Qualitätsjournaille

Man muss sich das wirklich mal in aller Ruhe durch den Kopf gehen lassen:

Der PC von Tim K. ist noch nicht ausgewertet.

Der Junge war psychisch krank.

Der Vater des psychisch kranken Jungen hat ihm Waffen in die Hand gegeben und ausgebildet.

Es lagen offenbar 4600 Schuss Munition im Haus rum. Genug, um einen kleinen Krieg anzuzetteln, wie wir ja gesehen haben.

Die Waffen waren auch offenbar ungenügend gesichert, sonst wär der da nicht rangekommen. Ich erinnere mich z.b. an meinen Schwiegervater, der die Regelungen _sehr_ ernst genommen hat. An SEINE Waffen kam keiner ran. Die waren verschlossen, nur er kannte die Kombination und als er tot war, gabs ein ziemliches Theater wegen der Dinger, weil keiner rankam und der Stahlschrank wirklich ne gute Qualität hatte. Das Schloss war auch nicht mal eben in 2 min. geknackt. Der Schlüsseldienst musste sich da mit einem Schneidbrenner reinfressen. Diese Sicherungen hielt der Vater von Tim K. auch angesichts eines psychisch labilen Jungen wohl nicht für nötig. „Der tut nix, der will nur spielen“.

Und was macht die Presse und unsere „Qualitätsjournaille“?

Meldet in vorauseilendem Gehorsam, dass man doch das böse Counterstrike gefunden hätte. Die Meldungen, dass die USK verschärft werden muss, dass die nichtsahnende Bevölkerung vor bösen Killerspielen geschützt werden muss, die überschlagen sich gerade.

Allen voran Stern und, wie fefe es ausdrückt, dass ehemalige Nachrichtenmagazin, dass von den großen Boulevardblättern wirklich kaum noch zu unterscheiden ist. „Recherchiert“ wird in Twitter, StudiVZ, SchülerVZ. Es wird auf Teufel komm raus aus irgendwelchen Foren abgeschrieben und dann in Sekundenbruchteilen an die Nachrichtenagenturen weitergegeben.
Und dann hat ein Reporter vom Stern auch noch die Frechheit, Twitter genau dessen anzuklagen, dessen sein eigenes Blatt (und die vieler anderer) sich schuldig machen: Verletzung des Presserechts.
Garniert mit etwas, was Stefan Niggemeier zu Recht die dümmste Fotostrecke ever bezeichnet.

PFUI.
Sowohl was die Politiker betrifft, die ja nicht schnell genug wieder den Hilfssheriff spielen können und so schnell wie möglich versuchen, von den dringend anstehenden gesellschaftlichen Fragen wieder zu „Killerspielen“ zu schwenken. Und die Journaille, die sich wirklich mal selbst dabei zusehen sollte wie sie arbeitet. Wi-der-lich.
Und unprofessionell. Da fragt doch tatsächlich ein Journalist in der Pressekonferenz nach der SCHUHGRÖSSE des Täters. Äh, hallo? Noch alles frisch? Hat der mit den Füssen geschossen oder was?

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Soziales

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4 thoughts on “Qualitätsjournaille

  1. Ich bin ja kein eigentlich kein Spiegel-Basher, denn einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, aber was SPON zur Zeit treibt mir vor Lachen die Tränen in die Augen. Ich glaube fast, Journalisten, Politiker, vielleicht ein Großteil derer über 30 leiden unter kollektiven
    Realitätsverlust. Sie haben von Jugendkultur, den Freizeitbeschäftigungen nicht den Hauch einer Ahnung. Bei Amokläufern schaut man hin, aber schaut man auch einmal bei Otto-Normal-Jugendlicher? Hat der vielleicht die gleichen Spiele und Hobbies?

    SPON schreibt:
    ’noch am Abend vor der Tat das Computerspiel „Far Cry 2“ gespielt‘

    Wahnsinn. Was glauben die, was Jugendliche abends unter der Woche so machen? Bier saufen und Fußball glotzen? In die Kneipe gehen?

    Dass man als männlicher Jugendlicher Action-Filme, -Spiele und dergleichen cool findet, ist jawohl sowas von normal, es ist gerade zu spießig.

    SPON schreibt weiter:
    ‚Auch im Berufskolleg diskutierte Tims Klasse das Thema „Amoklauf in Erfurt“ und die neuen Waffengesetze. Dabei habe Tim sich mit den Vorschriften ausgekannt und gewusst, dass eine der Regeln sei, nicht auf Menschen zu zielen.“

    Nein, wirklich? Man schießt nicht auf Menschen? Das wusste der? Das lernt man doch gar nicht in der Schule. Da sieht man mal, die wahre Gefahr geht von den ganz Klugen aus. Das sieht man beim BUND und der Polizei irgendwie anders, aber die gelten ja auch nicht als sonderlich intelligent.

    SPON brilliert weiter:
    ‚Auf dem heimischen Computer des Mörders fanden die Fahnder auch etwa 200 Pornobilder, davon mehr als 120 sogenannte Bondage-Bilder, die nackte, gefesselte Frauen zeigen.‘

    Ganz eindeutig, der Typ muss Frauen verabscheuen. Einen Amokläufer erkennt man daran, dass er auf BDSM steht. Verbietet Seile und Taue!

    Der Hammer schlechthin ist, dass SPON immer noch das Märchen von der Ankündigung auf krautchan verbreitet.

  2. Spon ist derzeit echt der Hammer, aber Bildzeitung ist da auch nicht viel besser. Eigentlich keiner der „Qualitätsjournalisten“. Da sind viele Blogs besser recherchiert und bieten vor allem ein bessers Deutsch.

    Aber vielleicht kommt daher gerade das Bashen vieler „Qualitätsjournalisten“, so nach dem Motto:

    „Hm, das ist jetzt aber doof. Durch die Scheißblogs muss ich tatsächlich meine Arbeit mal vernünftig machen“

    Willkommen im 21. Jahrhundert.

  3. Alles Mumpitz! Schuld sind einzig und allein die Killerspiele. Unsere tolle Familienministerin wird das bestimmt irgendwann in den nächsten Wochen propagieren.
    Es liegt natürlich NICHT an seinem….ach ne, ich will mich schon wieder wiederholen.

    However, die Hexenjagd beginnt.

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