OM13 – Piratenpartei

Wo ich mich gerade an Feministinnen abarbeite kann ich ja gleich noch eins draufsetzen.

Das ist mal generell gegen alle gerichtet, die es für eine gute Idee halten, Menschen zu bedrohen. Aber in erster Linie gehts gegen die Piraten.

Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?

Ein junges Mädchen setzt sich also kritisch mit der #Aufschrei-Debatte auseinander. Die Kritik war unsachlich. Man schreibt nicht, dass Feministinnen „nur mal ordentlich durchgevögelt gehören“. Das steht auch nicht zur Debatte. Aber man kann sehr wohl den Umgang damit diskutieren.

Anstatt, dass man die Argumente überdenkt und die Anwürfe zurückweist, also kurz: Souverän reagiert, wird sie mit Klarbild und Nicknamen auf eurer OM13 als „frustrierte Haterin“ bezeichnet? Ein kurzes „sach mal hast du noch alle Latten am Zaun?“ hätte gereicht um dem Mädchen klarzumachen, was sie da losgelassen hat. Aber nein, eine verkopfte Vortragende muss „Mechanismen“ aufzeigen. Und sie muss das mit Nick und Bild tun.

Dabei ist es so einfach:

Man bedroht keine Menschen. Man stellt niemanden an den Pranger. Ende Gelände. Man macht keine Vorträge, wenn man etwas beweisen will, ohne die Menschen zu anonymisieren.

Was hat die Vortragende denn bewiesen? Doch nur, dass sie keine Skrupel hat, die Strafe selbst zu verhängen und das nicht den dafür zuständigen Stellen zu überlassen. Das nennt sich mediale Lynchjustiz und ist einer Partei, die die Demokratie erneuern will, unwürdig.

Das Mädchen, um das es geht, hat sich im Ton vergriffen – keine Frage. Aber die Antwort kann doch jetzt nicht lauten „dann machen wir die fertig, die wird nie wieder Bloggen“. Wo ist das denn noch Demokratie? Wo ist das respektieren der Meinungsfreiheit? Wo ist das denn noch in *irgendeiner* Form zu rechtfertigen?

Parteien, in der ein derartiges Verhalten auch noch verteidigt wird, sind nicht wählbar.

Ich hab irgendwann mal gesagt, die Piraten brauchen noch gut 4 – 8 Jahre, bevor sie wählbar sind. Und wenn ich sowas mitbekomme, stehe ich dazu.

Wir brauchen nach wie vor ein Korrektiv für die etablierten Parteien. Aber wer will denn Demokratiefeinde, die glauben, nur weil sie für Frauenrechte kämpfen, dürfen sie sich alles erlauben, noch wählen? Wie wollt ihr erklären, dass die NSA die Privatsphäre schützen soll, wenn ihr bei der erstbesten Gelegenheit nach dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“ eine Minderjährige dem Mob zum Fraß vorwerft?

Wollt ihr das mit „Transparenz“ erklären? Was ist denn hier Transparent gemacht? Welchen informationellen Nährwert hatten denn die offengelegten Zusatzinformationen bezüglich Nick und Bild? Außer, den wildgewordenen Mob gezielt auf Menschen zu hetzen? Wenn ich Hate-Speech erklären will und deren Mechanismen, dann ziehe ich den Fokus nicht weg, indem ich die Klarnamen der „Hater“ veröffentliche. Denn in dem Moment, wo ich das mache, ist die Aufmerksamkeit nicht mehr darauf gelenkt, was Hate-Speech ist und wie sie funktioniert. Nein.

Man hat ein Hassobjekt, dass „Hate-Speech“ benutzt hat und jetzt sind alle Grenzen gefallen. Ein Hassobjekt, dass hasst kann man hassen und nach Herzenslust vernichten. Hat sie schließlich verdient.

Nur, falls sich jemand fragt, wie die Lynchmobs im 19. Jahrhundert im Wilden Westen entstanden sind. Am Anfang stand immer ein geistiger Brandstifter. So wie hier.

Ich hoffe, das dieser Text das tiefe Entsetzen, dass ich über den Vortrag auf der OM13 empfinde, wenigstens einigermaßen wiederspiegelt.

Ich hatte heute morgen mit dem @netnrd und einigen anderen eine Diskussion über Mobbing ohne diese Hintergründe zu kennen. Es ging um die Anonymisierung von Mobbing und das bedauert wurde, dass man einen Mobbingtäter anonymisieren musste. Ich würde meine Tweets jetzt gerne umformulieren, ich hätte sie in Kenntnis der vollen Sachlage nicht so geschrieben.

Aber meine Kernaussage bleibt nach wie vor bestehen:

Am Mobbing hat der Mobber schuld und sonst keiner.

Aber Täterin ist hier die Vortragende, die einen Vortrag gehalten hat, der so nie hätte gehalten werden dürfen. Opfer ist ein junges Mädchen, dass sich im Ton vergriffen hat und dass dafür eine Strafe erhält, die mit der Tat nicht mehr in Einklang zu bringen ist. Wem gibt dieser Vortrag das Recht, das Mädchen jetzt mit Gewalt- und Morddrohungen zu überziehen?

Gerade im Bereich Mobbing wird sehr schnell die Täter-/Opfer-Umkehr gezogen. Keiner fragt sich, ob die Reaktionen auf ein Fehlverhalten noch im Rahmen des Angemessenen sind. Das Opfer hat sich falsch verhalten und unreflektiert darf dann jeder draufhauen wie es ihm gefällt. Wenn sich das Opfer wehrt, legt man ne Kelle drauf. Kleinkriegen, vernichten, in die Submission treiben, dass ist das Ziel.

Und am Ende steht zu häufig ein Suizid – und selbst dann wachen manche Mobber nicht auf. Denn schließlich haben sie ja recht. Sie haben demjenigen gezeigt, was eine Harke ist.

Und doch nur die eigene Armseligkeit bewiesen.

Und nein, ich möchte nicht, dass ihr die Vortragende jetzt wissen lasst, was ihr von ihr haltet, sie bedroht oder beschimpft. Das wäre dann das gleiche Mobbing, was sie gemacht hat. Und aus dem Grunde habe ich hier die Mobberin auch konsequent anonymisiert und nichts verlinkt, weil alle Links unverzüglich die Identitäten preisgeben würden.

Ich hoffe wirklich, sie lernt was daraus

P.S:. Wenn jemand Infos dazu in den Kommentaren verlinkt, werden diese gelöscht. Ich werde darauf aufpassen wie ein Schießhund.

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13 thoughts on “OM13 – Piratenpartei

  1. Hm. Ich hätte fast die Piraten gewählt. Jetzt zweifle ich doch wieder. Oh mann, kann es nicht mal _eine_ Partei geben, die keine Scheiße baut? Das ist doch echt zum Heulen. Ich glaube, ich würfle aus, wen ich wähle.

  2. „… kann es nicht mal _eine_ Partei geben, die keine Scheiße baut?“

    Anscheindend nicht!

    Aber die Piraten sind mir sowieso diesmal nicht als Wahlalternative erschienen. Ich denke, ich werde die nächstbeste Möglichkeit wählen und das ist nicht die SPD 😉

    • *seufz*

      Die Piraten wären diesmal echt eine Alternative gewesen – aber das ist ein Rückfall in die alten Steinzeitpiraten…

      *seufz*

      • Leider kein Direktkandidat bei mir im Wahlkreis 🙁 Daher schon – nono
        Aber Grüne geht schon nicht mehr seit Kosovo, CDU/CSU gehen nienich und wählte ich FDP, müsste ich jemanden bitten, mir einen Schierlingsbecher zu reichen…

  3. Ich war zwar immer noch ziemlich skeptisch, hatte sie aber doch so ganz langsam als ernsthafte Alternative zumindest MIT in Erwägung gezogen.

    Ok, fange ich halt von vorn wieder an. IRGENDWEN werde ich wählen, soviel steht mal fest …

  4. Macht jetzt an den Fempiraten bitte nicht die ganze Partei fest.

    Wichtiger für mich ist jetzt erstmal, dass geguckt wird, wie man auf diesen Vorfall reagiert. Dass in einer Partei immer mal wieder Leute durchdrehen: Passiert.

    Der Rest ist wichtig. Wie wird reagiert.

    Mal beobachten das ganze.

    • Du hast aber wahrscheinlich recht: in 4-8 Jahren kann man sehen, was aus dem Experiment „Piraten“ geworden ist. Andererseits haben die Grünen auch mal als wirre Chaostruppe angefangen – heute sind sie so etabliert, dass sie schon konservativ sind, um es freundlich zu formulieren. Von daher kann man auch die Auffassung vertreten, dass man die Piraten einfach mal wählt, und dann drauf hofft, dass dann eine gewisse Selbstorganisation stattfindet und die ganzen Idioten früher oder später rausfliegen. Ich meine, von so wirren parteipolitischen Verhältnissen wie in Italien sind wir ja meilenweit entfernt, da kann auch eine solche Chaostruppe die Demokratie nicht wirklich erschüttern – das machen ganz andere.

  5. Das junge Mädchen hat nicht geschrieben, dass Feministinnen „nur mal ordentlich durchgevögelt gehören“.
    Das nämlich ist nun wirklich nicht ihr Stil und auch nicht ihre Meinung.
    Sie hat in etwas unfeiner Sprache ihren Eindruck von manchen Feministinnen wiedergegeben („Hipstaa-Fötzchen“) und deren Ideologie.
    Das ist noch lange kein Hate-Speech und hat folglich in dem in Rede stehenden Vortrag schon mal gar nichts zu suchen.
    Das ist ihre Meinung, die sie mit vielen teilt, das ist niemandem verboten und bedarf folglich keiner Erziehungsmaßnahme.
    Für ihre nicht gesellschaftliche Wortwahl hat sie sich längst entschuldigt.
    Dafür, dass sie für den derzeit propagierten Feminismus / Version Genderismus nichts übrig hat, braucht sie sich nicht zu entschuldigen. Denn das ist ihr gutes Recht.

    • Und damit ist sie zumindest nicht alleine. 😉
      Falls du mal genauer hinguckst: Ich hab sie *eigentlich* verteidigt.

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