Mobbing eines Unbekannten

So. Die Baustellen halbwegs abgearbeitet, fangen wir mal mit Blogupdates an.

Der Vortrag auf der OM13. Ihr wisst schon. Nina und Madeleine.

Oder Ochdomino und Madeleine. Den Namen von Nina kann ich ja raushauen – denn sie gibts nicht. Und meine erste Reaktion war:
WTF??? (ja, ich weiß, denke ich in letzter Zeit öfter)

Ochdomino war ein PR-„Gag“. Das mit dem Gag setz ich mal in Anführungszeichen, denn lustig ist anders. Ich hab keine Ahnung, ob die jetzt die „großen“ Agenturen in der Prominenz und im Ausheben der Niveau-Kellergeschosse übertrumpfen wollten, aber die haben tatsächlich über mehrere Monate absolut glaubwürdig ein Blog betrieben, dann gezielt provoziert und den Shitstorm genutzt, um sich als Mobbingopfer mit Antisemitischer Konnotation (ochdomino war laut eigenem Bekunden gläubige Jüdin) zu gerieren.

PFUI.

So. Und jetzt nehmen wir mal die Situation auseinander, von den schlimmsten Verfehlungen nach unten durchgereicht. Harmlos ist keine davon.

Ochdomino und die PR-Agentur.

Mit dieser „PR-Aktion“ hat die Agentur hoffentlich ausgespielt. Allein die Erfahrung sagt: Sie haben viel Aufmerksamkeit geriert, Aufmerksamkeit ist werbewirksam, also werden die Aufträge bekommen. Ich hoffe ich irre mich hier.

Aber diese PR-Aktion hat auch sehr viele Scherben zerschlagen. Antisemitismus ist immer noch recht weit verbreitet. In bestimmten Kreisen werden Juden immer noch als Brunnenvergifter angesehen – nichts dazugelernt. Und genau diesem Volk hat die PR-Agentur mal gepflegt das Wasser getragen. Ressentiments auf das Vollste bestätigt. Und ich bin mir sicher, dass es genügend „jüdisch aussehende“ Menschen geben wird, die das jetzt zu spüren bekommen. Fäuste fliegen bei diesen Menschen nämlich verdammt schnell.

Gleichzeitig wurden real existierende Mobbingopfer, die nicht selten bis in den Suizid getrieben wurden, in den Dreck gezogen, als PR-Material missbraucht. Ohne Skrupel, ohne moralischen Hintergrund. Oder dem Bewußtsein, dass man die Menschen damit erneut schädigt.

Denn das, was Ochdomino da angeprangert hat WAR Mobbing. Aber sowas macht man nicht als PR-Agentur, um was zu beweisen oder Klickzahlen zu generieren.

Diese Geschichte ist von Seiten der PR-Agentur ein gutes Beispiel, wie sehr Werbeagenturen, in der Hoffnung, endlich eine Kontroverse auszulösen, alle Bedenken fahren lassen. Wenn die Leute sich aufregen, war es eine gute Kampagne, denn dann reden die Leute drüber und die Marke wird bekannt. Das Image der Marke? Egal, einfach irgendwann eine neue Kampagne, wo man sich reuig zeigt und sich werbewirksam von der früheren Kampagne distanziert. „Wir haben gelernt“. Yeah.

Zynismus statt Menschlichkeit. Was mich betrifft, können die alle arbeitslos werden. Können sich gleich neben den Investment-Zockern anstellen.

Madeleines Vortrag:

Unabhängig davon bleibt ALLES, was ich dazu geschrieben habe, weiter bestehen. Der Vortrag hat ja nicht nur ochdomino offengelegt. Sondern alles, was als Mobber identifiziert wurde. Von der Richterin Madeleine.

Mobber müssen ans Tageslicht, in der Frage gibt es keine zwei Meinungen. Mobbing kann nur im Verborgenen stattfinden, wenn die Mobber sicher sein können, dass ihr Opfer schweigt. Das ist meist eine Spirale. Das Opfer wird eingeschüchtert, traut sich nichts zu sagen, was die Täter dazu bringt, ihre Anstrengungen, das Opfer fertigzumachen, zu intensivieren. Und das Opfer, noch tiefer eingeschüchtert, sagt noch weniger, ist buchstäblich stocksteif vor Angst.

Doch das muss zeitnah geschehen. Das heißt, sobald ich sehe, dass mir jemand an die Karre fährt, muss das auch schon öffentlich gemacht werden. Klare Ansage: Mit mir nicht. Such dir was anderes zum spielen.

Meist nimmt man so den Mobbern direkt die Courage, weiterzumachen. Erst wenn die ersten Versuchsballons gut funktionieren, nimmt der Bluthund die Spur auf – und verbeißt sich. Die unwillkommene Klette dann noch loszuwerden, ist schwierig.

Also heißt es, direkt die Versuchsballons zu zerteppern. Man sucht sich *seine* Kanäle aus, auf denen man kommuniziert und publiziert und hält die besenrein – konsequent. Also Mobbing-PNs öffentlich machen. Mobbingmails öffentlich machen. Kann man ja anonym machen. Lieber den Text pointiert kommentieren. Oder, wenn man selbst zu fertig ist, kommentieren lassen. 😉

Und für diese Leute nach der Veröffentlichung die Kanäle konsequent dichtmachen. Im Blog direkt in die Spam-queue laufen lassen, bei Twitter blocken. Himmlische Ruhe. Yay. Auf die Tour hab ich selbst nen  Detlev Bosau – the king of Trolls – hier rausbekommen. 😉

Und genau das ist bei dem Vortrag nicht passiert. Und darum wurde an genau der Stelle der Vortrag von einer Handreichung zum Umgang mit Mobbing zu einem Akt der Selbstjustiz.

Und das hat mit „Open Mind“ recht wenig zu tun.

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Soziales

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5 thoughts on “Mobbing eines Unbekannten

  1. Vielen Dank für das Update. Ich finde aber auch, dass die Grundaussage deines Beitrags nicht verändert wird. Das eine PR-Agentur so ein Mittel als Werbung verwendet ist natürlich nicht in Ordnung, aber sind wir lieber mal froh, dass es »Nina« nicht wirklich gegeben hat.
    Das macht das Veröffentlichen der Namen von Madeleine allerdings auch nicht besser.

    • Eben. Darum möchte ich ja auch hier keine Realnamen sehen. Denn an den Pranger stellen ist mir zutiefst zuwider. Es reicht, dass das jetzt locker ergooglet werden konnte, aber weiter verschleiern, ohne die Fakten zu verdrehen, hab ich nicht hinbekommen.

  2. Ich hätte dich nicht für so leichtgläubig eingeschätzt.
    Insider-Tipp: denk nachmal nach und mache einen reality-check

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