Jugendkriminalität und 68er Romantik

Immer wieder erstaunlich, wie wenig ausgeprägt Textverständnis bei vielen Leuten ist.
Da schreibt man einen Text und muss sich hinterher fragen, ob man ihn in chinesisch geschrieben hat, da die Leute offenbar etwas völlig anderes daraus gemacht haben.

Jens Jessen ist so ein Opfer. Er hat – grob gesagt – nach dem Überfall der beiden jungen Leute ausländischer Herkunft auf den älteren Herrn in München – die gewagte Theorie aufgestellt, dass man die Beweggründe verstehen muss, die manche zu solchen Taten treiben, um vernünftig Prävention betreiben zu können.

Er hat aber NICHT geschrieben, dass die beiden Männer Opfer waren, denn das waren sie nicht. Er hat auch NICHTS davon geschrieben, dass er Verständnis für die Taten hat. Verstehen bedeutet nicht Verständnis.

Wie kann Prävention aussehen? Wenn jemand die Frage beantworten kann, hat er einen Oscar verdient, aber eins ist sicher: Jede Gewaltpräventionsmaßnahme hat eine Zielgruppe bzw. eine Zielperson. Eine Binsenweisheit aus der Werbung ist es, dass man die Zielgruppe kennen muss, um effektiv Werbung machen zu können. Genau die Mechanismen kommen in der Gewaltprävention auch zum Einsatz: Die Zielgruppe kennen um zu wissen, wann ein junger Mensch in Gefahr gerät, zum Gewalttäter zu werden. Und, soweit möglich, frühzeitig damit einsetzen.

Gut durchgeführte Gewaltprävention läßt sich nicht beziffern wie bei den Kosten für Strafgefangene. Gewaltprävention erspart den Staat viel mehr als Strafhaft. Und es erspart potentiellen Opfern unendlich viel Leid. Aber man kann nicht sagen, dass man in einem Jahr eine Zahl X an Gewalttaten verhindert hat, da die potentiellen Gewalttäter eben NICHT ausgerastet sind.

Wie oft ist es denn der Fall, dass Jugendlichen ein kompetenter Ansprechpartner fehlt? Dass die Jugendlichen sich mit ihrem 400-Worte-Wortschatz nicht adäquat ausdrücken können und zur Gewalt greifen, wenn sie sich unverstanden fühlen. Eine Präventionsmaßnahme für diese Jugendlichen könnte darin bestehen, ihren Wortschatz zu erweitern, sie konfliktfähig zu machen – und ihnen die Ansprechpartner zu bieten, die sie brauchen.

All das kostet Geld in Zeiten knapper Kassen. Aber es ist gut angelegtes Geld. Ich persönlich würde meine Steuergelder lieber dort angelegt sehen als in Strafhaft-Projekten, um Häftlinge wieder auf das freie Leben vorzubereiten. Ich würde lieber sehen, dass die Leute möglichst gar nicht erst in den Knast kommen, weil sie vorher aufgefangen werden.

Das gilt ja nicht nur für Gewalttäter, aber für die ganz besonders.

Und um zum Thema Verständnis zurückzukommen: Es wird immer wieder Täter geben, sog. Intensivtäter, die sich allen Hilfsangeboten entziehen. Sei es aus falschem Stolz, sei es aus falsch verstandener „Coolness“. Intensivtäter haben die Gewalt als probates Mittel entdeckt, ihre Konflikte zu lösen und sind meistens zu dämlich, um zu erkennen, dass sie ihre Probleme nur verschieben und vor allem verschlimmern. Meist sind sie noch zu doof, um überhaupt zu erkennen, dass sie Probleme haben.

Diese Art Täter kann man getrost wegschließen. Aber trotzdem ist es wichtig zu erkennen, wo der Täter den Leuten entglitten ist. Die wenigsten sind von Natur aus gewalttätig, weil zuviel Adrenalin. Die meisten haben eine Lebensgeschichte, die es zu durchleuchten gilt, um ähnlich gelagerte Fälle nach Möglichkeit zu verhindern. Es mag für diesen Menschen zu spät kommen, aber wenn die Präventionsmaßnahmen rechtzeitig gegriffen hätten wären im Grunde genommen 3 Menschen gerettet gewesen: Das Opfer, dass wohl nie wieder über diese Geschichte hinweg kommen wird, in dem Alter vergisst man so etwas nicht – vor allem nicht die absolute Hilflosigkeit, nach dem Motto „Wär ich 20 Jahre jünger gewesen, hätten die das nicht gemacht“,

und die beiden Täter, die ihr Leben nicht mit so einer unendlich dummen Sache versaut hätten.

Das ist kein Mitleid, aber Verstehen bedeutet halt nicht Verständnis, auch wenn es häufig gleichgesetzt wird. Verstehen bedeutet aber oft genug: Verhindern, dass es noch einmal vorkommt.

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Soziales

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7 thoughts on “Jugendkriminalität und 68er Romantik

  1. ey du!!! Du sagen ich doff?????
    Isch hau dir eins rein!!!!!!!!!!!!!!!!

    Natürlich ist Verstehen kein Verständnis. Aber bei allem Verstehen muss auch IMMER im Hintergrund bleiben das Gerechtigkeit ein kleines bisschen was mit RACHE zu tun haben muss!

    Mal als Tipp: http://www.weisser-ring.de/

    Und hör mir bitte mit dieser fehlenden "Ansprechpartner" also keine Prävention-Masche auf. Diese Typen die den Rentner da zusammen geschlagen haben, hätten einen solchen nie gebraucht, denn Sie sind totale Sozialversager. Kein Zuhause, keine Kultur, keine Heimat, kein Job keine Zukunft.

    Für diese Typus hilft nur eine Prävention: Androhung des maximalen staatlichen Gewaltmonopols! Ein fehlender Ansprechpartner oder Sozialpädagoge kann ja wohl nicht die Begründung dafür sein, dass ich SOLANGE auf jemanden einprügel, bis der blutüberströmt ist und sich gar nicht mehr rührt, es sei denn ich trete nochmal zu!

    Agressionsabbau?
    Gewaltprävention?

    Ich sage Knast & Boot-Camp.

  2. Du hast es auch nicht richtig gelesen 🙂

    Ich rede ja nicht von denen, die straffällig wurden. Das die ihre Strafe bekommen sollen, stand nie zur Debatte. Aber was ist mit den Kids, die wackeln? Die wenig Perspektiven haben, zu Hause Gewalt vorgelebt bekommen? Da ist Prävantion die einzig richtige Maßnahme, damit die gar nicht erst straffällig werden. Z.b. indem man ihnen Ansprechpartner bietet, indem man ihnen Alternativen aufzeigt, ihnen Wege aufzeigt, die nicht in lebenslang Hartz IV führen.

    Was das Verstehen angeht: Du kannst diese Präventiivmaßnahmen weiterentwickeln, indem du z.b. verstehst, warum ein Straftäter zum Intensivtäter wird. Das hilft nicht demjenigen, der durchs Raster gefallen ist, er hat die Zivilisation hinter sich gelassen und lieber den Urmenschen rausgeholt und wird dafür bestraft. Aber vielleicht kann man verhindern, dass andere genauso werden.

    Um es mal klar zu sagen: Bootcamps helfen keinem einzigen, wieder „normal“ zu werden oder sich in die Gesellschaft einzufügen. Bootcamps dienen dem systematischen Brechen eines Menschen. Dort wird mit System gedemütigt und ganz sicher erfährt dort keiner, das Respekt verdient werden muss.

    Und die Bilanz von Bootcamps ist katastrophal, was die Rückfälle angeht, die Kinder kommen dort schlimmer traumatisiert heraus als rein.

    Ist ja auch super, ein Kind, das von seinem Eltern tagtäglich verdroschen und gedemütigt wird, bis es austickt, wird in einem Bootcamp ganz sicher nicht lernen, sich selbst und die Umwelt zu respektieren. Und genau diese Kinder landen nämlich da.

    Nä, bleib mir weg mit diesen Mistdingern, die braucht mal echt kein Mensch, die sind auch mit Rechtsstaat nicht zu vereinbaren.

    Wichtiger: Kindern die Möglichkeit geben, sich auszutoben. Und jeden zu gemeinnützigen Arbeiten verdonnern, der sich SO benimmt.
    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2008/08/25/jugendtaterkartei/

    Wie krank ist denn das bitteschön?

  3. Achwas, wackeln.

    Wir brauchen frühe staatliche Kontrolle der Kinder. Frühe Erkennung von Defiziten im Elternhaus
    und in der Entwicklung. Gerede von Straftätern & Intensivtätern. Beamtendeutsch.

    Es gibt in einer Gemeinschaft Regeln & Normen. Es kann früh erkannt werden, ob diese Regeln & Normen akzeptiert, gedehnt oder gebrochen werden.

    Dafür muss Geld her. Es müssen Angebote geschaffen werden, in denen sich die Kinder und Jugendlichen bewegen können und wollen und in welcher sie unter Aufsicht Teile der Gesellschaft werden können.

    2008 sind an Entwicklungshilfe 3,4 Milliarden Euro geplant. Dazu gehen nochmal ca. 5 Milliarden für irgendwelchen Scheiß in die Welt.

    http://www.bundesfinanzministerium.de/bundeshaushalt2007/pdf/vorsp/fpl2006-2010.pdf

    Das Geld gehört nach Berlin-Marzahn, Hamburg-Steilshop und wie die Stadtetile nicht alle heißen. Und wenn DANN etwas übrig bleibt, können wir anfangen zu verteilen.

    Es fehlen Bürger die den Arsch in der Hose haben, sich gegen die Verwaltung und den Politik-Adel in BREITER Front zu wehren und sich zu engagieren.

    Wie können Kinder lernen verantworlich zu sein, wenn jeder Ihnen das Arschloch-Gehabe vorlebt? Jeder der ein Auto hat weiß was ich meine: Ach da hab ich gegen gehaun? Da bin gegen geditscht? Nur weg…

    Wir brauchen Verantwortlichkeit! In der Politik. In der Gesellschaft. Im eigenen Heim.

    Hätten die beknackten unterbelichteten Braunen die Metapher nicht ruiniert, würde ich jetzt "Deutschland erwache!" zum Abschluss schreiben.

  4. Hast ja weitgehend recht. Bis auf einige Punkte.

    8 Mrd. nach Marzahn etc. für Projekte? Vergiss es. Das würde dann von irgendwelchen Sozialromantikern für Erlebnisfahrten rausgehauen werden. Da müssen vorher gescheite Konzepte her, da muss vorher genau gesagt werden, wofür man das braucht. Und zwar nicht für Erlebnisfahrten frühreifer, krimineller Kids in den australischen Busch sondern für gezielte Projekte, die Kinder und Jugendlichen von der Straße zu holen. Plätze zu bieten, wo sie bleiben können, sich auch ausleben, aber wo Regeln herrschen. Kein regelloses Sozialpädagogen-Refugium. Was die Spezies in Deutschland angerichtet hat…ich seh es jeden Tag.

    Aber wenn du von jetzt auf gleich 8 Mrd. in diese Stadtteile ballerst, ist das zuviel und vor allem versickert das ganze dann in Kanäle und kommt nicht da an, wo es gebraucht wird. Die wären mit dem Geldsegen schlichtweg überfordert.

    Und du kannst auch die Entwicklungshilfe nicht komplett runterfahren. Das ist tatsächlich ein Außenpolitisches Problem, das man leider nicht vernachlässigen kann. Die Leute haben alle einen Überlebensinstinkt. Und wenns einem an den Kragen geht, weil er verhungern muss, sucht er sich einen Platz am enger werdenden Honigtopf. Und der heißt nun mal in vielen Fällen „Deutschland“. Entwicklungshilfe, so fehlgeleitet wie sie oftmals ist, hilft mit, diese Wanderungsströme zu steuern und vor allem auch aufzuhalten. Denn eins ist mal sicher: Wenn alle Hungernden der Welt nach Europa kommen, wirds hier verdammt eng.

    So, da man das mit „Überfremdung“ und anderen braunen Kackmethaphern durchaus in Einklang bringen kann:

    Entwicklungshilfe darf nicht eingefroren werden, aus den o.g. Gründen, die recht pragmatisch sind. Aber sie sollte dringend überdacht werden. Denn so wie Entwicklungshilfe gerade angelegt ist, erzieht sie unselbständige Wohlfahrtsbezieher. Mir persönlich gefallen aber die Banker mit den Mikrokrediten viel besser. Die vergeben Kleinstkredite von 20 Doller und weniger an mittellose Leute. Rückzahlquote: Fast 100%. Und ermöglichen so vielfach ein Leben oberhalb der Armutsgrenze und nicht selten bescheidenen Wohlstand. Aber es wurde in allen Fällen eine Anschubfinanzierung gebraucht und die hat keine Bank übernommen, bis die Mikrokredite ins Spiel kamen.

    Solche Ideen braucht die Welt. Keinen Währungsfonds, der aus Geld- und Rohstoffgier unerfüllbare Forderungen stellt und keine Entwicklungshilfe, die die Leute nur füttert statt ihnen Perspektiven zu bieten, wie sie eines Tages alleine leben können. Und vor allem keine Geldgeilen Kriegsgewinnler, die aus Bürgerkriegen in Afrika ihre schmierigen Millionen ziehen.

    Schuldenerlass ist eine Sache und eine gute. Aber sie ist nicht die alleinseligmachende Antwort auf alles. Vor allem Staaten wie Kenia, Uganda, Kongo, Ruanda, Nigeria und Simbabwe würde ich alles, aber keinen Schuldenerlass gewähren. Die stockkorrupten „Staastoberhäupter“ würden von der Kohle, die sie dann übrig hätten, erstmal die Hälfte in die eigene Tasche wirtschaften und den Rest in den Ausbau der Armee und Waffenkäufe stecken.

    Nix da. Erst wenn geregelte Verhältnisse da sind und man sicher sein kann, dass die Gelder auch da ankommen, wo sie gebraucht werden, kann man über Schuldenerlass diskutieren.

    Derzeit sieht es doch leider so aus: Mit der Entwicklungshilfe wird das Volk gefüttert und stillgehalten, damit die Armee mordend und brandschatzend ihre Aggressionen loswerden kann.

    Ich glaub, ich red mich grad in Rage *g*

  5. Scheiß auf Kongo und Sudan, solange Kinder in Marzahl oder Steilshoop noch Bildung, Chancen und SCHULSPEISUNG brauchen!

    Dazu eine Kontrolle der internationalen Finanzmärkte, kein Handel mehr mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln.

    Schon geht es hier und anderswo vielen besser.

  6. Naja, pack die 8 Mrd. in die Vororte und du wirst merken: Die wissen gar nicht, was die mit der Kohle anstellen sollen.

    Dass da mehr rein muss – keine Frage. Aber wenn du richtig gelesen hast: Ich will nicht, dass das Geld in genau die Staaten geht, weil es dazu missbraucht wird, die Bevölkerung ruhig zu halten. Es wird ein Volk gefüttert, nicht auf eigene Füsse gestellt. Und so darf Entwicklungshilfe nicht funktionieren, weils keine ist.

    Was die Vororte angeht: Viel wäre gewonnen, wenn die Schulen vernünftig ausgestattet werden würden. Wenn man ein wenig mehr auf die Lehrer, die schliesslich vor Ort sind, hören würde. Wenn man nicht hektisch auf den Schultrendzug aufspringen würde und dann wieder ein, zwei Jahrgänge verheizt mit irgendwelchen Experimenten. Man kann nicht sagen „in Finnland sind die Schulen besser“ und dann nur das mit rübernehmen, was den Status Quo der Beamten nicht gefährdet. Und das sage ich als Beamtin.

    Derzeit regieren zuviele Instanzen in die Schule rein und fordern zuviel Zeugs was nichts mit Unterricht zu tun hat.
    NRW zb.
    Lernstandserhebungen 2x jährlich. Zentralabi mit Aufgaben, die für Studierende angemessen wären. Delfin (Sprachtest für die Kleinsten), durchzuführen von Lehrern während der Schulzeit, die müssen dazu in die Kindergärten, in der Zeit fällt der Unterricht aus. Statistiken mind. 2x im Jahr mit einem Statistikprogramm, das von einem Sadisten erfunden wurde. Das kann man nicht blicken – und wenns denn irgendwann mal läuft: „BLOSS NICH ANPACKEN“, das läuft so dermaßen instabil, dass selbst eine Umstellung im SNMP für den Absturz sorgt. Ein Schulverwaltungsprogramm, das vom Land vorgegeben wird und so bedienerfreundlich wie eine mechanische Schreibmaschine mit Fingerlähmung. Allein die Anforderung, mir doch bitte eine Liste aller Schüler mit Klasseneinteilung zu geben, damit ich die Benutzerkonten einrichten kann, überfordert die meisten Schulsekretärinnen komplett. Und die sind beileibe nicht doof. Und dazu halt noch „Quality-Assurance-Teams“ *hust* die die Qualität des Unterrichts einer Schule anhand von EINER verfolgten Stunde beurteilen sollen.

    Das ganze ist nur noch bescheuert. Hinzu kommen Eltern, die nicht mehr wissen, was Schule ist, die sich für ihren Nachwuchs nicht interessieren und glauben, dass Gewaltandrohung ein probates Mittel ist, die Versetzung eines Schulversagers zu erzwingen – die aber keine 2 min. hinterfragen, WARUM der Sprößling Schulversager ist. Eltern, die selbst kaum lesen und schreiben können und die das den Kindern vorleben, dass Hartz IV doch eine prima Sache ist.

    Oder eben die Eltern, die den Kindern vorleben, dass man Kinder und Beruf prima unter einen Hut bringen kann, die Kinder müssen dann halt nur ein paar Abstriche machen. Aber hauptsache, Mama ist zufrieden, dann gehts in der Familie auch gleich besser.

    Ich glaub, ich werd grad wieder sauer. *g*

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