Ayn Rand / John Galt

Eigentlich wollte ich ja schon längst im Bett liegen…aber irgendwie geht mir das im Kopf rum und ich hoff, ich kann danach besser pennen 🙂

Mein Vater z.B. ist derzeit völlig gebügelt über die Aufregung, die gerade hinter den Bonizahlungen in den USA herrscht. OK, es ist eine Schweinerei, aber letztlich doch normal von denen.
Um zu verstehen, warum die Amerikaner gerade so sauer sind auf die ganzen Bankmenschen, dass da teilweise schon ernstzunehmende Morddrohungen ausgesprochen werden, muss man sich mal vergegenwärtigen, wie man da drüben denkt. Und die Denkweise unterscheidet sich trotz westlicher Ausprägung durchaus eklatant von der europäischen.

Beim Kollegen um die Ecke wird kurz angerissen, was sich hinter der Philosophie von Ayn Rand und dem vielzitierten Buch Atlas Shrugged, dass offenbar zur Bibel der ganzen Investmentbrüder geworden ist, verbirgt. Lesenswert.

Kurz gesagt: Leistung soll sich lohnen, der Staat soll sich nicht einmischen, da sich die Märkte selber regeln. Und das was verdient wird, ist auch verdient.

Und die meisten Amerikaner hatten genau damit auch kein Problem. Den Reichen wurde der Reichtum nicht geneidet, weil sie ihn sich erarbeitet und verdient hatten. Die Frage danach, was für eine Arbeit diese Abermillionen Dollar eigentlich wert sein kann, wurde nicht gestellt, warum auch? Die Märkte gaben diese Löhne ja her.

Folgt man jedoch aus Überzeugung dieser Philosophie, dann hätten Leute wie Fuld (Lehman-Brothers) und Co. mit ihren Schiffen untergehen müssen. Denn das unternehmerische Risiko ist nach dieser Philosophie zu 100% ihres. Fuld wäre also dann heute nach dieser Philosophie ein armer Schlucker, der obdachlos am Straßenrand hockt.

Was machen die Jungs statt dessen? Und mit ihnen alle Indianer? In ihrer Not rufen sie nach dem Staat, den sie in den fetten Jahren immer hübsch weggedrängt haben, weil er drohte, die Gewinne zu beschneiden.
Sie bringen ihre Schäfchen ins Trockene und bedienen sich ungehemmt aus dem Geldtopf, den der Staat eigentlich gedacht hatte, um die maroden Firmen zu sanieren.

Genau das ist es, was die Leute so sauer macht: Der kleine Mann auf der Straße blutet gerade gewaltig. Es geht ihm dreckig. Reihenweise verlieren die Leute ihre Häuser und ihre Jobs. Adäquate Mietwohnungen gibt es nicht. Massivste Managementfehler, die noch nicht mal ein BWL-Student im 1. Semester machen würde, wenn er den Verstand einschaltet, werden belohnt mit Boni, die höher sind als das 10-Jahres-Einkommen einer Durchschnittsfamilie, finanziert aus Steuergeldern, die ebenjene Familie bezahlt hat.

Und das, obwohl nach der gepredigten Philosophie die Herrschaften jetzt gepflegt auf dem Trockenen sitzen müssten. Die Bosse stehen nicht zu ihren Fehlern, sie vertuschen und verstecken, um sich die eigenen Taschen noch füllen zu können. Und dann machen sie sich weg und sagen „Thank you for the fish“.

Das nennt man hierzulande Wasser predigen und Wein trinken. Wären die Manager hingegangen, den Hut in der Hand und hätten gesagt: „Jo, da ist mist passiert, wir waren zu gierig, wir haben leider falsch gehandelt und alles falsch gemacht“ evtl. noch garniert mit ein bisschen Galgenhumor, dann wär alles gut gewesen. Aber so, wie die jetzt handeln, stehen sie in den Augen aller als gierige, feige Weicheier da. Und man möchte so ungerne glauben, dass man diesen rückgratlosen Schleimern auf den Leim gegangen ist.

Wir in Europa kennen das ja nicht anders von den sogenannten Eliten – die meist eigentlich nur ein arroganter, selbstverliebter Haufen von Nichtskönnern und Blendern sind. Man möge sich nur die diversen Fernsehauftritte unserer „Industriekapitäne“ angucken. Ich persönlich hab dann jedesmal das Bedürfnis nach einer soliden Holzkeule, die ich denen über die Rübe ziehen möchte. Nein, das ist kein Aufruf zur Gewalt. Das ist mein Bedürfnis, dem ich natürlich niemals nachgeben würde, weil ich trotz allem Pazifist bin und Gewalt nicht mag. Körperlich. Von verbaler hat keiner geredet. Und das obwohl ich Killerspiele spiele wie das böse World of Warcraft (ok, gespielt habe. *g*).

Ich frag mich ernsthaft, wann den Amerikanern mal wieder einfällt, was man so feines mit Fackeln und Mistgabeln machen kann… sauer genug sind die meisten gerade dafür.

Aber ich glaub, mit 90% Steuern auf die gestohlenen Gelder (das ist in meinen Augen Diebstahl, was da passiert ist) kann man auch gut leben und trifft die weitaus mehr.

Ansonsten: Egal ob Europa oder Deutschland: In den Knast mit dem geldgierigen Gesindel.

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Soziales

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3 thoughts on “Ayn Rand / John Galt

  1. *g* Überschrift gelesen – direkt an „USA Erklärt“ gedacht 😀

    Guter Blog. Ich muss das Buch mal lesen…

  2. Das schöne Prinzip „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“ haben die doch alle mit der Muttermilch aufgesogen. Ist doch auch toll, wenn man mit anderer Leute Geld spielen darf und nie verliert.

  3. Das Problem ist, dass in unserer Gesellschaft die Schmarotzer am falschen Ende der Nahrungskette lokalisiert werden.

    Wir bezahlen Krankenschwestern, Altenpfleger und andere helfende Berufe so schlecht, dass die als Alleinverdiener die Miete fast nicht mehr zahlen können – gleichzeitig können die Aktienanalyste vor Geld kaum laufen.

    Da passt was gewaltig nicht mehr.
    Und ich fange allmählich an, Volker Pispers dauerzuzitieren. Aber der Mann ist eine echte Fundgrube.

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