Der Blick über den Tellerrand

Es ist immer so leicht, nach dem Augenschein zu urteilen. Jemand reagiert ungehalten? Was für ein unfreundlicher Mensch.

Jemand ist ungewaschsen, verwahrlost? So ein Penner. Könnte wirklich mehr auf sich achten.

Es ist so leicht mit den Augen zu urteilen.

Und so schwer, mit dem Herzen zu sehen. (Frei nach Antoine de Saint-Exupéry)

Auch wenn sie es nicht will: An dieser Stelle Applaus in Richtung mamamiez. Vielleicht sollten wir alle ein bisschen mehr auf unser Gefühl hören.

P.S.: Ja, bei mir menschelt es heute sehr. In alle Richtungen. Get over it 😉

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Soziales

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5 thoughts on “Der Blick über den Tellerrand

  1. Du hattest Dir doch vorgenommen, jeden Tag eine gute Nachricht zu posten – danke für die heutige Erfüllung.

    Gruß,

    Matti

  2. Och Mönsch, Tantchen, hin und wieder darf man ja 😉

    Bei mir hat’s heute auch gemenschelt. Finsteres Regenwetter und mein Schirm macht so langsam die Biege, da hab ich mir vorgenommen, ich kauf einen neuen. Und hab den alten (mit Loch und leicht verbogenen Speichen) nicht wie andere zusammenkaputtgeknautscht, sondern auf die Bank neben dem Mülleimer gelegt. Keine zehn Minuten später hatte er nen neuen Besitzer – eine total durchnässte Dame, die gerade mit Tüte vom Lidl kam.

    Oder wie der Streit, den einer meiner Bekannten letztens wegen einer blöden Bemerkung vom Zaun gebrochen hat. Er hat mich belegt, Himmel, so böse hab ich ihn selten erlebt und na gut, man kennts, dann hat er wieder Stress gehabt. Dann hält man halt die Klappe, lässt den Sturm abziehen und hofft, dass er wieder gute Laune bekommt.
    Und am nächsten Morgen strahlt die Sonne und man kann gar nicht anders als zu grinsen.

    SO mag ich das ^^

  3. Ist schon lange her, aber das vergesse ich nicht:
    Nach einer Operation musste ich zur Reha. Vorher schon viele Wochen im Krankenhaus gewesen, und nun nochmal fünf Wochen AHB – ich war fix und alle. Bei Tisch erzählte einer, dass der Penner da drüben fünf Tische weiter, ja, der Tätowierte da mit diesem komischen Kopftuch, im Knast gewesen sei, weil er einen umgebracht hätte, vor dem müsse man sich in Acht nehmen.
    Tage später musste ich zu einer Untersuchung, wo ich von der Assistentin dermaßen runtergeputzt wurde, dass ich später heulend den Gang runterwanderte. Fertig mit mir selber und der ganzen Welt, und da kam mir dieser Typ entgegen. Guckte mich die ganze Zeit so an. Ich wollte nix wissen, schlich weiter dahin, so schnell ich es eben vermochte. Auf meiner Höhe angekommen, blieb er stehen, zeigte ein zahnloses, aber um so augenstrahlenderes Lächeln, und sagte: „Scheißtag heute, was?“ Ich hätte nicht mal antworten können, weil schon wieder die Tränen drückten, aber eine Antwort hatte er wohl gar nicht erwartet. Er nickte nochmal freundlich, dann ging er weiter.
    Keine Therapie, kein „das wird schon wieder“, kein Psychiater, niemand hätte mir an dem Tag mehr helfen können als dieser Mann, der einfach nur für zwei Sekunden freundlich zu mir war.

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