Die Zeit der Buchhalter

es ist soweit, das Zeitalter der Buchhalter hat endgültig begonnen. Es wird ja permanent nach Sparpotenzial gesucht.

Und der Buchhalter im öffentlichen Dienst hat dann etwas erfunden, dass nennt sich Kennzahlenvergleiche.

Da werden bestimmte Daten nach einem Muster erhoben und mit den Kennzahlen anderer Kommunen verglichen. Ist man in den Kennzahlen „zu hoch“ muss man was tun. Natürlich muss man das aber nicht, wenn das bedeuten würde, mehr Geld auszugeben, z.b. wenn man feststellt, dass die Zahl der ausländischen Schulabbrecher überdurchschnittlich hoch ist.

Aber man muss auf jeden Fall etwas tun, wenn eine Kennzahl bei den Ausgaben zu hoch ist.
Aktuell kann man sich das so vorstellen:

Stadt A gibt für die Wartung von EDV 20.000 Euro im Jahr aus. Stadt B allerdings 50.000. Stadt C 30.000.

Durchschnitt wäre demnach 33.333 Euro. Das heißt, Stadt B liegt weiiiiit über dem Durchschnitt und muss demnach jetzt 17.000 Euro (man rundet da gerne) einsparen.

Nun wird da aber nicht mit berücksichtigt, wie viel PCs in der Wartung stecken. Stadt A kann sich die 20.000 Euro gut leisten, deren EDV ist lang nicht so weit entwickelt wie die von Stadt B und Stadt C hinkt auch hinterher.

Aber das zählt nicht. Das sind reine Summenspiele: „Stadt A gibt viel weniger aus, kürzt den Ansatz mal auf den von Stadt A.“
Die Qualität leidet ganz erheblich darunter, weil Stadt B halt nicht mehr in der Lage ist, den EDV-Level zu halten. Tja und dann kommt das gejaule über die unfähige EDV-Abteilung, die NIX mehr auf die Kette bekommt.

Das gleiche Spielchen bei Musikschulen. Musikschulen sind ja eine freiwillige Leistung bei den Städten und werden kontinuierlich runtergefahren. Nur blöderweise hat das Land jetzt ein Programm aufgelegt: Jeki. Jedem Kind ein Instrument. Eigentlich keine ganz blöde Idee, wenn ich mir die Charts so angucke. Da könnte manche Ohrenfolter vermieden werden.

Im Gegenteil, die Idee ist sogar ausgesprochen gut. Nur die Umsetzung mal wieder unter aller Kanone: Den Kommunen werden Verträge ohne Rechtssicherheit auferlegt. Das Land kann die Zuschüsse für Jeki jederzeit streichen, ohne Angabe von Gründen. Nur: Läuft das Projekt mal so wie es soll und alle Grundschüler werden an Instrumenten unterrichtet, kann eine Kommune da nicht mehr aussteigen.

Konkret sieht es so aus, dass in diesem Jahr die Musikschule alle Erstklässler betreut. Im nächsten Jahr die zweiten Klassen und die Erstklässler. Dann die dritten Klassen, zweiten Klassen und Erstklässler. Und im vierten Jahr dann alle Grundschüler komplett.

Die Finanzierung dieser Aufgabe, die das Land vorgelegt hat, obliegt einzig und allein dem Schulträger, also der Kommune. Das Land gibt Zuschüsse, die allerdings nicht kostendeckend sind.

Nehmen wir jetzt mal eine Kommune im Bereich Haushaltssicherung und einen Schritt vor Pleite = einen Schritt vor Sparkommissar. Die soll jetzt Jeki umsetzen. Gleichzeitig aber auch geschmeidige 150.000 Euro jährlich einsparen. Und dann neben Jeki noch den regulären Musikunterricht aufrechterhalten.

Das ganze mit 2 Vollzeitkräften im Unterricht und einer Vollzeitkraft in der Verwaltung.

Nicht machbar. Interessiert aber nicht, die Kennzahlen sagen, dass das Einsparpotenzial drin ist, also einsparen.

Die Kennzahlen berücksichtigen aber nicht Jeki. Das wurde dem zuständigen Prüfer vom Landes(!)rechnungshof auch gesagt, aber die Reaktion war klasse: „Mir egal, was die anderen Behörden euch auferlegen. Die Kennzahlen sagen, ihr könnt einsparen, also tut das. Wie ihr das aufrechterhaltet ist euer Problem“

Das war ein fast originalgetreues Zitat.

Fällt es eigentlich unter Mord, wenn man so einen Vollidioten umfährt?

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Soziales

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2 thoughts on “Die Zeit der Buchhalter

  1. Das ist der Vorteil bei privaten Arbeitgebern/Auftragnehmer. Man rechne einfach die Kosten eines Serverausfall je Stunde vor (i.d.R. 4 – 5 stellig).
    Ach ja, Acronis hat sich nach 3 Monaten amortisiert.

  2. Das interessiert keinen. Von Amortisation redet keiner, sondern es geht rein um Einsparungen. Die geben bestimmte Beträge zur Einsparung vor. Koste es, was es wolle.

    In ein paar Jahren stehen wir wegen diesen Vollpfosten vor einem gigantischen Trümmerhaufen. Denn mit den Beträgen, die die übrig lassen (Kommunen bekommen immer weniger Einnahmen aber immer mehr Aufgaben aufgedrückt, das kann nicht mehr funktionieren, vom Soli mal ganz abgesehen, der weiterhin nach Ostdeutschland fliesst. Wenn ich daran denke, dass die Kassenkredite von Kommunen in Sachsen oder Thüringen gegeben werden, weil die ihr Geld nicht verbraten können, könnte ich kotzen.)ist es nicht mehr möglich auch nur annährend eine Erhaltungswirtschaft zu betreiben.

    Man kann nicht sagen: Du hast Aufgaben, die 10.000 Euro kosten, aber ich geb dir nur 2.000, sieh zu wie du klarkommst. 🙁

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