Meinung? Freiheit? Bullshit.

Tja, da war er also, mein erster Shitstorm.

Vieles wurde geschrieben, manches war lustig, manches ärgerlich und das meiste hat mich eigentlich wenig persönlich getroffen, auch dank einer im Akkord arbeitenden Kommentarredaktion bei CARTA. Dickes Danke und 2 große Kaffeekannen an der Stelle.

Was mich aber am meisten verblüfft hat, ist, mit welcher Vehemenz die Leute „Qualitätsmedium“ definieren. Und mit welchem Ausschließlichkeitsanspruch.

„Wenn du nicht meinen Definitionen von Qualität entsprichst, dann schreibe ich hier nicht mehr“ – das kam von zwei Autoren direkt in den Kommentaren. Das ist ihr gutes Recht, es sind ihre Texte und sie entscheiden, wo sie veröffentlichen. Es ist schade, denn ein Autorenblog lebt von der Vielfalt und die ist jetzt dünner geworden. Aber: Sie dürfen so entscheiden.

Genauso wie ich auch übrigens.

Jedoch fiel mir in den Kommentaren eins auf, und das war nicht positiv:

Es haben ein Mann und eine Frau ihren Rückzug verkündet. Doch lediglich die Frau wurde immer und immer wieder angegriffen. Und zwar auf eine Art, die unentschuldbar ist.

Es gibt ein Zitat von Descartes Voltaire Evelyn Beatrice Hall, den ich in dieser Situation für unendlich wichtig halte:

Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.

An dieser Stelle mein tiefempfundener Dank an den Blogger zoonpolitikon. Die Diskussion mit ihm war toll. Und ist hoffentlich noch nicht zu Ende.

Ich teile die Positionen der beiden Autoren, die offen ihren Rückzug erklärt haben, nicht uneingeschränkt. Manches finde ich gut, vieles andere nicht. Aber es ist ihre Meinung, die dürfen sie haben und ich habe kein Problem damit, das auch laut zu sagen. Sie ist oft fundiert, aber gibt eine andere Lebenswirklichkeit her, als es die meine ist.

Und: Man muss meinen Text nicht mögen. Man kann ihn sogar „Bullshit“ finden, ich muss und kann damit gut leben, denn es ist eine Meinung, die man haben kann.

Und ja, ich verteidige diese Meinung auch und gerade dann, wenn mir das gleiche Recht im Umkehrschluß nicht zugestanden wird.

Warum?

Weil wir in einer Zeit leben, wo Meinungsfreiheit zusehends eingeschränkt wird. Sei es durch Strafrecht, Zivilrecht, Abmahnrecht, dass im Empfinden vieler ein eigenständiges Rechtsgebiet zu werden droht. Ich kann nicht für Meinungsfreiheit einstehen und gleichzeitig die Meinung anderer, weil sie mir nicht gefällt, verbieten.

Das hat seine Grenzen. Persönliche Beleidigungen muss ich nicht dulden. Drohungen ebensowenig. Wenn ich bedroht oder beleidigt werde, gehe ich damit entsprechend um.

Aber ein „Bullshit“ ist keine Beleidigung. Es ist eine klare Meinungsäußerung, die ich zu respektieren habe. Über die ich *vielleicht* diskutieren kann, wenn ich das will – oder es eben lassen. Eine Diskussion ist ein Meinungsaustausch. Der muss nicht zwangsläufig zu einem Konsens führen.

Eine Zeitlang hat das publizistische Gewicht, das hinter diesen Meinungen stand, mich wirklich überlegen lassen. Ist es richtig was ich tue? Diese Leute machen Meinung, sie werden gehört. Sie sind klug, es lohnt sich, ihnen zuzuhören. Wenn sie so gegen mich sind, hab ich da wirklich richtig gehandelt?

Eine Nacht lang schlafen, die Kommentare noch mal durchlesen und feststellen: Es mag publizistisches Gewicht dahinter sein, aber in erster Linie sind auch sie Menschen. Letzten Endes sind auch die Kritiken an meinem Text, so harsch sie sind, nichts weiter als Meinungsäußerungen, die ich annehmen kann oder auch nicht. Über die ich diskutieren kann, oder auch nicht. In diesem Fall: Oder auch nicht. 😉

Die dann meine Meinung wiederum annehmen können – oder eben auch nicht. Wenn sie es nicht tun, weil ich in ihren Augen nicht richtig passe, dann ist das aber auch nicht mein Verlust.

Sondern ihrer.

Soviel Selbstbewußtsein muss dann schon sein.

Trotz Meinungsfreiheit. 😉

 

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22 thoughts on “Meinung? Freiheit? Bullshit.

  1. Natürlich herrscht Freiheit der Meinung und vor allem auch der Gedanken. Diese Freiheit sollte jeder nach seinen Möglichkeiten verteidigen, denn sie ist ein hohes Gut.

    Ein und dieselbe Meinung kann aber auf recht verschiedene Weise vorgetragen werden. Und die Art und Weise, wie der ein oder andere seine Meinung zu den Themen, un die es hier ging, ihre Meinung vorgetragen haben war nur schwer erträglich und sie lässt schon Rückschlüsse auf die Geisteshaltung der Vortragenden zu. Und dabei drängen sich mir Assoziationen wie Arroganz, Trotz, Ausschschließlichkeitsanspruch und einige mehr auf (MEINE Meinung).

    Disclaimer:
    Wenn ICH tradierte Maskulina verwende, meine ich damit Personen beiderlei Geschlechts.

      • Paßt, Karl, aber wieso mußt du das mit den „tradierten Maskulina“ extra betonen?! Dieses „*Innen“-Mist ist uns doch von ein paar amoklaulaufenden Faministinnen und ihren männlichen Schoßhündchen eingebrockt worden, denen wohl zu langweilig war… Gott sei Dank sind wir als Privatpersonen nicht verpflichtet, diesem Behördenmist zu folgen…

        • Bin ich froh, dass ich nicht der einzige bin, den „…Innen“ oder „…_innen“ auf den Geist gehen 😀

          • Was denkt ihr, warum es bei uns inzwischen nicht mehr Studenten im offiziellen Sprachgebrauch sind?
            Da müsste Mann und Frau immer StudentInnen oder was ich vorziehe „Studentinnen und Studenten“ schreiben – dagegen ist „Studierende“ zwar nicht schön, aber immerhin geschlechtsneutral. Genauso wie Lehrkräfte anstatt LehrerInnen etc.

  2. Da bei carta die Kommentarfunktion unter dem „shitstorm“ geschlossen wurde, bedanke ich mich hier für Ihren Artikel.

    Ihre Kritiker haben sich dadurch disqualifiziert, dass sie meistens Diversität verlangen, diese aber ablehnen, sobald sie damit in Kontakt kommen.

    Ich hoffe, dass Menschen wie Sie, mit denen man Argumente austauschen kann, die auf Fragen antworten, die Oberhand in unsere Gesellschaft gewinnen werden.

    Eine stabile, selbstbewusste Gesellschaft kann sich nur auf die Vielfalt der Meinungen und den freien Austausch der Argumente stützen.

    Nur wer Argumente von Andersdenkende zulässt, kann niemals in die von Manfred Rommel erkannte Gefahr hineinlaufen: „Der Mensch neigt dazu, das, was in seinem Kopf ist, für die Wahrheit zu halten, und wenn er absolut nichts denkt, sogar für die absolute Wahrheit.“

    Was die geschlechterspezifische Kritik an die Rückzugsautoren betrifft: Frau Antje Schrupp hat nun mal den wesentlich höheren Bekanntheitsgrad. Da ich wenig Zeit habe, habe ich nur ihre Beiträge gelesen und dazu meinen Kommentar abgegeben. Somit ist mir persönlich kein anderer Autor aufgefallen.

  3. Shitstorm? was hast du dir da wieder eingetreten, Tantchen? Bisher waren deine Texte ganz gut zu lesen und für meine begriffe auch weitest gehend gut recherchiert – soweit du als privatperson und ohne Jornalistenstudium das überhaupt bewältigen kannst… Dafür mal ein dickes Danke!

    • Ah. Alles wieder gut, die Karawane ist weitergezogen. Es gibt halt Menschen, die reagieren empfindlicher als andere. 😉

  4. Moin Tantchen. Du weißt, was ich von deiner Meinung halte, deshalb darf ich offen sagen: der Artikel war halt auch extrem schlechtgelaunt geschrieben und entsprechend aggressiv. Dass darauf aggressiv reagiert werden würde, war klar. Wie man in den Wald hineinruft…

    Die Frage, die ich mir dabei die ganze Zeit stellte war: warum tust du dir sowas an? Ich erinnere mich, wie wir gerade live im Teamspeak waren als die ersten bösen Kommentare auf Carta eintrafen. Du wirktest beinahe erfreut und da dachte ich mir „hm… sie will es wohl so“. Na, jetzt haste ein blaues Auge, das ist nicht schlimm und vergeht wieder, aber vielleicht denkst du mal darüber nach, ob du solche virtuellen Schlägereien nicht vielleicht sogar suchst und wenn ja, warum. Denn mal im Ernst: so richtig Spaß macht es dir nicht. Das beweist dieser Text hier oben. Man muss nicht an jeder Schlägerei teilnehmen, das habe ich zumindest mit meinem eigenen Blog gelernt, zumal man im Blutrausch eventuell eine Menge Porzellan zerdeppert, die man nachher nicht mehr so hübsch mit Gold kitten kann.

    „Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Er hat nur manchmal keine Lust, mit Idioten zu diskutieren.“ 😀 Kopf hoch.

    • Hey Max 🙂
      Ich finds immer wieder faszinierend, wie Texte, die neutral gehalten sind, auf einmal auf andere völlig anders wirken. Ich war nicht angefressen. Überhaupt nicht. Ich hatte eine wunderbare Diskussion in den Kommentarspalten, ich habe mal wieder live gesehen, wie schnell sich manche Leute zum Affen machen – hey. Das ist kein Grund, angefressen zu sein.

      Max, ich bin 44 und habe seit 1996 einen Internetanschluss. Ich war in der Anfangszeit bei AOL – als Scout. Ich *kenne* Shitstorms. Das ist kein Phänomen von gestern. Und du kannst nicht jeden immer alles recht machen. Wenn bestimmte Leute sich krass gegen einen stellen, dann denke ich drüber nach. Aber die Art der Kritik war so, dass *deren* persönliche Angefressenheit ziemlich deutlich zutage trat. Und ganz ehrlich: SO hoch hätte ich meinen Artikel nicht gehängt.

      Du verkennst auch, warum ich Blogge. Ich blogge nicht, um Zustimmung zu kriegen. Die ist toll, die macht Spaß – aber das ist nicht mein Primärziel.

      Sondern das ist durchaus das reale „Dampf ablassen“. Ja, der Artikel *war* wütend geschrieben. Weil ich wütend war. Es ist so einfach. Ich bin so einfach. In anderen Dingen bin ich dann offenbar wieder kompliziert, aber eigentlich ist die Regel einfach: Sag was du denkst und dann kommen wir schon irgendwie klar. Es ist kein Problem, mir auch mal direkt zu sagen, dass ich an einer Stelle ziemlich blöd war. Hey, ich bin Mensch, ich habs Blödsein gepachtet, wie jeder andere auch. Das ist hier im Blog schon mehrfach passiert und ich finde das auch gut.

      Warum ich im TS „beinahe erfreut“ wirkte – ne, ich war an der Stelle ernsthaft belustigt. Leute: Der Text wurde von CARTA angenommen. Die Redaktion hatte dafür ihre Gründe. Und wahrscheinlich dieselben, die ich auch hatte, das ganze mal zu schreiben. Nämlich einen Wut-Rant über das permanente „nu is aber genug, jetzt wirds wieder Zeit für Feminismus“-Gehabe einiger (Lies: Nicht aller). Ich hab meine Wut abgelassen und danach gings mir besser. Anderen nicht, aber dann muss man damit leben, dass DIE wiederum ihre Wut ablassen. Was ich gut kann.

      Ich weiß nämlich im Regelfall durchaus vorher, welche Reaktionen ich bekomme, wenn ich Texte schreibe. Und manchmal werde ich vom Ausmaß überrascht und reagiere dann darüber belustigt. Das hast du dann als „erfreut“ interpretiert.

      Die Belustigung rührte daher, dass es tatsächlich Menschen gibt, die einen Wut-Rant für generelle Richtungsentscheidungen nehmen. Ich fühlte mich einerseits geschmeichelt, dass ich offenbar tatsächlich die Macht besitze, das zu tun und andererseits tatsächlich verblüfft: DAS ich die Macht besitze, das zu tun. Ähm, hallo? So wichtig bin ich nicht und war ich nicht und werde ich hoffentlich nie sein.

      Das was im Blog als meine Meinung steht ist oft ungefiltert und ich kann mich fast immer darauf verlassen, dass meine Stammkommentatoren mir den Kopf schon mal zurechtrücken, wenn ich wirklich übers Ziel hinausschieße. Die Balance funktioniert echt gut und ich hätte das gerne beibehalten. 🙂

      Und gerade bei dem Fem-Text habe ich eigentlich von Leuten, die ich als sehr klug und pragmatisch kenne, nur positive Rückmeldungen bekommen. Das kann jetzt Ausdruck einer Art Filterbubble sein: Nur wahrnehmen, was dem eigenen Narrativ entspräche, hätten nicht genau diese Personen auch schon mehrfach Artikel zurechtgerückt, die ihrer Meinung nach schlecht waren. Hey, von sowas lebe ich 🙂

      Und auch der Shitstorm-Artikel war tatsächlich nur eine Reflektion und auch mal wieder die ausformulierte Erinnerung, was Meinungsfreiheit für mich eigentlich bedeutet. 😉

  5. Ohmann, die Decke der Zivilisation ist dünn. Anstelle von Smileys sollten wir Fackeln und Mistgabeln einfügen. Der alte Spruch „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!“ gilt immer noch – trifft auch auf Schwestern zu.
    Kein Wunder, dass weltweit wieder die Säbel rasseln.

  6. Ich weiß genau wie schwer es ist einen solchen Artikel – über ein Thema das einen ärgert und das einem wichtig ist – zu schreiben und zu vertreten. Es schmerzt missverstanden oder gar bewusst fehlinterpretiert zu werden. Dumme Kommentare empfindet man als peinlich für einen selbst und nicht etwa für den Kommentator. Mir ist die Interpretation offensichtlich auch nicht korrekt gelungen.

    Man darf Deinen Text doch deshalb nicht einfach „Bullshit“ nennen. Man kann ihn sicher kritisieren, ganz sicher auch auf dem Level den Du selbst vorgegeben hast. Das rechtfertigt aber keine unfairen Methoden. Warum geschieht das trotzdem?

    Wir nehmen einmal an, uebermothers würde mit ihrer Kritik Sascha Lobo stellvertretend für die Community angreifen und sie oder uns praktisch als chauvinistisch bezeichnen. Da ist etwas dran. Wir haben es am Shitstorm gesehen.

    Chauvinismus als Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe. Ich denke, da ist ein wahrer Kern wenn Du kritisierst, dass eine Gruppe – hier ausgerechnet Feministinnen – alles nur unter dem Aspekt der eigenen Gruppe sieht.

    Du hast da in ein Wespennest gestoßen. Feministen in einem Fall praktisch Chauvinismus zu unterstellen kann nicht gut gehen. Jeder Versuch zu schlichten war zum Scheitern verurteilt. Fragt sich nur was man tun soll? Schweigen ist keine Option, selbst wenn kluge Leute so was hier schreiben.

    http://www.internet-law.de/2013/09/carta-feministinnen-und-heldenverehrer.html#comment-27081

    Ich stimme da nicht vollständig zu. Irgend jemand muss sich gegen Zerrbilder stellen. Immer wieder auch im Wissen das sie niemals aussterben werden. Selbst in dem Wissen niemals gänzlich Recht zu haben und immer wieder Fehler zu machen und die Prügel dafür zu beziehen.

    Das (Gruppenverhalten, die Gruppensdynamik/Spirale) – nicht etwa die Forderungen – sind manchmal ein Problem des Feminismus wie auch vieler anderer Gruppierungen. Dinge, Ansichten verselbstständigen sich um der Dinge und Ansichten wegen. Es gibt nur „Bist Du nicht für uns, dann bist Du gegen uns“. Das denken in Bahnen.

    Bisher habe ich das als gutes Recht der Frauen – nein der Menschen gesehen. Viel zu viel Unrecht rechtfertigt so Einiges. Bisher habe ich also versucht Argumentationen wie die uebermothers wenigstens zu verstehen und mich selbst an meine eigene Nase zu fassen. Ich werde sicher auch weiter (wohl erfolglos) versuchen den Chauvi abzuschütteln.

    Allerdings denke ich jetzt auch über „der Mensch ist keine Bahn, Gleichberechtigung keine Einbahnstraße“ nach. Möglicherweise bist Du mehr Feministin (oder soll ich sagen Humanistin?) als Du es selbst öffentlich präsentierst. Gut so. (…)

    tl;dr Oh Mist, das ist nicht mein Blog! Sorry. Ich würde Dir gerne Mut machen. Doch das liegt wohl außerhalb meiner Kompetenz. Dann wenigstens: Ganz ehrlich meinen Dank dass Du Dich auf Deine Art einmischst.

    • Ou, da steckt ne Menge drin. Mal sehen, ob ich das auseinanderbekomme.

      Disclaimer: Das ist meine Meinung. 😉


      Vieles von dem, was heute „politisch korrekt“ genannt wird, wird von dem Anspruch getragen, dass Worte so präzise sein müssen, dass sie unmissverständlich sind.

      Ich halte das für nicht möglich. Kommunikation – und das ist nicht nur „Reden“, ich meine die gesamte Kommunikation, die besteht aus einem verbalen und einem nonverbalen Teil, der den verbalen Teil unterstreicht und mit zusätzlichen Interpretationshinweisen versieht.

      Das ist bei reinen Texten aber nicht möglich. Das eröffnet einerseits ungeahnte Möglichkeiten, gibt es doch die Gelegenheit, mit Worten zu spielen und durch Nichtaussagen etwas zu sagen. Oder auch einfach einen Teil für sich stehenzulassen, zur Interpretation anderer. Man kann Interpretationen bewußt offenlassen, man kann aber auch mittels anderer Hilfsmittel Formulierungen die Schärfe nehmen – mit Smileys zum Beispiel. Ich selbst setze die inzwischen mehr instinktiv und zum Teil exzessiv als eine Art nonverbaler Hilfskommunikation.

      Weil ich halt auch die Erfahrung gemacht habe, wie schnell Text missverstanden werden kann.

      Der Eingang mit den Dialogen war so ein Spielen mit diesem Stilmittel. Und nur der dritte Dialog war eine Kurzzusammenfassung des ersten Teils des Fuckermother-Textes, wie ich ihn verstanden habe.

      Zur Verteidigung meiner Kritiker: Das war bei dem Fem-Text nicht möglich. Der *war* scharf formuliert, der war ein Wutausbruch, weil ich schlichtweg die Faxen dicke davon hatte, dass jetzt auch aus einer Ecke, die wir eigentlich verdammt dringend brauchen, diese Marginalisierungen einer exzessiven staatlichen Überwachung kommen und die, die es betrifft, nämlich eigentlich wir alle, wir sitzen in der Sonne und grillen. Yay.

      Ein Zeichen, dass sich eine Bewegung in einer selbstbestätigenden, unreflektierenden Blase befindet ist, wenn sie auf Kritik reagiert, als hätte man gerade gesagt, dass der Dritte Weltkrieg doch auch ne gute Sache für die Wirtschaft wäre, schließlich würde sowas ja Arbeitsplätze schaffen: Aufgeregt wie ein Hühnerhaufen, instinktive, heftige Ablehnung und ein sofortiges Abtun des gesamten Textes, weil „da keine Argumente sind“.

      Ein Zeichen, dass dem nicht so ist, wäre gewesen: „Moment mal, da ist jemand stocksauer. Warum ist das so? Liegt das an uns? Sind da Missverständnisse?“ – es kann ja nach wie vor sein, dass ich mit meinem Rant falsch liege. Dass meine Meinung aufgrund von Vorurteilen aufgebaut ist und nicht aufgrund von Fakten.

      Meinungen sind nicht in Eisen oder Stein gegossen. Sie sind nicht felsenfest. Sie können sich ändern, müssen oft eine Realitätsanpassung erfahren, wenn man merkt: Da bin ich in einer Sackgasse. Fanatiker jedoch sehen die Sackgasse als Endziel – endlich geht es nicht mehr weiter, ich habe recht. Für sie ist das Ende der Straße der Beweis, dass sie recht haben.

      Nicht der Irrweg, der es eigentlich ist.

      Nochmal: ich halte den Kampf um Gleichberechtigung für wichtig. Ich mache nicht den Fehler zu glauben, nur weil ich das Problem nicht aus eigenem Erleben kenne, dass es nicht existiert. Es gibt diskriminierte Frauen.

      Aber es gibt auch diskriminierte Männer. Jaha. Die gibt es. Und die haben das gleiche Recht, nicht diskriminiert zu werden, wie Frauen.

      Ich lese viel gerade bei den Radikalfeministinnen von Respekt. Doch dann lese ich wieder einen Text wie diesen hier und merke: Das ist nicht meine Welt, diese Frau ist so dermaßen weit weg vom Schuß, dass noch nicht mal die Möglichkeit einer gegenseitig verständlichen Kommunikation besteht.

      Eine Frau, die Genitalverstümmelungen bei Jungen befürwortet, weil das hinterher, wenn die mal erwachsen sind, möglicherweise Frauen schützen KÖNNTE, mit der werde ich in diesem Leben keine gemeinsame Basis finden können.

      Und so geht es mir jedesmal, wenn ich in diesem Bereich lese. Ich lese ein, zwei gute Texte, wenn ich Glück habe und dann kommt *zack* der nächste Kracher, wo man wirklich jeden Klimmzug unternimmt, um wieder ein Thema in die Fem-Ecke zu ziehen.

      Das ist dann jedesmal der Teil, wo ich mir sage: Nein, meine Damen. SO wichtig seid ihr auch nicht. Nicht alles liegt am Sexismus oder am Chauvinismus.

      Und du selbst hast es ja auch bewiesen, wohin das führt. Zu Menschen, die ängstlich jede Anwandlung von Chauvinismus vermeiden. Ohne eigentlich genau zu wissen, was Chauvinismus eigentlich ist. Wüsstest du die Definition auswendig? Ich nicht. 😉

      „Kann ich das noch sagen oder ist das schon chauvinistisch oder sexistisch?“ und das verzweifelte Bemühen, dass eigene Denken dieser Maxime unterzuordnen. Mit dem ständigen Gefühl eines Fehlschlags. Weil Menschen eben so nicht sind.

      Menschen sind chauvinistisch. Sie sind sexistisch. Sie sind feministisch. Sie sind manchmal so strunzblöd, dass man vom Angucken Zahnweh bekommt. Und sie sind manchmal so klug, dass man weiß: An DIE Sphären brauchst du noch nicht mal versuchen, heranzureichen. Das Weltbild wirst du NIE voll ausloten können. Und es gibt die gesamte Palette dazwischen, die eigentlich nur leben möchte. Im Sommer grillen im Winter Schlitten fahren und sich ansonsten ihres Lebens freuen.

      Eben: Menschen.

      Doch wenn diese Menschen Menschen sind und menschlich handeln, bekommen sie sofort von allen Oberlehrern dieser Welt entgegengeworfen, dass sie doch bitte anders handeln müssen. Dass das ja so nicht geht. Dass man ja so nicht sein kann.

      Wenn die Welt ein wenig auf die Oberlehrer verzichten würde und dafür mehr die Menschen ansieht, hätten wir alle doch viel weniger Probleme. Menschen reden nämlich miteinander. Oberlehrer belehren.

      Das heißt nicht, dass ich nicht auch auf diesen Fehler hereinfalle. Auch ich hab ne Oberlehrerader. Ich weiß das ziemlich genau. Und ich hab auch sonst einige Macken, die ich gut kenne. Und weil ich die kenne, bin ich auch bereit zu sagen: OK, das war nicht ich, das war meine Macke, die da geredet hat.

      Und das hätte ich bei dem in Frage stehenden Text vielleicht auch gemacht.

      Wenn mich nicht alle Oberlehrer so massiv bestätigt hätten.

      • 1+, bookmark (übrigens auch zu „Black does not equal fear“ – Hammer das. wtf?)

        Allerdings glaube ich nicht, dass es ängstlich ist sich auf die Seite der „Opfer“ zu stellen. Klar, das klingt nun wertend überheblich – ist es aber nicht – ist manchmal nicht einmal willkommen, auch mit bösen Fehlern gespickt, viel zu oft ungeschickt, vielleicht sogar irgendwo selbstsüchtig,

        aber sicher nicht ängstlich. In dem Wunsch nicht oberlehrerhaft zu wirken nur soviel:

        Menschlichkeit ist keine Ausrede. So einfach ist das nicht. Menschlichkeit ist, wenn wir Menschlichkeit zu etwas Wunderbarem machen. Niemand sagt, das sei leicht. Niemand sagt, dass es klappen muss. Aber es ist jeden Versuch wert.

        Doch wem sage ich das… cu

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    • Es wird immer wieder fälschlichrweise Voltaire zugeschrieben, obwohl es dem Inhalt nach in der Tat von ihm sein könnte. Es stammt aber aus „The friends of Voltaire“ (1906) von Evelyn Beatrice Hall.

      Voltaire selbst hat sich in etwas ausführlicherer Form auch zur Meinungsfreiheit geäußert:
      „Das Recht zu sagen und zu drucken, was wir denken, ist eines jeden freien Menschen Recht, welches man ihm nicht nehmen könnte, ohne die widerwärtigste Tyrannei auszuüben. Dieses Vorrecht kommt uns von Grund auf zu; und es wäre abscheulich, dass jene, bei denen die Souveränität liegt, ihre Meinung nicht schriftlich sagen dürften.“

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