Beurteilungen

Eins der Folterinstrumente in der Beamtenlaufbahn ist die sogenannte Regelbeurteilung. Sie ist ein Folterinstrument sowohl für den Beurteilten als auch den Beurteiler.

An sich ist das ja gar nicht mal schlecht und sollte durchaus auch für die Kollegen Angestellten eingeführt werden. Solche Beurteilungen, wenn sie denn fair durchgeführt werden, sind dann durchaus in der Lage, mal die Diskrepanzen zwischen Selbstbewertung und der Bewertung durch andere aufzuzeigen und mal zu gucken, woran das vielleicht liegt.

Nun hab ich ja nu mal ein Sachgebiet, dass grundsätzlich erstmal an der Stelle, wo es ist, völlig verkehrt ist. Ich bin in der Schulverwaltung angesiedelt. Und mach EDV. Das ist ungefähr so, als würde man einen Fischhändler in die Bäckerei stellen und sagen „nun verkauf mal die Würstchen“.

Aber die Situation ist nun mal die, die sie ist und wir müssen irgendwie alle damit leben.
Problematisch wirds dann halt nur, wenns an die Beurteilungen geht. Denn da muss meine Arbeit bewertet werden, die hier keiner nachvollziehen kann. Oder auch nur annähernd verstehen.

Und entsprechend gibts dann reichlich Konfliktpotenzial.

Beispiel: Weiterbildungsbereitschaft.
Ich hatte gestern meine liebe Mühe, meinen Beurteiler davon zu informieren, dass die ich NICHT irgendwie Freizeitlesend in meinem Büro sitze, sondern dass die Lektüre wie C’T, diverse Fachbücher etc. durchaus in den Bereich „Weiterbildung“ fällt. Er dagegen hat meine Weigerung, an angebotenen Seminaren wie „Umgang mit Vorgesetzten“ oder „Rückenschule“ oder „EDV-Anwendungen für den Verwaltungsbereich, Beispiel Standesamt“ mitzumachen und dafür das Geld meines Arbeitgebers zum Fenster rauszuwerfen, als mangelnde Weiterbildungsbereitschaft gedeutet. Mein Hinweis darauf, dass die Seminare nicht fachbezogen sind beantwortete er mit dem Hervorzaubern des Seminarangebots unseres Haus- und Hofseminaristen und er meinte dann:

„Ach ne? Hier sind 20 Seminare im EDV-Bereich. Die sind alle nix für dich? Das kannste mir doch nicht erzählen.“

Ja neee, is klar. Nur um eine wie auch immer geartete Weiterbildungsbereitschaft zu zeigen, werde ich sicher nicht als Netzwerker ein HTML-/PHP-/MySQL-Seminar belegen. Ich werde auch nicht Office für Anfänger machen. Oder Windows für Neu- und Seiteneinsteiger. Die Qualität der Seminare waren alle auf dem Niveau.

Heftigste Diskussionen zu diesem Punkt. Doch so ging es weiter.

Irgendwann kam das Kracherargument schlechthin:
„Die Kollegin XY macht in ihrem Sachgebiet Laufkundschaft, Auszahlungen, sie verwaltet die Honorare der freien Mitarbeiter, sie macht das Projekt und die Sache und ist häufig genug noch bis 19 Uhr da, weil sie so viel zu tun hat. Dein Sachgebiet ist nun mal nicht so vielseitig, da gibt das nicht soviel her. Da kann ich dich nicht so hoch bewerten wie sie“

Ich hab da gesessen und gedacht, ich spinne. Und dann losgelegt:

„Scheffchen, ich plane die Netzwerke, ich plane die Hardwarebeschaffungen mehrere Jahre im Voraus. Das unter den erschwerten Bedingungen, nicht vergabebefugt zu sein, noch nicht mal für 500 Euro. Ich muss für jede verschissene Unterschrift von Pontius nach Pilatus rennen. NICHTS kann ich selbst unterschreiben. Ich führe die geplanten Beschaffungen durch. Ich führe die Planungen allgemein durch und Konzeptioniere nebenbei die schulische EDV-Landschaft für die nächsten Jahre.

Und du sagst mir allen ernstes, dass ist nicht so vielseitig wie das was die Kollegin xy macht??? Sorry, wenn DAS dein letztes Wort ist, rechne damit, dass ich eine andere Beurteilung einklage. So gehts nicht.“

Daraufhin kam der Tiefschlag:
„Ich muss auch deine Fehlzeiten berücksichtigen. Die sind nun mal sehr hoch. Vergiss nicht, alleine Anfang des Jahres warst du 3 Monate weg“

Ja, Chef. War ich. Wegen Burn-Out. Der nicht richtig behandelt wurde, weil du mich mit der Drohung „entweder du kommst wieder oder ich lass dich versetzen“ aus dem Krankenstand geholt hast.
Ich war suizidgefährdet und das für mehrere Monate.

Danke Chef. Und mögen 1000 Kamelflöhe dein Arschloch heimsuchen.

Aber ich werde ganz sicher diese Beurteilung nicht unterschreiben, wenn sie nicht ein bestimmtes Ergebnis hat.

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