beiläufige Schwulendiskriminierung

Über einen guten Kumpel bin ich auf eine Sache gestoßen, die mich bislang eher nicht betroffen hat.
Er ist schwul. Kommt heute halt häufiger mal vor, und ist an sich nichts schlimmes. Problem: Er ist das in Österreich, und das Rote Kreuz hat nun mal eigene Ansichten von „Schwulsein“ und was sich gehört und was nicht.

Er wollte Blut spenden. Und musste dann vor Ort und versammelter Mannschaft von der diensthabenden Krankenschwester erfahren: „Jung, du bist Schwul, du darfst nie wieder spenden“.

Begründet wird das damit, dass Schwule ein erhöhtes AIDS-Risiko haben.

Ah ja.

Wer darf noch nicht spenden?

Frauen die betrogen wurden: 1 Jahr. Ein Mann, der seine Freundin betrogen hat: 6 Monate. Z.b. in Afrika wechselnde Sexualkontakte: 1 Jahr. Ein Mann, der eine neue Freundin hat: 6 Monate.

Soweit, so nachvollziehbar, es setzt aber auf die Ehrlichkeit der Leute, dass die wirklich in dem Fragebogen ankreuzen „gepoppt in Thailand bei Nutten“.
Immerhin könnten sich die Leute angesteckt haben. Nur: Schwule sind grundsätzlich auf Lebenszeit vom Blutspenden ausgeschlossen. Weil sie einer erhöhten Risikogruppe angehören, so die offizielle Lesart.

Das schließt Schwule, die in einer jahrelangen festen Beziehung leben ebenso aus wie einen schwulen Callboy, es wirft also Dinge in einen Topf, die nicht zusammengehören.

Man kann da nicht mit der Gießkanne drübergehen und sagen „der ist schwul, der hat AIDS“. Zumal es die aktuellen Ansteckungszahlen völlig verleugnet. Die sind bei Schwulen konstant rückläufig, bei Heterosexuellen aber steigend.

Warum?
Naja, Stichwort Touristenprostitution. Es scheint z.b. immer mehr Menschen zu geben, die es toll finden, im Urlaub ordentlich einen draufzumachen und sich dann wundern wenn sie was mitschleppen. Die zuhause gelassenen Ehepartner stecken sich dann ahnungslos an. Das ist in der Tat geschlechtsunabhängig, der weibliche Kegelverein ist da genauso von betroffen wie die männliche Sauftour durch Mallorca.

Liebes Rotes Kreuz: Die Blutspende wird durchaus zu Recht als aktive Nächstenliebe von euch propagiert.
Die Blutspende rettet Leben, wenn jemand verletzt ist, wenn jemand krank ist und eine Operation benötigt und nicht mehr die Zeit für Eigenblutspenden hat.

Diese aktive Nächstenliebe zu zeigen verweigert ihr einer ganzen Bevölkerungsgruppe rein aus moralischen Gründen.
Ihr glaubt, dass Heterosexuelle euch an einem Fragebogen ankreuzen, wenn sie im Urlaub bei Prostituierten waren, damit ihr sie rechtmäßig ablehnen könnt. Aber gleichzeitig belegt ihr Schwule, die ehrlich antworten, DASS sie schwul sind, mit einem lebenslangen Spendenverbot.

Kommt nur mir das völlig bescheuert vor?

Übrigens gilt das für Österreich und Deutschland allgemein.

Quelle

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