Viele Fragen….

Ich beobachte gerade die Berichterstattung um Jörg Tauss sehr genau. Und wenn ich mir die Berichte so durchlese, stellen sich mir viele Fragen. Und – nicht nur mir.

Wieso wusste die Presse, namentlich SpOn, so früh über die Hausdurchsuchung Bescheid? Die müssen das kurz nach Aufhebung des Immunitätsschutzes für Tauss gewusst haben. Wer waren die Informanten? Wieso haben die die Ermittlungsakten und können offenbar stellenweise wortgetreu daraus zitieren?

Reichen (nach den bisher bekannt gewordenen Informationen) die Beweise für eine Verurteilung aus?

Meiner Meinung nach nein, darum hält sich die Staatsanwaltschaft auch so bedeckt und betont, dass er sich auch durchaus als unschuldig erweisen kann. Was haben die denn schon in der Hand (natürlich immer vorausgesetzt, dass die Ermittlungsakten wirklich 1:1 in SpOn landen und gefiltert durch den Hetzfilter).

– eine offenbar kinderpornografische MMS. So what? Die Absender von MMS kann man ja na-tür-lich nicht faken. Genausowenig wie man Absendeadressen von Emails spoofen kann.

– eine SMS mit dem Inhalt „geil“ an das Handy des Hauptbeschuldigten. Angeblich von einem Handy, dass Tauss zugeordnet werden kann. Klar. Man kann das ja auch nicht manipulieren. Auch nicht bei Prepaid-Handys.

– eine DVD mit kinderpornografischem Inhalt, die Jörg Tauss zugeschickt wurde. Nochmal: so what? Was kann er für den Schrott, der ihm gegebenenfalls unverlangt zugeschickt wird?

Wenn das wirklich alles ist an Beweisen und wenn DAS ausreichen soll für eine Verurteilung, dann wird Zeit sich ein anderes Land zu suchen. Einen richtigen Rechtsstaat. Nigeria z.b. oder auch Nordkorea. China wär auch eine Lösung…

Meiner Meinung nach sehen wir gerade live und in Farbe, wie sich ein handfester politischer Skandal abspielt wo die Beteiligten jede Hemmung verloren haben. Es ist ja auch durchaus möglich, dass es gezielt aus der Szene lanciert wurde, um dem unliebsamen Kerl eins auszuwischen – und die Politik, die den Querdenker loswerden will, ist dankbar auf den Zug aufgesprungen.

Hinzu kommt seine Vita. Tauss hat sich immer für die Belange der Kinder eingesetzt. Für bessere Ermittlungsmethoden, um den Sumpf der Kinderpornografie endlich auszutrocknen und nicht nur ein Mäntelchen namens Sperrliste drüberzuhängen.

Ausgerechnet dieser Mann soll jetzt die, die ihm am Herzen liegen, missbraucht haben? Jede Erfahrung, die ich gemacht habe, sagt nein. Ich kann mich natürlich täuschen und es wäre nicht das erste mal, aber mein Bauch sagt: Das kommt immer noch alles zu passend.

Und was sieht man in der Presse? Alle stürzen sich wie die Aasgeier auf das vermeintliche Futter Jörg Tauss. Keiner (mit Ausnahme von Telepolis vielleicht) hinterfragt mal das eigentliche Ziel der Ermittlungen.

Das ist der eigentliche Skandal bei der Sache. Dass die Presse, deren Aufgabe es wäre, solche Sachen aufzuklären, gepflegt in vorauseilendem Gehorsam die Fresse hält und schön auf Tauss rumhackt. Hauptsache, man hat eine Schlagzeile und kann jemanden fertigmachen.

Bin ich die einzige, die sich den alten Spiegel zurückwünscht? Den gedruckten. Das linke Kampfblatt, dass einst sogar Franz-Josef Strauss das Fürchten lehrte, dass die Vorgänge um die Neue Heimat anprangerte. Unter einem Rudolf Augstein hätte sich SpOn eine derartige, Bildzeitungshetzjagd nicht getraut. Und wenn doch, dann wären die zuständigen Chefredakteure achtkantig geflogen. Der Fusstritt hätte noch Jahre später geschmerzt.

Wie gesagt, es mag sein, dass ich mich irre. Es mag sein, dass ich mich in Herrn Tauss täusche, dass er wirklich der Schurke mit Biedermanngesicht ist. Aber ehrlich – ich glaubs nicht.

Ich mein, das Argument „Siehste, der stärkste Kritiker an Kinderpornosperren ist selbst KiPo-Konsument, der wollte doch nur seine Quellen offenhalten“ liegt jetzt zu nahe. Und es befördert sämtliche Kritiker, die auch aus guten Gründen gegen die Liste sind, in die Nähe von Pädophilen, die nur ihr „Hobby“ schützen wollen.

Die eigentlichen Gründe – dass die Sperre nur zu Zensurzwecken und als Deckmäntelchen taugt, jedoch als wirksames Mittel zur Bekämpfung von dem Dreck völlig untauglich ist, DER Grund wird jetzt leider völlig in den Hintergrund treten.

Und traue ich einer von der Leyen zu, so intrigant zu sein, dass sie genau das Szenario für sich nutzen würde?

Ja. Uneingeschränkt.

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4 thoughts on “Viele Fragen….

  1. Das werten von Daten als Beweis halte ich sowiso für problematisch, man kann die zu einfach manipulieren.
    Auffällig ist aber, jeder redet von Sperrlisten, aber keiner davon, das wenn ich eine Sperrliste hab, ja wohl auch die Server kenne.
    Warum geht keiner gegen die vor?

  2. Wenn ich das richtig sehe, gehts um eine Domainsperrung, da ist das mit den Servern wohl nicht so ganz einfach.

    Fakt ist, der CCC hat herausgefunden, das viele Server in Deutschland stehen – damit konfrontiert ist Frau von der Leyen auch nicht mehr soviel eingefallen – außer dass sie das dazugehörige Gutachten „unterirdisch“ nannte. Die Frau hat keine Ahnung aber eine große Klappe, gefällt mir bei keinem, bei Politikern wirds gefährlich.

  3. Früher musste man den Heise-Newsticker lesen, um Informationen zu politischen Vorgängen zu erhalten, die einen Tauss beschäftigten. Erstaunlicher als die Nachricht selbst fand ich, wie schnell und breit sich diese verbreitete. Sogar die lokale Tageszeitung widmete Tauss plötzlich eine große Spalte auf den ersten Seiten mit seinem Foto . Ich glaube, die Mannichl-Story war der große Dammbruch. Die Massenmedien stürzen sich nur noch effekthascherisch auf Themen, recherchiert wird nichts, Beamten glaubt man alles, zwischen Hörensagen und Fakten wird nicht unterschieden. Nach ein paar Tagen bis Wochen Stille-Post-Spiel und Wiederkäuerei löst sich das Thema dann in Luft auf. Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Medien sind sicher nicht zentral gleichgeschaltet, aber sie betreiben nur noch Gleichmacherei, schreiben voneinander ab oder reichen einfach nur Agenturmeldungen durch. Journalismus, der diese Bezeichnung verdient, ist bei den großen Medienanstalten längst tot. Die Gründe dafür sind sicherlich sehr komplex: Abhängigkeit von Werbung, knappe Budgets, anspruchslose Konsumenten.und Journalisten, die sich dem anpassen. Das ganze verhält sich dann zudem wie eine Abwärtsspirale.

  4. Tja, Problem ist nur: Da hat wohl offensichtlich jeman die Ermittlungsakten an die Presse gegeben. Und dann wirds böse. Sehr böse sogar.

    Das macht man nur, wenn man jemanden vernichten will. Gerade bei so einem Vorwurf.

    Das die Staatsanwaltschaft davon überrascht wurde können die ihrer Großmutter erzählen.

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