiatoren zu verfahren und Fünfe gerade sein zu lassen. Die Auftraggeber haben also noch Leichen im Keller.

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