Option: Militärschlag

/update Jakob Augstein mit einem lesenswerten Artikel und den Titel geändert. Der andere war doof.

Die UN-Inspektoren haben sich durchgesetzt. Und sind heute losgefahren.

Und – natürlich – prompt beschossen worden. Die waren noch nicht mal aus Damaskus raus.

Das ganze war übrigens eine Einschüchterungsaktion. Es wurde nur auf das Auto gezielt, nicht auf Menschen. Sonst wäre bei der Aktion „Knallpuffpeng“ wohl mehr passiert. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Leute, die da ein Gewehr halten, nicht wissen, wie man damit umgeht.

Meanwhile scheint die amerikanische Militärmaschine unaufhaltsam anzurollen, trotz zögerlichem Oberbefehlshaber. Obama will nach wie vor nicht nach Syrien rein. Sein Militär aber offenbar schon. Und offenbar wohl auch die Geheimdienste – denn Syrien wäre doch so eine schöne Ablenkung von diesem elenden Skandal.

Selbst Terrorwarnungen und hochdramatisches Schließen diverser Botschaften, konzertiert für EU und USA haben nicht den gewünschten Effekt gebracht. Die Terrorwarnung hat keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorgelockt, diese Karte wurde einmal zu oft gespielt und hier muss man schon sehr leichtgläubig sein, um den Behörden das noch zu glauben.

Bis mal wirklich irgendwo was hochgeht. Dann kann man das wieder für mehr Befugnisse nutzen, weil die bisherigen nicht ausreichen – sonst hätte man das ja verhindert.

Wann sind die Geheimdienste eigentlich so berechenbar geworden?

Ehrlich gesagt, erst gestern hätte ich das noch nicht glauben wollen, dass das geschieht.

Es ist aber auch typisch für die kurzfristige Denkweise der dortigen „Entscheidungsträger“ – man überlegt sich immer, wie man einen Krieg anfängt, aber nie, wie man ihn beenden kann. Wenn jetzt wirklich amerikanische Militärinterventionen in Syrien stattfinden, einem Syrien, das von Russland beschützt wird, was glauben denn die Militärs in Washington, was dann in der Gegend passiert?

Israel übt sich auch schon in fleißigen Drohgebärden, der Iran schüttelt die wütende Faust in alle Richtungen und Russland schweigt und zieht die diplomatischen Fäden im Hintergrund. Putin hats nicht wirklich nötig, laut zu werden und das macht ihn so gefährlich.

Afghanistan wurde von den Taliban „befreit“ – viel steht dort nicht mehr in diesem Land. Der Wiederaufbau, so er denn irgendwann überhaupt beginnt, wird Jahrzehnte dauern. Die Situation der Frauen hat sich massiv verschlechtert. In Afghanistan herrschen die Warlords. Hamid Karsai herrscht genau über Kabul und selbst da ist es fraglich.

Der Irak wurde von Saddam Hussein „befreit“ – zurück blieb ein geschlagenes Land, dass keine Kraft zum Wiederaufbau hat, weil eine korrupte Regierung durch die nächste ersetzt wurde. Der Irak wurde zu einem besetzten Land, dass erst schrittweise die Souveränität zurückerhält und eigentlich mit einem Bein im Bürgerkrieg steht.

Vietnam, Korea, diese Länder haben bis heute mit den Folgen der US-Interventionen zu kämpfen. In Vietnam werden immer noch viele missgebildete Kinder geboren, dank Agent Orange.

Krieg ist nicht die Fortführung der Diplomatie mit anderen Mitteln. Krieg tötet Menschen und Ideale und hinterläßt in Land und Seele für Generationen Verwüstungen, die nicht mehr zu heilen sind. Und diese Verwüstungen sind physisch und psychisch.

Nicht von ungefähr werden die toten Soldaten in den USA in einer zentralen Sammelstelle empfangen, wo Journalisten keinen Zutritt haben. Der Krieg soll kein Gesicht bekommen. Auch in Deutschland geschieht das. Wer hat denn noch auf dem Schirm, dass wir tatsächlich wieder Soldaten in einem Krieg verloren haben?

„Gefallene“ nennt man sie euphemistisch. Als ob es das Sterben heroischer macht, wenn man für ein Ideal erschossen wird statt für eine Ölquelle.

Und jetzt bereitet sich die US-Armee auf den nächsten Krieg vor, die anderen Kriege und Besatzungen sind noch nicht richtig beendet. Die US-Regierung setzt offenbar auf den alten Trick, ein außenpolitisches Bedrohungsszenario zu nehmen um von innenpolitischen Kalamitäten abzulenken. Dabei werden die möglichen Eskalationen völlig ignoriert. Russland wird nicht einfach zusehen, wenn derjenige, den sie beschützen, einfach unter Beschuß genommen wird.

Bradley Manning ist für 35 Jahre ins Gefängnis gegangen, weil er angeblich Menschenleben mit seinen Veröffentlichungen gefährdet hat. Edward Snowden wird als Staatsfeind Nr. 1 gejagt und, sollte er je gefaßt werden, für lange Jahre ins Gefängnis gehen, weil er angeblich Menschenleben mit seinen Veröffentlichungen gefährdet hat.

Herr Obama, General Alexander. Wie nennt man das, was sie gerade tun?

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3 thoughts on “Option: Militärschlag

  1. Die Briten wetzen schon die Messer, für den Außenminister ist es völlig klar, dass Assad das Giftgas eingesetzt hat. Ja klar, noch ein Krieg im Nahen Osten wird die Situation dort verbessern. Ich verstehe wirklich nicht mehr, was damit erreicht werden soll. Wenn USA/UK Syrien angreifen, was soll dann dort passieren? Assad wegbomben? Das würden sie früher oder später schaffen, sicher. Und dann? Noch ein Irak? Millionen Tote? Ein weitreichender Krieg im Nahen Osten, der derzeit sowieso sehr volatil scheint? Sicher, eine total gute Idee. Irgendwer wird womöglich mal schmutzige Bomben ausprobieren wollen, wär mal was neues.

    Cui Bono? Wem würde das irgendwas nützen? Die Eiszeit zwischen USA und Russland würde sich vertiefen, was keine so gute Perspektive ist. Frieden im Nahen Osten könnte endgültig zur Utopie werden, von Demokratie und Menschenrechten ganz zu schweigen. Ich sehe im Moment wirklich nicht, wer davon irgendwie profitiert.

    • Wer davon profitiert oder profitieren könnte?
      Zumindest die Länder mit Waffenproduzenten, denn wenn es hochhergeht, werden sowohl die „Kriegsparteien“ im Lande, als auch die Nachbarn ein wenig aufrüsten wollen.
      Außerdem können beim sogen. Wiederaufbau amerikanische Firmen ordentlich Taler aus dem Lande pressen, im Irak hat das ja auch ganz gut geklappt.
      Es ist aber leider auch so, dass die Syrer selbst, von einigen Opportunisten abgesehen, nichts von einem Militäreinsatz der USA (und der Koalition der Willigen) haben werden, zumindest nichts positives, auch das hat im Irak ja ganz gut geklappt…

  2. Pingback: Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

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