Datenkrake Google

Da ist er nun – Chrome, der Google-Browser. Ich habe ihn zugegebenermaßen nicht selbst getestet, vertraue aber darauf, wenn Will sagt, dass er fluffig, schnell und schlank ist, dass er genau das ist.

Aber die Berichte mehren sich, dass er sehr viel mehr als das ist. Exemplarisch hat mal Heise den Browser auseinandergenommen und einige Merkwürdigkeiten festgestellt:

So installiert sich Chrome in einen Bereich, wo normalerweise Daten aufgehoben werden. Zusammen mit der einzigartigen ID von Chrome erlaubt dies eine exakte Zuordnung des Surfverhaltens nach IP UND Benutzer. D.h. wenn der Browser nach Hause sendet, sendet er IP-Adresse, Benutzerkonto, Browser-ID und die Surfdaten nach Google. Damit ist eine minutiöse Verfolgung des Surfverhaltens jedes einzelnen möglich.

Ich kenne das eigentlich nur von Progrämmchen, die man Spyware schimpft. Was will Google mit diesen Daten? Die wachsweiche Erklärung des Google-Sprechers („Natürlich wollen wir nicht spionieren“) ist da auch nicht beruhigender.

Thema Cookies:
Chrome setzt nicht nur Cookies, wenn man Google selbst aufruft (das kennt man ja schon und man putzt danach immer gehörig durch), sondern auch welche, wenn man z.b. die Funktion nutzt, Chrome nach der Seite, die die 404-Fehlermeldung produziert hat, suchen zu lassen.

Beispiel: Man vertippt sich bei einer Seite, es kommt eine 404-Fehlermeldung, der Browser bietet an, nach Alternativen zu suchen, klickt man jetzt auf „JA“, kassiert man einen Cookie.

Der permanente Austausch zur Aktualisierung der Phishingfilter-Datenbanken ist das gleiche bei allen Browsern, sie alle telefonieren nach Hause, um diese zu synchronisieren. Aber bei Google bekommt das durch die Verknüpfung von IP-Adresse, Benutzerkonto und ID noch eine etwas pikantere Dimension.

Google-Updater:
Mit dem Ding hatte ich schon öfter zu tun. Der ist wirklich eine Pest. Wenn man ihn deinstalliert, ist nicht gewährleistet, dass er auch wirklich deinstalliert hat. Oft wird er nur aus dem Systemsteuerungs-Punkt „Programme“ entfernt, bleibt aber tatsächlich erhalten, auch als aktiver Dienst und wird beim Autostart weiterhin mitgeladen.
Man muss das Ding manuell exorzieren, bevor man ihn wirklich raushat. Zum Kotzen das.

Warum das Verfolgen der Surfdaten so böse ist? Schließlich hat doch keiner was zu verbergen?

Nunja, das vielleicht nicht, aber trotzdem möchte ich nicht, dass Google jederzeit weiß, wann ich wohin surfe und auf welche Seiten. Weil es die Jungs schlichtweg nix anzugehen hat.
MEIN Surfverhalten. Pfoten weg.

Chrome bleibt draußen. Aus die Maus.

Send to Kindle
Soziales

Flattr this!

3 thoughts on “Datenkrake Google

  1. Bitte? Warum nimmst Du eigentlich nicht Deinen Lohn, und bringst 30% davon wieder zu Deinem Arbeitgeber? Oder verlangst eine Lohnkürzung? Offensichtlich arbeitest Du ja gerne umsonst. Oder sollen das nur Andere für Dich tun?
    Google macht viele geile Dinger:
    – Suchmaschine
    – (Imo) bester eMail-Service
    – Picasa
    – Newsreader
    – Google Docs

    Alle haben das schonmal versucht, aber Google fasst es an und es klappt und es wird ein sinniges und gutes Produkt!
    Und was kostet das, nach der beliebten Formulierung, nach dem derzeitigen Geschäftsmodell? Nichts! Zumindest kein Geld. Ich bezahle Google damit, dass mein Surfverhalten, der Inhalt meiner eMails und meines Browsings dafür genutzt wird, auf mich angepasste Werbung zu platzieren! Und dafür wird Google bezahlt.
    Das ist nicht böse. Das ist genial! Ich WILL diese Werbung! Es gibt soviel Schnulz im Netz, ich habe gar nicht die Zeit alle Angebote und Möglichkeiten zur Kenntnis zu nehmen. Wie oft hat Google schon geniale Links gebracht?! Das ist ungezählt und ständig.
    Und hör doch mit Deiner Panikmache auf, dass Google DEIN Surfverhalten nachvollziehen kann. Du machts einen Umkehrschluss, den es so nicht gibt! Sebst wenn Google Deine IP mit Dir als surfende Person in Verbindung bringen kann, haben sie maximal eine technische-Identität, bestehend aus IP-Adresse, Surf-Gewohnheiten und Vorlieben. Dieses ist noch weit davon entfernt, mit der Identität der Person Tante.J, irgendwo in D-Land konform zu gehen. Dafür braucht man mehr.
    Du heizt bei „Nichttechniker“ die Angst vorm Spanner an, dem Nachbarn, der Person die man kennt, die Einen beobachtet und daraus Schlüsse auf Charakter und Leben zieht, weil sie sich das nur so vorstellen können. Das ist Unsinn. Die Google-Server machen im Moment was bei 1 PETABYTE Daten alle 70 Minuten. Was gleubst Du, wer Deine technische Identität wahr nimmt und auch noch versucht diese mit deiner persönlichen Identität überein zu bringen? Ich kann Dir das klar beantworten: NIEMAND.
    Google Chrome ist genial, schnell und knuffig und hat ein paar gute Dinger drin. Das hat auch die Konkurrenz. Ich nehme den Browser, der für das anliegende Surfen gebraucht wird, auch gerne IE neben Chrome und Feuerfox mit ein paar nötigen Extensions.

    Sorry aber Dein Posting ist halbseidene Panikmache, die Angst vor dem großen Bruder mit ein paar technischen Details verbindend, die es imo so nicht gibt.

    Keep it safe, keep it simple, keep it private and pay for it!

  2. Ich hab jetzt lange überlegt, was ich antworten soll. Gut, legen wir dann mal los.

    Du sagst, es gibt soviel Mist im Web, da WILL man Werbung, damit man das unnütze Zeug rausfiltern kann.
    Es gibt ein Stichwort, dass vielgerühmt und inzwischen auch ein wenig ausgelutscht ist: Medienkompetenz. Damit gehe ich jeden Tag um, dass immer weniger Leute das NICHT haben. Zur Medienkompetenz gehört auch, Informationen, die von Interesse sind, zu filtern, Suchmaschinen (es gibt mehr als Google) zu kennen und zu filtern.

    Es ist richtig, das Internet ist ein Moloch geworden. Und es ist eine der wichtigsten Aufgaben, sich in diesem Moloch zurechtzufinden und die Wegweiser zu nutzen.

    Google ist auf diesem Weg aber Monopolist. Chrome und die Google-Adds zeigen dir nur die Seiten an, die Google für gut befunden hat. Gut im Sinne von „füttert mich“.

    Seiten, die zu deinem Thema gehören und die auch interessant sind, auf die surfst du nicht, weil du sie nicht kennst und google dir auch nicht anbietet sie zu finden.

    Das ganze kann man beliebig weiterführen, denn dir fehlen die Alternativen.

    Beispiel Wahlwerbung. Google blendet dir die Werbung ein, die am meisten zahlt. Das werden in der Regel die großen Parteien sein. Oder sagen wir, eine rechtsradikale Partei bekommt auf einmal einen Geldsegen und investiert viel Geld in eine „neutral“ gehaltene Webseite mit „Informationen“ und platziert die bei Google-Ads ganz oben. Auf die Art manipulierst du Meinungen.

    Das wird umso gefährlicher, als dass es sich bei Google inzwischne um einen Quasi-Monopolisten handelt. Google kann Nachrichten unterdrücken, wenn sie ihnen nicht in den Kram passen. Wenn sich jemand ausschliesslich auf Google verläßt (und wer Google komplett nutzt tut das weitgehend), bekommt er nur noch die Infos, die Google für diese Person für wichtig hält.

    Das ist nicht genial, das ist Entmündigung. Und genau das versuchen die Jungs.

    Zudem fordern sie vom Nutzer eine Transparenz, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Google ist eine der verschlossensten Firmen die es gibt. Du erfährst weder, wieviel Mitarbeiter sie haben, noch wo die einzelnen Firmensitze sind, noch erfährst du Details aus der Firmenstruktur. Warum nicht? Google veröffentlicht über sich selbst nur das absolut notwendigste, wonach sie gesetzlich verpflichtet sind. Und zwar nach amerikanischem Recht.

    Was das Nachvollziehen angeht: Ein derartiger Datenhaufen, den Google ansammelt, weckt Begehrlichkeiten. Es hat in der Vergangenheit bereits Versuche der Homeland Security gegeben, auf diese Datenhalden zuzugreifen. Diese gezielt zu scannen, damit sie „Terroristen“ ausmachen können – oder was immer diese paranoide Behörde davon hält.

    Das wird zunehmen, und sobald die Behörden damit durchkommen, wirds in der Tat gefährlich.

    Wer sagt denn, dass du dich mit deinem Surfverhalten nicht verdächtig machst? Und wenn du dich verdächtig machst, „lass doch mal gucken, welcher Anschluss hatte denn dann und dann die IP. Ah, Will wars. OK, lass mal gucken, ob er Terrorist oder nicht wenigstens Kinderpornobesitzer ist“

    Und schwupps hast du ne Hausdurchsuchung. SO weit hergeholt ist das auch nicht. Frag mal bei Andrej Holm nach, wie schnell sowas gehen kann. Da reicht u.U. eine Veröffentlichung, die in Google gelistet ist und vage Übereinstimmungen mit einem Bekennerbrief zeigt. Und schwupps bist du Terrorist.

    Und eins noch:
    Derzeit kehrt sich das Verhältnis um: Nicht mehr der Beobachtete ist anonym, sondern der Beobachter, z.b. Seitentracker. Das ist Voyeurismus für Werbezwecke.

    Das will man nicht, wenn man mal drüber nachdenkt.

    Und – der nächste Schritt ist ja schon in Arbeit. Phorm.

    http://www.golem.de/0803/58299.html

    Das ist der Google-Alptraum potenziert.

  3. Aha. Medienkompetenz. Da wird einem ja schlecht, bei diesem Totschlagargument.

    Nenn mir nur EIN Medium, dass nicht auf die Art und Inhalte der präsentierten Werbung Einfluss nimmt, nach der Devise: Mehr Cash, bessere Platzierung.
    Medienkomptenz bedeutet das zu erkennen und mehrere Medien zu nutzen, um aus dem Konglomerat Meinung zu bilden.

    Deine Rückschlüsse, dass die Google-Macher auf Entmündigung aus sind ist bestenfalls Polemik, wenn nicht noch schlimmer. Google IST ein börsenotiertes Unternehmen, kein Heilsbringer! Auch wenn ich mich wiederhole: Warum nutzen so viele Menschen Google? Weil sie geniale Produkte für lau machen.

    Dann die deutsche Angst vor Monopolisten, was Google bei weitem nicht ist, ein Monopolist. Hat ein Produkt wirklich durchschlagenden Erfolg, weil es angenommen wird, kommt dann immer die Hacke a la „die wollen die Weltherrschaft!“. So war/ist es bei Microsoft, so war es auch lange bei z.B. Yahoo, vor Google. Das Los der Besten – der Neid des Restes.

    Du schreibst sie nutzen eine Transparenz die sie nicht bereit sind selber zu liefern. Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Die Marktaufstellung eines Unternehmens wie Google kann man nicht mit Datenströmen vergleichen, die über die Datennetze dieses Unternehmens geleitet werden, und AUTOMATISIERT verarbeitet werden.

    Zugriff auf diese Daten haben die Behörden, zumindest die Geheimdienste, mit Schnittstellen zu SÄMTLICHEN TELCO Providern schon lange. Dein Beispiel ist ein Extrem, das Du im BILD-Stil benutzt um die Schlagzeile zu erzeugen „Das kann auch Dir passieren“.
    Natürlich kann ich mit meinem Surfverhalten verdächtig machen, wenn ich mich auf Kinderponoseiten, Anleitungen für Sprengstoffbau oder verfassungsfeindlicher Organisationen rum treibe. Und ich hoffe, dass das auch jemandem auffällt und Strafverfolgung einleitet!
    Es braucht Mechanismen, möglichst wenige bis keine False Positves zu erzeugen!

    Es wird Zeit, dass die Menschen lernen, dass das Internet kein Ort ist, an dem sie sich verstecken können und sollen, das es ein rechtsfreier Raum ist.
    Es muss nicht jeder bei jedem Posting wissen, dass das Tante.J aus XYZ ist, aber über juristische Mittel MUSS es zu ermitteln sein.

    Die Menschen müssen endlich verstehen, dass das Internet eigentlich der Wochmarkt zur Wahlzeit in einer großen Stadt ist. Das sie sich wahrnehmbar in einem öffentlichen Raum bewegen, mit Händlern, Käufern, Nachbarn, Fremden, Polizisten, Plakaten, Taschendieben und Trickbetrügern.

    Leider vergessen sie das immer, wenn sie die Hand im Höschen vor http://www.nimmmich.sex in ihrem Wohnzimmer sitzen.

bestellt folgenden Kaffee