Kindersupermarkt

Es gibt auf dem Adoptionsmarkt neben dem sogenannten „weißen Markt“, also der regulären Adoption über staatliche Stellen, auch einen gigantischen Grauen und Schwarzen Markt. Also Adoptionen die unter, sagen wir mal, merkwürdigen Umständen zustande kommen.

Oder, um es mal klar zu sagen: Kinderhandel

Es gibt viel zu kritisieren an den staatlichen Adoptionsregeln. Weltweit. Denn „Kindeswohl“ ist auch immer eine Sache des eigenen moralischen Hintergrunds. Wenn ich homophob bin, werde ich im Regelfall bei der Adoption durch ein homosexuelles Paar verneinen, dass das Kindeswohl gewahrt bleibt (in den USA können homosexuelle Paare Kinder adoptieren).

Das kann man auf alle Vorurteile ausdehnen. Rassismus ist da ein anderes großes Thema.

So haben viele Eltern gegen massive Widerstände zu kämpfen, wenn sie ein Kind adoptieren wollen. Pflegekinder sind einfacher „zu haben“ – aber Adoptionen sind vor ziemlich hohe Hürden gesetzt, zumindest hier bei uns. Mal passt das Alter nicht, mal sind die Eltern nicht reich genug (oder müssen beide arbeiten und können sich nicht richtig ums Kind kümmern)… es gibt eine Menge Gründe, Adoptionen zu versagen. Und die Jugendamtsmitarbeiter spielen hier oft auch ein bisschen Gott. „Ihr dürft Adoptiveltern werden. Hmne, ihr nicht.“ Und oft versagen sie die Adoption auch völlig zu Recht, wenn sie zum Beispiel feststellen, dass die Leute sich völlig falsche Vorstellungen davon machen, was es bedeutet, ein Kind zu adoptieren.

In den USA sind die Regeln einfacher, das dortige Jugendamt weiß genau, dass es günstiger ist, die Kinder zu vermitteln anstatt sie in den Heimen aufwachsen zu lassen. Trotzdem gibt es in beiden Ländern aus genau dem Grund immer wieder „illegale“ Adoptionen. Das heißt Adoptionen, wo eben nicht klar ist, ob die Eltern tatsächlich so tot sind, wie man glauben macht oder ob die nicht irgendwo verzweifelt ihr Kind suchen.

Tja. Und diese Adoptionen haben einen entscheidenden Nachteil. Sie werden nicht begleitet. Es geht eine Summe Geld über den Tisch, das Kind wird adoptiert (gerade, wenn erste Bindungen da sind wird kein Familienrichter das Kind *nochmal* aus der Umgebung reißen) und dann irgendwann stellen die Eltern fest, dass die lieben Kleinen aus Liberia oder anderen Krisengebieten eben NICHT so einfach sind, wie man dachte.

Das sind oft hochtraumatisierte Kinder. Kinder, die besondere Aufmerksamkeit brauchen. Die Therapien brauchen, die körperlich und seelisch so versehrt sind wie manch ein altgedienter Veteran. Die mehr gesehen haben als wir es uns je vorstellen können. Und die Hilfe brauchen, um sich sicher zu fühlen. Die *mehr* Aufmerksamkeit brauchen und vor allem jemand, der ihnen bedingungslos, auch wenn sie sich wie die letzten Idioten verhalten, wenn sie gewalttätig sind, den Rücken stärkt. Der sagt: „Gewalt ist keine Lösung, aber ich bin hier für dich.“  – grob gesagt. Kinder mit posttraumatischer Belastungsstörung sind ungeheuer schwierig und sie passen sich eben nicht mehr an. Sie können es nicht.

Und die amerikanischen Evangelikalen mit ihren strikten Regeln und der Liebe zur Prügelstrafe bei Verfehlungen sind dort nicht wirklich hilfreich. Die verstehen das nicht – sie wollen, dass das Kind Respekt zeigt (was sie als Respekt ansehen) und notfalls wird mit der Rute nachgeholfen. So erzieht man keine aufrechten Menschen sondern Duckmäuser. Doch diese Kinder haben schlimmeres als die Rute gesehen. Und sie werden denjenigen, der sie schlägt eher hassen als lieben.

Tja. Und wenn dann so eine Adoption schiefläuft, weil eben kein „Bonding“ stattfindet, was machen die findigen Adoptionseltern dann mit dem Kind, das sie ankotzt und gar nicht so niedlich und kuschlig ist, wie sie dachten?

Man inseriert sie am Schwarzen Brett. Irgendwer wird sich schon finden, der das Balg aufnimmt. Man fährt hin, findet die „wirklich nett“ und läßt das Kind da mit einer kleinen Urkunde, die die Fremden jetzt zum „Guardian“ also Vormund für das Kind ernennt. Tür zu, man muss das Balg nie wiedersehen.

Oh, das war ein Pädophilenpärchen? Oh, so kam mir das aber gar nicht vor. Das hätte ich nie gedacht, wo die doch so freundlich waren. Pädophile, wirklich? Nein, hätte ich das gewusst, hätte ich NIE….

Manchmal kann man echt verzweifeln. Die Auflistung der „Inserate“ mit denen die Möchtegernadoptionseltern die Kinder „inserieren“ ist herzzerreißend und zeugt von einer Sales-Mentalität die nur noch abstoßend ist.

 

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Soziales

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2 thoughts on “Kindersupermarkt

  1. ..und meine Sippe hat einen Jungen aus Russland, autistisch, spricht nicht, sehr schwerer Fall, und stellt das ganze Leben um für diesen Jungen, weil er ihr Sohn ist, den sie lieben..

    • Wie man es.für seine Kinder tut, wenn man sie als seine Kinder betrachtet und nicht als überdimensionale Püppchen

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