Wenn der Troll den Troll trollt

Eigentlich wollte ich das Thema Feminismus nicht mehr mit der Kneifzange anpacken. Aber andererseits: Nö. Seh ich ja nicht wirklich ein.

Aber der Text hier hat mir den Aufhänger gegeben, den ich brauchte. Denn sie hat in allem Recht. Und es stellt sich die Frage, wie man sich verhält, wenn man sieht, dass Trolle trollen und alle anderen des Trollings bezichtigen.

Wir haben in Deutschland ein Gleichstellungsproblem. Das aber Männer und Frauen gleichermaßen betrifft. Aber die Betrachtungsweise vieler ist hier zu Gießkannenhaft, zu sehr im Schubladendenken verhaftet. „Du bist eine Frau, du bist unterprivilegiert“ oder „du bist ein Mann, du bist überprivilegiert“. Einmal kurz innehalten und die eigene Position checken? Findet nicht statt.

Stattdessen baut man sich Filterbubbles auf, wo nur noch die Informationen durchgelassen werden, die man lesen möchte. Das was nicht ins Weltbild passt, wird ausgeblendet. Am Ende steht ein stark verengtes Weltbild, dass selbstverstärkend ist.

Weil man nur noch die Informationen aufnimmt, die ins Weltbild passt, ist die Welt so widde wie sie mir (nicht) gefällt.

Dass Väter nach wie vor massive Probleme haben, vor Gericht das alleinige Sorgerecht zugesprochen zu bekommen – ausgeblendet, passt nicht ins Weltbild. Und überhaupt: Welcher Mann will denn auch alleinerziehender Vater werden, der will sich wohl davor drücken, Unterhalt zu zahlen, was? Im Zweifel heißt es nach wie vor: Die Kinder zur Mutter. Der Vater wird zum Zahlvater degradiert.

Wo ist hier die vielbeschworene Unterprivilegisierung der Frau?

Dass Männer Probleme haben, in manchen Berufen überhaupt ernst genommen zu werden: Ausgeblendet, passt nicht ins Weltbild. Erzieher in Kindergärten stehen automatisch unter dem Missbrauchsverdacht und werden mit Argusaugen beäugt, dass sie nur ja keine falsche Handbewegung machen. Ich kenne im Bekanntenkreis einen Erzieher in einer Kita, der den Kids nur noch mit weiblicher Begleitperson die Windeln wechselt.

Unterprivilegisierung der Frau? Wirklich?

Frauen genießen einen weitreichenden Schutz des Gesetzes. Sie sind in fast allen Lebenslagen gesetzlich geschützt – der Schutz fängt direkt nach der Geburt an. Ein Elternpaar, dass sein Kind beschneiden lassen möchte, begeht bei Mädchen eine Straftat während dieselbe Handlung mit denselben Konsequenzen bei Jungen explizit erlaubt ist (für die, die jetzt erstmalig mitlesen: JEDER Schnitt am Genital eines nicht einwilligungsfähigen Kindes ist eine Genitalverstümmelung, das ist hier mehrfach thematisiert worden. Und bevor jetzt der erste Antisemit brüllt, bitte die FAQ oben durchlesen, danke).

Diese Bereiche sind fest in Frauenhand, nach wie vor und werden auch gerade von denen, die den Feminismus vehement verteidigen, nicht wirklich hinterfragt. Es sind die „traditionellen“ Bereiche, die Bereiche, die „der Frau zustehen“ – ohne zu sehen, dass diese Bereiche doch ein sehr konservatives Weltbild transportieren – was gerade die Radikalfeministinnen doch eigentlich zerstören sollten.

Diese Radikalfeministinnen sind angetreten, eine neue Gesellschaftsordnung zu entwerfen und zu etablieren. Doch es zeigt sich immer deutlicher, dass sie genau das eben nicht wollen. Sie wollen keine Gleichheit. Sie wollen den Privilegientausch. Sie wollen das, was die Männer Jahrhundertelang hatten. Das Matriarchat ersetzt das Patriarchat.

Von Gleichheit keine Spur. Gleichberechtigung ist für diese Frauen und Männer erst erreicht, wenn die Frauen die Oberhand haben. Das wird abgemildert durch die Mythen, dass Frauen sanfter sind, mehr auf Ausgleich bedacht, diskussionsfreudiger.

Ja, hab ich gesehen, wie diskussionsfreudig die sind. Und wie sanft und wie sehr auf Ausgleich bedacht. Ehrlich? Da diskutier ich lieber mit einem geworfenen Holzhammer, der dürfte mehr Einsicht zeigen.

Worum geht es mir? Tja, in guter feministischer Tradition um echte Gleichberechtigung, nicht dieses machtverstiegene Zeug der Radikalfeministinnen.

Ich will, dass diese Genderverfechter aufhören, die Biologie zu verneinen. Es gibt starke Hinweise, dass das Geschlecht viel stärker biologisch angelegt ist als die Genderforschung zugeben mag. Das heißt: Eine Frau wird sich automatisch „weiblichen“ Tätigkeiten zuwenden, ein Mann automatisch „männlichen“. Ausnahmen bestätigen diese Regel eher.

Ich will, dass jeder den Job machen kann, den er gewählt hat. Ohne dass eine Gesellschaft ihn deswegen krude anguckt. Und wenn eine Frau eine Prostituierte werden will, dann bitteschön. Dann muss man die Rahmenbedingungen schaffen, dass sie das auch tun kann ohne Krankheit oder Angst vor aggressiven Zuhältern.

Wenn ein Mann Erzieher werden möchte, dann muss er das können ohne dass er gleich schief angeguckt wird und im Extremfall ausgelacht: „Bist du schwul oder was?“. Yeah, Idioten-Zitat Ende.

Ich will, dass jeder in seinem Job das verdient, was sein Arbeitskollege verdient. Und keine Lohnaufschläge, weil jemand ein Mann ist (oft getarnt mit „er hat ne Familie zu versorgen“ – die Frauen nicht, oder wie?). Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit – es ist unfassbar dass man das heutzutage immer noch einfordern muss.

Ich will, dass vor Gericht im Sinne der Kinder entschieden wird. Was nicht *zwingend* bei einer Scheidung bedeutet, dass die Frau die Kinder bekommt. Gemeinsames Sorgerecht und der Vater nimmt die Kinder sollte eine echte Option werden. Ich will überhaupt, dass die Interessen von Kindern viel viel viel besser geschützt werden. Und dieser verbrecherische § 1631 d BGB endlich abgeschafft wird.

 

Ich würde gerne eine echte, offene Diskussion erleben, wo man die Möglichkeiten abklopft und mal die eigene Filterbubble, in die man sich wie in Burggräben verschanzt hat, verläßt. Überprüft, ob der eigene Standpunkt überhaupt noch mit der Realität vereinbar ist (ist es oft nicht) und ob man nicht vielleicht selbst übers Ziel hinausgeschossen ist. Ja, ich weiß, dass mein „ich will“ schon sehr nahe an meine eigene Filterbubble herankommt. Das heißt aber nicht, dass ich andere Optionen völlig ausblende.

Aber diese echte, offene Diskussion mit Radikalfeministinnen?

Nunja, vielleicht werde ich ja nochmal überrascht.

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16 thoughts on “Wenn der Troll den Troll trollt

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen. Lasst uns unaufgeregt für echte Gleichberechtigung eintreten, ohne dauernd Ismen zu bemühen und auf den anderen einzuschlagen. Wenn alle oben genannten „Ich-will“-Forderungen erfüllt sind, sind wir ein großes Stück weiter. Das zu erreichen geht eben nicht nur durch Sprachregeln und Troll-Vorwürfe.
    Ich bestreite gar nicht, dass Sprache Bewusstsein schafft, aber das bedeutet noch lange nicht, dass wir die gerechte Sprache so bierernst nehmen müssen und auf ihrem Altar die Verständlichkeit und Lesbarkeit opfern müssen. Nicht jedes generische Maskulinum ist ein Schlag gegen Frauen. Was mich außerdem sehr stört ist, dass Radikalfeminstinnen immer angeblich so genau wissen, wie andere Frauen fühlen. Ob sie sich mitgemeint fühlen oder nicht.

    • 🙂
      Ja, das „du musst so fühlen, weil das so ist“ ist störend. Und, ehrlich gesagt, um mal ein bisschen Soz.-Päd-Sprech zu bemühen: Da finde ich mich nicht wieder…

    • So sehe ich es auch. Ich möchte keine Gleichheit, keine -ismen, sondern einfach eine Gleichberechtigung von Menschen, egal welchen Geschlechts.

  2. Du weißt, ich kritisiere radikale Strömung selber gerne. Auch bin ich gegen Gender Gap etc. aus unterschiedlichen Gründen.

    Aber jetzt auf den Text bezogen, der dich inspiriert hat: Erst einen Artikel zur Diskussion stellen und später, wenn viele darauf geantwortet haben, mit dem „Ich kümmere mich lieber um echte Probleme“-Argument zu kommen, ist schon arg billig. Und es ist vor allem kein richtiges Argument (das wurde mir auch oft gesagt, wenn es um Beschneidung ging… womit wir dann bei der Definition eines „richtigen Problems“ angekommen sind. Und DIESE Diskussion dürfte endlos werden. Ich beschränke mich lieber darauf, Menschen eben ihre Interessensgebiete zu lassen, denn ich beschäftige mich auch nicht immer nur mit weltverändernden Themen).
    Ob das jetzt nun „trollen“ ist – naja. Vielleicht nicht. Allerdings muss man sich in diesen Kreisen von antifeministischer Seite so viel Unsinn anhören, dass ich ebenfalls dazu übergegangen bin, Menschen als Trolle zu bezeichnen, die sich offensichtlich nicht um ein Minimum an Logik bemühen.

    Das ist sicher nicht nett. Aber ich bin auch nicht Jesus. ich habe niemals behauptet, nett zu sein.

    Der Ursprungsartikel erscheint mir übrigens ebenfalls etwas inhaltsleer. Wenn man nicht mal mehr weiß, dass „Krankenschwester“ inzwischen „Krankenpfleger“ heißt… oder halt „Pflegerin“…

    • Naja, das an der Bezeichnung für einen Pflegeberuf festzumachen..

      Robin, ich sag ja nicht, dass es die *gleiche* Strömung nicht auch bei den Männern gibt: Männer, die fernab jeglicher Logik oder auch nur gesellschaftlicher „Softskills“ der Meinung sind, dass Frauen in die Küche gehören und ansonsten die Schnauze zu halten haben.

      Um die geht es mir aber nicht. Diese Relikte sind zwar laut (und sehr oft bei radikalen Christen zu finden), aber sie sterben aus. Gott sei dank.

      Mir gehts darum, dass man einfach mal zur Kenntnis nimmt, dass es in gewissen Bereichen eine Schieflage gibt. Dass in vollster Übereinstimmung mit traditionellen Rollenverständnissen gerade die Radikalfeministinnen die Bereiche vehement verteidigen, die sie doch eigentlich verfluchen. Und wenn man sie mal drauf aufmerksam macht, dass das nicht ganz so dolle ist, dann gibts nen Shitstorm der sich gewaschen hat.

      Feminismus ist wichtig – aber so wie er gerade läuft gleitet er ab in eine Richtung, die autokratisch ist, und in einer sich selbst verstärkenden Wahrnehmungsblase lebt.

      Und das ist alles andere als gesund.

    • Einspruch euer Ehren: Es ging nicht nur darum, dass ich mich um „die echten Probleme“ gekümmert habe, es war nur eine Erklärung dafür, dass und was ich in der Zwischenzeit gemacht habe und warum ich nicht gleich geantwortet habe. Ja, zugegeben, ein bisschen war es auch der Seitenhieb, dass manch aufgebauschtes Problem eher ein Luxusproblem ist. Aber deshalb gleich mit Trollerei als Vorwurf zu kommen? Ich kann meine Meinung zum Thema gerechte Sprache durchaus begründen, aber dazu ist mir gar keine Zeit geblieben.

  3. Was soll ich dazu sagen? Wer es nicht erträgt, im Internet auch mal harte und auch dämliche Kommentare, auch unter der Gürtellinie abzukriegen, sollte das Medium nicht nutzen. Wenn diese ach so zarten Seelen dann ein eigenes, geschütztes Netz aufbauen, würde ich ja sagen, good riddance, aber leider sind diese Personen politisch mitunter einflußreich und nehmen das eigene, geschützte Netz dann als Beleg für ihre Position, dass sie ja so böse unterdrückt werden. Ernsthafte, ergebnisoffene Diskussion sind nicht nur nicht gewünscht, sie werden gezielt blockiert. Feministischer Absolutismus ist das dann wohl.

    Ich wundere mich bei dem ganzen Getöse um die (vorgebliche) Gleichstellung schon lange, dass da niemand eine Frauenquote bei den Gerüstbauern, den Straßenbauern oder den Müllwerkern fordert. Es geht nur um Jobs in der Politik, der Wissenschaft oder der Wirtschaft, vorzugsweise um Führungspositionen. „Jahrtausendelang hatten die Männer das Sagen, jetzt wollen wir armen, unterdrückten Frauen auch mal, und das bitte pronto auf dem Silbertablett.“ ist wohl die wahre Aussage. Ich wundere mich nur, wie es Maggie Thatcher, Angela Merkel oder Christina Lagarde an die Spitze geschafft haben, so ganz ohne Quote. Ich denke, sie haben die klassisch „männliche“ Methode genutzt: sich durchgeboxt und jegliche Opposition aus dem Weg geräumt. Dass die Damen sich jemals in feministischen Jammerzirkeln betätigt hätten, wäre mir neu…

  4. kleines kuckucks aus den „minen“ des softwaredebuggens: ich mache mich ja nicht nur lustig darüber, daß jetzt schon konzerte wegen eines ausgezogenen t-shirts abgebrochen werden, ich finde ab und an neben dir auch andere, die den nagel auf den kopf treffen

    es geht den genderisten im grunde nur daraum, ihre eigene verklemmtheit ideologisch zu bemantelt, die wollen keinen austausch von „gedankenflüssigkeiten“ und vor allem wollen sie nicht, daß ihnen überhaupt jemand an die wäsche geht, das war schon in den 70ern so, ich fand, das sei „feministenchauvinismus“ (artikel am ende des posts) und viel hat sich an meiner grundhaltung oder meiner analyse seit damals nicht wirklich verändert 😉

    • Hardy, versteh mich bitte nicht falsch. Das, wofür auch die Radfems stehen, nämlich die Gleich(!)berechtigung, ist absolut wünschenswert. Und DER Kampf darf und soll nicht verloren sein.

      Die Zeiten, wo man 3 Schritte hinter dem Herrn des Hauses herlief, kein Wahlrecht und kein Besitzrecht hatte, sondern Besitz war – die sind ja wohl hoffentlich endgültig vorbei.

      Mir gehts nur darum, die extreme zu mildern. Der Kampf an sich ist gut und richtig.

      • ein komplexes thema und ich hoffe mal, wir reden da nicht aneinander vorbei, zumal ich dich ua. gerade als kronzeugin mißbrauche und mich arg altväterlich aufführe 😉

        wir sind uns mehr als einig: die welt gehört jetzt den frauen, meinen drei erwachsenen töchtern im besonderen, und das ist verdammt gut so …

        wir möchten bloß _beide_, daß sie den „richtigen“ frauen gehört und nicht ein paar wild um sich tretenden verklemmten „weibern“ 😉

        • Nein, sind wir nicht.
          Die Welt „gehört“ nicht den Frauen – sie gehört uns allen und wenn überhaupt, dann unseren Kindern.

          Sie gehört Männern und Frauen gleichermaßen zu gleichen Teilen. Es gibt nur zuviele, die das nicht anerkennen wollen.

          Und diese Menschen gilt es, entweder kaltzustellen oder eben mit Diskussionen zu überzeugen.

          Und an der Stelle bin ich völlig genderfrei. Das betrifft nämlich Männer und Frauen gleichermaßen.

          • schon okay 😉

            ich bin auch für 50 / 50, sehe aber im moment einfach mehr beeindruckende frauen als männer, jedenfalls wenn man das klassische schema anlegt, mit dem meine generation ja noch aufwuchs.

            ich denke, was hier mißverständlich klingen muss, ist die im grunde vollkommen unsinnig gewordene trennung, weil es eben so’ne und so’ne gibt – ich bezeichne mich zb. gerne als die „frau im haus“ während mein mir ange/vertrautes weib einen hervorragenden schreiner abgäbe und mit werkzeug möbel baut, das ich jedenfalls nicht anfassen möchte.

            man sollte bei allem mann/frau getöse nicht aus den augen verlieren, daß wir _individuell_ sind – und daß es _das_ ist, worum es im grunde geht: daß emanzipation die befreiung des einzelnen von der gruppe, dem staat, der religion, der ideologie ist. und das ist eine gemeinsame aufgabe aller emanzipierten individuen

            das, was ich gerade als „feminismus“ präsentiert bekomme … und ich habe ihn ja nun in einigen varianten erlebt … ist jedenfalls eher ein rückfall ins ideologische und nicht sonderlich emanzipativ. es ist eher eine spaltung und damit eine schwächung.

  5. kleiner nachklapp: das mit der „bubble“ …

    darüber habe ich mich ja nun wirklich ausufernd aufgeregt, wortspiele gemacht und amerikanische serien bemüht, um mich über die gedankenlose selbstverliebtheit mancher protagonistinnen lustig zu machen.

    wenn ich gerade so nachdenke, könnte ich mir natürlich vorstellen, daß sowohl das nervig laute geheule als auch die aufforderung, sich in der bubble zu verstecken, im grunde das letzte „pfeifen“ im wald sind.

    also sich noch mal auf die breite brust zu kloppen, den dicken affen machen … und sich dann still und leise in die büsche zu schlagen. als instinktive und unterbewußte erkenntnis, daß der „kampf“ jetzt schon verloren ist und morgen alle über diese bevormundungsversuche den kopf schütteln werden.

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