Je oller je doller *g*

Gestern Großveranstaltung. Erste Band an einer Bühne waren dann „The Lords“.
Das ist die Band, die in den 60ern eigentlich so bekannt wie die Beatles waren. In Deutschland.

Das war vor 45 Jahren, die Jungs sind nicht jünger geworden, ihr Publikum auch nicht.
Die Band tritt auf, alle etwas grauhaarig und man hörte auch schon das eine oder andere Gelenk knirschen.
Jubel der Menge – und dann legten die Oldies da oben mit einem Schwung los, der viele jüngere Bands vor Neid erblassen lassen dürfte.

Und die Leute im Publikum…ich bin mir SICHER, dass viele ihr Alter einfach vergessen haben. Die groovende Gerontenbrigade vor der Bühne hat den Enkeln eindeutig gezeigt, wie man rockt. *g*
Die konnten das übrigens live beobachten, ich hab mehr als einmal gesehen, wie 3 Generationen nebeneinander standen und tanzten. Und die energischsten waren nicht immer die Jüngsten *g*

Wenn man einen weißhaarigen, älteren Herrn vor der Bühne Headbangen sieht, der sich dann aber vorsichtshalber an seinem Rollator festhält, weil er sonst umfällt, weiß man: Da lebt einer Rock’n’Roll 😉

Zwei richtig niedliche Szenen durfte ich dann noch erleben. Ich stand hinter dem Absperrgitter und hab den Wachdackel für den Backstagebereich gemimt.

Auf einmal kommt ein älterer Herr auf mich zu (gerade wurde das SEHR geile Schlagzeugsolo mit Schlägen eingeleitet, die wie Herzschlag klangen) und meinte zu mir
„Ich kann da vorne nicht stehen, ich hab nen Herzschrittmacher“

ok, verständlich, die Signale von der kleinen Kiste dürften wohl mit den Bässen etwas durcheinanderkommen. Und im Schlagzeugtakt grooven wollte der wohl wirklich nicht.

Und dann gings los: „Ich bin 5x operiert worden, Bein aufgeschnitten, 5 Bypässe, Herzschrittmacher, Luftröhrenschnitt und alles.“

aha.

„Nicht dass sie mir nicht glauben – das stimmt schon alles“ und zog mit diesen Worten sein T-Shirt hoch.

Hat hier einer „auszieeehn“ gerufen? *g*
„Neee, neee ich glaub datt schon“

Und dann der Satz des Abends:
„Ich war 10 min lang tot. Aber dann haben sie mich zurückgeholt. Und für DAS Konzert hier hat sich das doch gelohnt“

DAS nenne ich Fan. *g*

Der zweite war ebenfalls ein älterer Herr, der sehr offensichtlich keinen Unter- und Oberkiefer mehr hatte und das auch nur unzureichend prothetisch versorgt wurde (kann man das überhaupt?)
Das ganze sah schon sehr seltsam aus – aber größer war das Problem, dass er mich locker 5 min lang zugetextet hat und ich kein Wort verstanden habe, zumal auch die Sprache, in der er mich ansprach irgendwie russisch klang.
Aber die Gestik war knuffig:
Er kam strahlend auf mich zu, anderthalb Daumen hoch (mehr hatte er nicht mehr), zog eine Autogrammkarte aus seiner Brust und drückte sie mit verzücktem Gesichtsausdruck an sein Herz. Das machte er immer und immer wieder – und immer wieder hat er mir die Autogrammkarte gezeigt (die keine bedruckte war, da haben die Jungs selbst gepinselt).
Die Karte war schon ganz vergrießgnaddelt – aber das war sein Schatz…

Und als ich ihn dann angrinste und sagte „Da gratuliere ich aber“

Drückte er die Karte wieder an sein Herz, schloß die Augen und meinte selig lächelnd „Zu Dank. Zu Dank“

Und zog ab…

Ehrlich – ich war hundekaputt und die Füsse taten mir weh wie sonstwas. Aber alleine für die zwei hat es sich gelohnt, das in Kauf zu nehmen. 🙂

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