Die Stempelkarte

*g*
…des Grauens sollte ich vielleicht noch hinzufügen.
Einer meiner Kollegen ist ja so ein typischer Archivar. Akribische Arbeitsweise, penibel bis zum geht-nicht-mehr, dabei aber von bewundernswerter geistiger Unbeweglichkeit.
Um es nicht falsch zu verstehen: ich mag den Kollegen echt gerne, insbesondere weil er nie versucht, andere zu seinem Leben zu bekehren. Ein echter Bücherwurm: Außerhalb seines geschützten Reiches wäre er völlig hilflos. Aber da macht er seine Sache gut. 🙂

Naja, unsere Stempelkartenregelungen sind ja eh was besonderes: Ex existiert eine Dienstanweisung (jahaaa…von dem Kollegen, der auch festgelegt hat, wie Vertretungsschilder auszusehen haben *g*) nach der Stempelkarten im jeweiligen Fachbereichsfach alphabetisch zu sortieren sind.
Damit der handelsübliche Beamte dann auch morgendlich rätselraten darf und erstmal wach an den Arbeitsplatz kommt, darf aber der Name nicht auf der Karte vermerkt werden.
Äh, sorry, aus Datenschutzgründen… Karten sind ja öffentlich zugänglich. 🙂

Das führt dann z.b. dazu, dass einige Kollegen hübsche rote Kringel um die Fachnummer machen, damit sie auch halbwach vor dem ersten Kaffee noch die Karte finden. Andere malen nur in grün die Zahlen drauf. Wieder andere machen Pfeile drumrum. Da gibts echt kreative Gestaltungsmöglichkeiten. *g*

Als ich hier vor geraumer Zeit angefangen hab, hab ich meine Stempelkarte halt immer nach unten auf Platz 25 gestopft. Da war genug Platz.
Chefe meinte dann irgendwann: „Ne, sortier dich mal alphabetisch ein. Du bist Nr. 11“.
Gesagt, getan, Alle Stempelkarten eins nach unten und meine auf Platz 11.

Ich hätt ne Webcam aufstellen sollen *g*

Nächsten Morgen komm ich ins Büro und find meine Stempelkarte nicht. War weg. Kollege Archivar hat sie mitgenommen. Nach viel gutem Zureden konnte ich ihn davon überzeugen, dass das meine Stempelkarte war, und dass er die nicht ausrechnen braucht, das mach ich dann schon selber 🙂
Nachdem ich mich meiner Stempelkarte bemächtigt habe, lange Diskussion, dass doch Fach 11 seins wär. Ne, is meins. Ich fang mit „L“ im Nachnamen an, er mit „N“, also bin ich auf 11 er auf 12.

Bleibt mal ernst bei so einer Diskussion.

Ständige Verweise auf Anordnung vom Chef.

„Ja, aber das geht doch nicht…“

Das ganze führte dann dazu, dass er Wachposten an der Stempeluhr bezog und jeden Kollegen, der nach Fach 11 einstempelte, darauf persönlich hinwies, dass ich mich auf Platz 11 breitgemacht habe und die Stempelkarte des Kollegen jetzt ein Fach tiefer war.
Mein Kollege, der direkt das Büro an der Stempeluhr hatte, hatte Live-Theater. Der meinte hinterher zu mir, dass ich das öfter machen könnte, so schön hätte er den Morgen noch nie verbracht. Alle dürrnander geworfen. 🙂

Das war vor etwa einem Jahr *g*

Diesen Monat wars dann mal wieder soweit:
Kollegin hatte sich bei der Fachnummer verschrieben und 2x die Nummer 12 vergeben. Und Nr. 12/1 war meine. Nr. 12/2 war die vom Kollegen Archivar.

Es hat dann echt bis heute morgen gedauert, solange hat er heldenhaft alle Versuchungen von sich gewiesen. Heute morgen jedoch fand ich die „12“ übermalt durch eine „11“. Weil das ja die richtige Nummer ist.

SO kann ein Morgen anfangen. Dann ist der Tag gerettet. *g*

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