Sprachengepanschtes

Kennt einer von euch den „Verein deutsche Sprache“? Nein? Macht nix, man hört auch nur einmal im Jahr davon.

Wenn die nämlich ihren Preis „Sprachpanscher des Jahres“ raushauen. Diese Buchhalter der Sprache, die bestimmen wollen, was „lächerlich“ ist und was nicht. Diese engstirnigen Sprachwächter, deren einziges Ziel ist, die Sprache „reinzuerhalten“ (oder was immer sie für „rein“ halten), haben auch diesmal wieder ein publikumswirksames Ziel gefunden.

Die Duden-Redaktion.

Ein Plädoyer für Sprachpanscher.

Warum wurde denn die Duden-Redaktion überhaupt nominiert?

Weil die Redaktion „lächerliche Anglizismen“ aufgenommen hat. So „Stalker“ statt „Nachsteller“. Oder „Laptop“ statt „Klapprechner“.

Diese Klappspaten sollen den Klappstuhl endlich eingraben und aufs krasse Pony setzen. Echt.

Sprache ist ein Instrument. Und es kann mit der Virtuosität eines Florettfechters geführt werden. Oder mit der Behäbigkeit eines Breitschwertes.

Oder man erschlägt sie in Regeln, erstickt sie, bis sie nicht mehr lebt und nur noch tote Worte übrigbleiben.

Der Verein deutscher Sprache sitzt einem allgemeinverbreiteten Irrtum auf: Dass man Sprache reglementieren muss.

Gut: Regeln zugunsten der Lesbarkeit müssen sein, sowohl was Zeichensetzung als auch Schreibweise angeht. Weil sonst Worte nicht mehr lesbar sind, weil man körperliche Schmerzen entwickelt, wenn man verstümmelte und gequälte Worte lesen muss und nicht mehr weiß, was der Schreiber dieser Zeilen eigentlich sagen möchte. Doch diese Regeln sind überschaubar und um sie zu lernen, gibt es den Duden.

Sprache ist lebendig. Sie entwickelt sich weiter. Sprache kann nur dann ihre Kommunikationsfähigkeiten beweisen, wenn sie nicht im Korsett der Besserwisser festgezurrt wird, sondern wenn sie sich entwickeln kann. Was passiert, wenn der Sprache dieses Korsett gewaltsam übergestreift wird, konnte man gut an der Rechtschreibreform sehen. Bis heute streiten sich die Geister und ehemals gute Rechtschreiber sehen sich plötzlich auf der Verliererstraße.

Doch sind sie wirklich die Verlierer?

Diese guten Rechtschreiber sind kreativ, sie spielen mit der Sprache, sie schieben sie an, sie panschen die Sprache und heraus kommt sehr oft großartiges: Neue Ideen, neue Worte, mit denen man wieder spielen kann. Man muss diese Ideen nicht lieben, doch sie sind in der Welt, bereit sich weiterzuverbreiten.

Es geht nicht darum, recht zu schreiben. Es geht um den Inhalt. Die ganze gute Rechtschreibung nutzt nichts, wenn sie nur noch dazu genutzt wird, Regeln für andere zu erfinden, wenn sie den Geist am Fliegen hindert.

Der Verein deutsche Sprache gehört zu diesen Menschen, denen Kreativität und freie Nutzung der Sprache ein Graus ist. Die für sich festgelegt haben, was gute Sprache ist und die jeden abstrafen, der die Worte neu nutzt. Sie hassen die Sprache, denn sie können sie nicht kontrollieren. Sie sind kleine Geister.

Douglas Adams, Terry Pratchett, Bee – das sind Vertreter der fliegenden Geister. Es sind große Geister, auch im Kleinen. Sie lieben die Sprache, sie hegen und pflegen sie. Und sie erfinden sie täglich neu.

Das ist der Verlust, den wir erlitten haben, als Douglas Adams starb: Wir verloren jemanden, der mit Sprache spielen kann. Dessen Freude an der Sprache und an dem kindlichen Spiel für jeden aus jeder seiner Zeilen sprach, der sehen konnte. Wir brauchen diese kindlichen Geister, diese Spieler der Sprache, denn ohne sie wird diese Welt farblos und grau. Wir sollten sie hüten und pflegen. Nicht mit Regeln ersticken.

Also:

Spielt mit der Sprache. Panscht sie. Macht großartiges neues.

Und lasst euch von den kleinen grauen Männern nicht erzählen, dass das schlecht ist. Denn selbst das Schlechte ist etwas Neues, und kann zu etwas Gutem führen.

Und wenn ihr dann dereinst den Preis als „Sprachpanscher des Jahres“ erhalten habt, so wisset, ihr habet gut getan.

/edit HUPS
Da hab ich Douglas Adams mit Terry Pratchett verwechselt. SORRY. 🙁

 

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11 thoughts on “Sprachengepanschtes

  1. Mir persönlich liegt auch an der Erhaltung der deutschen Sprache, allerdings sollte man nicht soweit gehen, Wörter, welche sich eingebürgert haben, zu verteufeln. Schon in früheren Zeiten wurden viele Wörter aus anderen Sprachen eingedeutscht, das kann man also auch mit englischen machen; solange man es nicht übertreibt, ist dagegen nichts einzuwenden. Es seien als Beispiele genannt: (Handy), Friseur, Notebook, Toilette, Hotline, Hit.
    Was mich vielmehr stört, sind Wörter, welche aus Wörtern verschiedener Sprachen zusammengesetzt werden, um modern zu erscheinen oder solche, für die es ein adäquates deutsches Wort gibt. So sind WC-Center, Back Factory oder Service Point nicht besonders gelungen, während Flatrate ohne Ansehensverlust durch Pauschale ersetzt werden kann. Nicht austauschen sollte man Handy gegen tragbares Fernsprechgerät (man bestelle eine Guthabenkarte für ein tragbares Fernsprechgerät, so werde man sehen, was man davon hat 😉 ). Kennt jemand eine elegante Übersetzung für WebSite?
    Wie Tantchen schon sagt, ist Sprache lebendig und lebt von fremden Einflüssen, durch welche sich manchmal Möglichkeiten sprachlicher Wendungen ergeben, die ohne diese holpriger gewesen wären.
    Aber so ist das mit Missionaren schon immer gewesen, sie übertreiben es maßlos, gleich ob es um Religion, Ernährungsgewohnheiten oder Sprache geht.
    😀

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