Blogosphäre vs. Journaille

1:0 würde ich sagen.

Während in den Blogs genau das richtige gefordert wird und die überwiegende Mehrheit durchaus sachlich über Winnenden bloggt, ist sich der Spiegel nicht zu schade, das widerlichste Titelbild einzustellen, dass ich zu dem Thema bislang gesehen habe.

Berücksichtigt man, dass inzwischen die meisten ja wohl wissen dürften, dass es diesen Tätern ausschliesslich um die Selbstdarstellung geht, sie also Aufsehen WOLLEN, hat Tim K. sein Ziel zu 100% erreicht.

Da wird sich überschlagen mti der nächsten vermeintlichen Sensation. Da wird etwas gefunden, nicht weiter recherchiert und in der nächsten „Eilmeldung“ dann das Gegenteil verkündet.

Diese Medien haben ihr widerlichstes Gesicht gezeigt – sämtliche Printmedien haben sich als sensationsgeil geoutet. Es geht ihnen nicht um die Opfer. Es geht nicht um Betroffenheit. Es geht nur darum, wer den nächsten „Coup“ macht.
Die richtigen Fragen wurden nicht eine Sekunde gestellt.

Ich halte jede Wette, dass in dem Moment, wo rauskam, dass jemand durchgeknallt ist, der erste Redakteur schon den „Rechercheauftrag“ rausgegeben hat: „Guck mal, was mit Killerspielen ist“ – anders ist das nicht zu erklären, wieso der Rechner noch nicht mal angeguckt wurde von der Polizei, aber schon die Meldung über den Äther ging, dass er die achsobösen Killerspiele drauf hatte. Woher wollten die das wissen? Direktzugriff auf die Festplatte?

Der einzige Ort, den ich sehe, wo einigermaßen unaufgeregt die richtigen Fragen gestellt werden, ist die sog. Blogosphäre. Hier werden Fragen gestellt, wie z.b. Warum ist es unbedingt notwendig, 4600 Schuss Munition im Haus zu lagern (das scheint bei Sportschützen durchaus üblich zu sein)? Wieso muss man 15 Schusswaffen im Haus haben? Wozu muss man überhaupt Waffen in Privatbesitz haben?

Wo ist das Problem, den Vereinen aufzugeben: „OK, ihr könnt ja gerne weitermachen, aber doch bitte: Bewahrt die Waffen im Vereinslokal auf. Sichert das entsprechend mit Einbruchmeldeanlage und Tresoren, aber privater Waffenbesitz zu Hause kommt nicht in die Tüte“.

Wo ist das Problem, die Strafen für unachtsamen Umgang mit Schusswaffen eklatant zu verschärfen?

Waffen gehören nicht in Privatbesitz. Punkt. Aus. Ende.

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Soziales

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One thought on “Blogosphäre vs. Journaille

  1. „Killerspiele“ sind zwar nicht das richtige Angriffsziel, die Waffengesetze sind es aber auch nicht.

    Würden Waffen in Vereinslokalen zentral aufbewahrt, würden sich Waffenarsenale bilden, an die Kriminelle sehr viel einfacher herankommen könnten als an dezentral gelagerte Waffen. Man muss sich nur einmal klarmachen, was in so einem Vereinslokal los ist. Unter der Woche tagsüber und Nachts sind die Vereinslokale leer. Dementsprechend haben Profis relativ leichtes Spiel, da hineinzugehen und am Ende mit einer 2-3-stelligen Anzahl an Waffen herauszumarschieren. So gut können die Waffen mit Anlagen und Tresoren gar nicht geschützt werden, dass dieses Risiko auf ein erträgliches Maß reduziert wird.
    Zumal man mit solchen Maßnahmen auch den Sportschützen unrecht tut, die sich an die Waffengesetze halten.

    Im Endeffekt muss man den Waffenbesitzern klarmachen, welche große Verantwortung sie mit dem Besitz einer Waffe tragen. Effektiv kontrollieren kann man die Einhaltung ohnehin nicht.

    Vielleicht sollte sich die Politik eingestehen, dass man Amokläufe nie verhindern kann. Egal wie scharf die Waffengesetze und das Jugendschutzgesetz auch immer sein mögen.

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