Die Zeit nach Snowden und Manning

Erst langsam dämmert es den meisten, dass die Welt sich tatsächlich sehr verändert hat. Bradley Manning wurde in einem unfairen Kriegsgerichtsverfahren zu 35 Jahren Haft verurteilt – zum Vergleich: Die Männer, die in Afghanistan bewußt durch die Häuser gegangen sind, um Menschen zu töten, bekamen 24 Jahre.

Die Verhältnisse stimmen nicht mehr

In Großbritannien kann der Premierminister ganz ungeniert anordnen, dass eine Zeitung Recherchematerial vernichten muss. Ganz ohne Gerichtsbeschluß, ganz ohne sich auch nur den Anschein eines rechtsstaatlichen Verfahrens zu geben.

David Miranda wurde über 9 Stunden in Heathrow festgehalten – als er auf einem Transit war, auf der Reise von Berlin nach Rio de Janeiro.

Das alles konnte geschehen, weil die Inlandsmedien, von Guardian mal abgesehen, offenbar den Ernst der Lage nicht annähernd verstanden haben. Bitte versteht das: Der Geheimdienst WUSSTE, dass die Daten des Guardians damit nicht vernichtet waren, dass es noch Kopien anderswo gab. Und ganz sicher gibt es irgendwo noch eine oder mehrere Masterkopien in einem Schließfach. Es handelte sich um eine bewußte und vorsätzliche Einschüchterungsmaßnahme. Und imho auch um einen Versuchsballon: Wie weit können wir gehen, ohne dass die Öffentlichkeit aufschreit.

Sehr weit. Sehr sehr weit. Zu weit.

Und hier in Deutschland? Es wird endlich berichtet – und endlich mit der gebotenen Kritik. Aber nach wie vor wird Angela Merkel geschont. Man schießt sich auf die Auslandsskandale ein, nicht auf die Lage im Inland. Es wird der Rechtsstaat Großbritannien gewertet, aber der Skandal im Inneren bleibt so seltsam farblos.

Es ist Wahlkampf und keine Partei, von den Piraten abgesehen, bekommt es auf die Reihe, diesen Abhörskandal einigermaßen zielsicher zu thematisieren. Die Geheimdienste drehen weltweit frei, unkontrolliert und unkontrollierbar. Und hier in Deutschland wird die Debatte per Basta beendet. Weil ist ja alles aufgeklärt.

Und so ganz nebenbei gibt es neben dem Abhörskandal auch noch den Datenverkaufsskandal der Apotheken. Nix von gehört? Noja, ist ja auch nicht wirklich ein Skandal. Da haben Apotheken unsere Daten verkauft. Nicht verschlüsselt. Versehen. Hahaha. Kann passieren, wir sind ja alle Menschen. *schenkelklopf* Nix für ungut, gelle?

Doch für ungut.

Für zu viele Menschen sind wir alle keine Bürger mehr, sondern Ressourcen, die es abzuschöpfen gilt. Datenressourcen, Arbeitsressourcen, Wahlressourcen, Terrorressourcen, die eruiert werden müssen.

Wir sind aber keine Ressourcen.

Wir sind Menschen.

Und wir haben Rechte.

Zeit, dass das wieder zur Kenntnis genommen wird.

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Soziales

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6 thoughts on “Die Zeit nach Snowden und Manning

  1. Aber Tantchen das dient doch alles unserer „Sicherheit“ und wir wissen ja dank gewissen „Illegalen“ das es ein „Supergrundrecht“ eben auf „Sicherheit“ gibt !!11!!ELF!!
    Und wenn dieses „Supergrundrecht“ halt „nur“ auf „Superreiche“ mit „Superverbindungen“ zutrifft mußt Du Dir die notwendige Portokasse „erarbeiten“ ist doch klar …

  2. Eines vorweg: wie wärs mit sichtbaren Rahmen um die Eingabefelder? Weiß auf weiß kann ich nicht erkennen 😉

    Zur Hauptsache:

    Was wir bereits vermuteten, ist jetzt Gewissheit, sowohl die USA als auch Großbrittanien sind de facto keine Rechtsstaaten mehr, sondern totalitäre Staaten, wobei das bei den USA schon seit längerem offensichtlich ist.

    Ich fürchte, es dauert nicht mehr lange, da unsere Behörden ähnliche Aktionen durchführen werden wie die britischen – ach nee, Moment – ham sie schon:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel-Aff%C3%A4re

    Shice!

    Ich wander aus – die Frage ist nur, wohin. Ich liebäugle ja mit China oder Nordkorea, da weiß man wenigstens, dass sie totalitär sind. Ich spreche bloß kein Wort chinesich oder koreanisch…

  3. Pingback: Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram.

  4. Der Spiegel macht sich heute seine eigenen Affären, indem er Personal von der BILD anheuert. Egal, was die Nasen für Preise gewonnen haben mögen – BILD ist so unterirdisch, dass die den Spiegel damit automatisch verseuchen. Und Deutschland? Die Presse schläft sanft und selig, die Parteien machen alle mit, der Bevölkerung ist es egal. Die Revolution fällt diesmal nicht aus, weil das Betreten des Rasens verboten sind, sondern weil die Menschen viel zu apathisch sind, überhaupt auf den Rasen zu gehen.

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