Wahlrecht gleich Wahlpflicht?

Morgen ist sie also. Die „Schicksalswahl“ zu der viele sie hochstilisieren wollen. Und die ganzen Kampagnenplattformen wie Avaaz überschlagen sich gerade mit Aufrufen, dass man doch in seinem Verwandten- und Bekanntenkreis ganz doll viele Nichtwähler habe, die es noch zu überzeugen gilt.

Woanders liest man: „Wenn ihr nicht wählen geht, haltet auch bitte vier Jahre lang das Maul“

Darf ich alle Beteiligten mal dran erinnern, dass wir in Deutschland immer noch ein WahlRECHT haben und keine WahlPFLICHT?

Wahlrecht heißt auch, dass man das Recht, nicht zu wählen in Anspruch nehmen kann. Wenn man nämlich der Meinung ist, dass die Politik sowieso macht, was sie will und auch Wahlen daran nichts ändern können. Diese Meinung könnte man mit vielen Beispielen unterfüttern.

Die Leute mit vorgehaltener Waffe zur Urne zu zwingen, ist kontraproduktiv. Die Leute sind ja auch nicht Politikverdrossen – sie sind Politikerverdrossen, etwas, was viel zu wenig im Fokus gehalten wird. Es wird nichts hinterfragt. Man hinterfragt nicht, wieso sich immer weniger Menschen von den gewählten Volksvertretern auch vertreten fühlen.

Stattdessen immer die alten und teils wirklich widerwärtigen Rituale, ein erstarrter Wahlkampf, nur nichts riskieren, was die Leute aufstören könnte, Skandale schnell für beendet erklären und unter den Teppich kehren. Es ist Wahl, man möchte doch gerne weitermachen, der Kanzlerjob macht Spaß und nichts darf diesen Spaß gefährden.

Leise, leise, wir sind gar nicht da. Hier seht, wir tun euch nichts, wir wollen nur wiedergewählt werden.

Leise und heimlich wie ein verhuschtes Mäuschen hält sich Angela Merkel völlig bedeckt. Sie sagt keinen Ton, und somit auch nichts, was ihr negativ ausgelegt werden könnte. Es könnte die Wiederwahl gefährden. Pofalla, Friedrich, de Maiziere heißen die Aufreger der Nation, wo es doch Angela Merkel heißen müsste, die schließlich die Chefin dieser völlig unfähigen Chaotentruppe ist.

Wo sie was sagen muss, weil es nicht anders geht, wie zum Beispiel bei diesem als „Duell“ getarnten Kaffeeklatsch mit vier Moderatoren und zwei Rednern (diese Veranstaltung war so unglaublich lächerlich), da enttarnt sie sich schnell. Als Demokratiefeindin und als jemand, dem man nicht vertrauen sollte. Der die mütterliche Art vorspielt und hinter der Fassade eiskalt kalkuliert. Nützlich oder unnütz? Danach sortiert Angela Merkel ihre Paladine ein.

Wer seinen Nutzen überlebt hat, wird fallengelassen. Das hat am schmerzhaftesten Norbert Röttgen erleben müssen.

Und diese Frau wird also wieder für vier Jahre gewählt. Sie wird die Republik in ihre Decke des mütterlichen Schweigens hüllen und auch den letzten Politikinteressierten erfolgreich einschläfern. Kritiker werden von ihr in gewohnter Manier entweder abgeschoben oder diskreditiert, wer sie bedroht, dem läßt sie genau genug Seil, damit er sich dran aufhängen kann.

Sie tut das nicht mit Sympathieträgern, doch das macht sie nicht sympathischer.

Und all das berücksichtigend, kann ich keinem, aber auch keinem übelnehmen, wenn er von seinem Wahlrecht dergestalt Gebrauch macht, indem er sich ihm verweigert.

 

 

 

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5 thoughts on “Wahlrecht gleich Wahlpflicht?

  1. Weist du bei uns hieß das vor ein paar Jahren noch „Falten“ gehen.

    Ich werds trotzdem tun zumindest für die Genugtuung der CDSU ein „So nicht“ gegeben zu haben.

    *Lach* und nach der Wahl bringen Snowden und das Eheamalige nachrichtenmagazin das die Wahlen in Deutschland schon lange nicht mehr geheim sind.

    • Ich wüsste jetzt nicht, wie unpersonalisierte Wahlzettel im Nachhinein einer Person zugeordnet werden sollen. Von allen Problemen, die wir mit Wahlen haben, ist der „geheim“-Teil das kleinste Problem.

  2. Wahlrecht ist das Recht zu wählen, gleichzeitig ist es, meiner Ansicht nach, zumindest eine Verpflichtung; wer allerdings gute Gründe hat, nicht wählen zu gehen, „verletzt“ diese Verpflichtung nicht wirklich 😀

    Ich jedenfalls gehe wählen – zusammen mit meiner Gattin.

  3. Die Leute mit vorgehaltener Waffe zur Urne zu zwingen, ist kontraproduktiv. Die Leute sind ja auch nicht Politikverdrossen – sie sind Politikerverdrossen, etwas, was viel zu wenig im Fokus gehalten wird. Es wird nichts hinterfragt. Man hinterfragt nicht, wieso sich immer weniger Menschen von den gewählten Volksvertretern auch vertreten fühlen.

    Ihr habt euch doch abgesprochen…

    Die hysterische Debatte um die immer größer werdende Fraktion der Nichtwähler beschreibt indirekt die vermehrt sichtbaren Kollateralschäden, soll ablenken davon, daß es sich um keine Politikverdrossenheit, wohl aber Politikerverdrossenheit handelt.

  4. Wenn es eine Partei gäbe die wirklich meinen Interessen, meiner Meinung dient hätte sie genau ein Mitglied. Mich!

    Also kann ich entweder schmollen und nicht wählen gehen, dann gewinnen immer die, die ich nicht will.
    Oder ich suche mir die Partei die mir am nächsten steht.
    Oder ich gehe hin und Mache meinen Zettel ungültig

    Aber nicht hinzugehen, nur weil man die Politiker nicht mehr sehen kann spielt ihnen direkt in die Hände.

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