Tschernobyl und kein Ende

Vorsicht: Laaaaanger Artikel 😉

Ein Posting bei Opi hat mich etwas nachdenklich gemacht. JA, ich les da noch mit 😉
Es ist recht einfach, auf Atomstrom zu setzen, wenn der halt günstiger ist und die Industrie immer wieder vorbetet, dass es nicht anders geht.
Nur – tut es das denn wirklich?
Fangen wir mal an:

Deutschland ist aufgeteilt in einem Energiepolitischen Quasimonopol zwischen 4 Versorgungsunternehmen. Die Namen kennt jeder, ich brauche sie nicht nennen..
Meiner Meinung nach nutzen diese Konzerne ihre Marktmacht gezielt aus, um Verbraucher zu desinformieren.

Klar, die wollen nicht „entflechtet“ werden, was ihnen gerade seitens der EU droht. Und ganz sicher wollen die auch keine Konkurrenz, was z.b. dazu führte, dass die Energiekonzerne nach der sog. Liberalisierung des Energiemarktes mit ihren prall gefüllten Kassen mal unter der Konkurrenz shoppen gegangen sind.
Ein Konzern hat z.b. Ostdeutschland komplett übernommen.

Bauern, die mit einem Windrad oder Biogasanlage selbst Strom erzeugen, müssen den überschüssigen Strom zu einem Preis, den die Konzerne ihnen vorschreiben, ins Netz einspeisen. Das wird als Kulanz gewertet, dass sie das überhaupt dürfen. Denn jetzt kommen wir zum großen Alptraum eines jeden Konzerns: Dezentralisierung des Stromnetzes.

Es gibt nicht wenige Stimmen, die sagen, dass die großen Konzerne auf die Dauer den Strombedarf nicht mehr decken können. Die Großkraftwerke haben einen zu kleinen Wirkungsgrad, d.h. dass die 100 Tonnen Steinkohle z.b. reinstopfen zur Verstromung aber da kommt halt für die in der Kohle theoretisch gespeicherte Energie und die verdreckte Umwelt viel zuwenig Strom bei rum. Irgendwo hab ich gelesen, dass nur 3% der (theoretisch) möglichen Energie aus der Verstromung gewonnen wird.
3% ist nicht soviel, wenn man sich anguckt, was die dafür alles in die Luft blasen.
Bei Atomkraftwerken sieht das wohl ähnlich aus. Die tolle Bilanz von wegen Billigstrom sieht völlig anders aus, wenn man die Umweltverschmutzung bezüglich der abgebrannten Brennelemente mit einrechnet. Plutonium strahlt 50.000 Jahre. Und Das Zerfallsprodukt bringt u.a. Alpha-Strahlung mit sich.
Und was DIE alles kann – tolles Zeug, fragt mal den KGB, äh, die Nachfolgeorganisation. Die nutzt das Zeug schon gerne mal, um missliebige Kritiker zu entsorgen.

Rechnet man die Kosten mal gegeneinander auf, also Krankenkosten durch massive Jodversorgung der Bevölkerung, Krebstherapien, Produktivitätsausfälle durch Krankheiten oder auch die Veränderungen die sich durch die Häufung von Naturkatastrophen größeren und kleineren Ausmaßes ergeben, gegen die Kostenersparnis, wenn man ein Atomkraftwerk baut statt einem Windrad oder einem Erdwärmekraftwerk oder einem Gezeitenkraftwerk, dann ergibt sich ein doch DEUTLICH anderes Bild. Da verlieren diese Kraftwerke meiner Meinung nach ganz schnell.
Dummerweise gibts leider keine Krebsregister in der Ukraine. Es gibt auch keine genauen Studien wie sich die Strahlung allgemein ausgewirkt hat. Eine Schadensbezifferung gibts auch nicht. Folgeschädenerforschung gleich Null. Wenn die irgendjemand im Netz finden sollte, bin ich dankbar. Ich hab Google echt bemüht – no way.
Es liegt ein Leichentuch über Tschernobyl. Und es wird ständig größer.

Andere Stimmen meinen, dass man die Leitungen dann nicht mehr warten könne, wenn das Netz dezentralisiert wird. Naja, bei einem dezentralen Netzwerk ist der Aufwand auch nicht mehr sooo groß wie jetzt, wo Kilometer zwischen Kraftwerk, Umspannstationen und Endverbraucher liegen.
Mit den entsprechenden Leitungsverlusten übrigens.

Alleine bei der Stromerzeugung wird eine ungeheure Menge Ressourcen Tag für Tag in den Orkus geblasen. Ressourcen, die zu verbrennen wir uns eigentlich nicht mehr leisten können.

Dezentralisierte Stromerzeugung könnte zum Beispiel so aussehen: Bauernhöfe decken mit Biogas und Windrädern ihren eigenen Strombedarf. Das gleiche gilt für kleine Dörfer, die mit Wärmepumpen oder Erdwärme arbeiten und ein Dorf-/Kleinstadtkraftwerk errichten. Unter unseren Füsschen ist nämlich mehr als genug Energie, um mal so richtig einzuheizen. Die Uni Bochum hats vorgemacht. Und auch die Solarenergie kann man entsprechend einsetzen. Nur – bei diesen Konzepten funktioniert die bisherige Aufteilung in zentrale Stromnetze und -erzeuger nicht mehr. Und das geht direkt an den Klingelbeutel. *rausguck* ok, über Solarenergie kann man streiten *g*

Und jetzt mal zu den Folgen von Tschernobyl. Das liegt jetzt 21 Jahre zurück. 1986 war der Stichtag. D.h. die Strahlung sollte da doch wohl geringer sein?
Mitnichten, sie wird durch die radioaktiven Zerfallsprodukte mit jedem Jahr stärker. Sehr gut beschrieben ist das hier und hier und hier.

Die Kindersterblichkeit hat sich in Deutschland bereits erhöht. Man führt mindestens 1000 Fehlbildungen in Bayern (ok ok *g*) direkt auf die Strahlung von Tschernobyl zurück. Die Krebsrate steigt bereits jetzt stark an.
Vor 10 Jahren prognostizierten Wissenschaftler, dass das große Sterben nach 15 Jahren einsetzen wird. Sie scheinen recht zu behalten.

Strahlung kümmert sich nicht um Landesgrenzen, sie wird vom Wind verteilt und breitet sich weiter aus. Die verstrahlte Fläche ist jetzt nach 21 Jahren fast doppelt so groß wie direkt nach dem Unfall.

Was die Mutationen der Tiere angeht:

5. Was geschah mit der Natur und den Tieren nach dem Unfall?

In der 30-Kilometer-Zone und sogar noch in weiter entfernteren Gebieten traten nach dem Atom-Unfall vermehrt Fälle von Mutationen der Tier-und Pflanzenwelt auf. Blätter veränderten ihre Form, Eichenblätter verloren teilweise ihre Symmetrie, jungen Tannen wuchsen mehrere Kronen, ja sogar ganze Wälder in der Nähe des Kernkraftwerks gingen aufgrund der massiven Strahleneinwirkung ein. Bei Tieren kam es zu immer mehr Fehlgeburten und Missbildungen; Kreaturen mit sechs Beinen, ohne Augen, zusammengewachsenen Extremitäten und ähnlichen Mutationen wurden aus großen Teilen der Ukraine, Weissrusslands und Westrusslands gemeldet.

Ich weiß nicht, ob dieser Preis angemessen ist für billigen Strom. Der so billig auch gar nicht ist, denn man darf nicht vergessen, dass das Quasimonopol der Energiekonzerne gerade dafür sorgt, dass wir mit die höchsten Energiepreise in Europa zahlen, wenn ich das richtig gelesen habe.

Und wo wir schon mal dabei sind – ein ganz großer Punkt ist die Vertuschungspolitik der Energiekonzerne nach Störfällen. Atomkraftwerke sind hochsensibel. Da kann durchaus was kaputtgehen. Und ein Brand in einer Trafostation ist da schon ein größerer Störfall.
Und da die Konzerne wissen, das die Leute keinen Atomstrom wollen, halten sie bei Störfällen mal schön die Schnauze. Sehr fein war das übrigens nach Tschernobyl, da wurde hier auch gepflegt erstmal der Besen drübergekehrt. Erst als die Strahlungswolke sich nicht mehr verleugnen ließ und eine wirklich sehr konkrete Gefahr für die Bevölkerung bestand, wurde gewarnt.

Atomstrom muß nicht sein. Die abgebrannten Brennstäbe kokeln viel zu lange nutzlos vor sich hin, er stoppt die Erforschung von Alternativen (die es gibt, man muß sie nur anwenden) und vor allem verschiebt er eine mehr als notwendige Erkenntnis:
Man muß nicht alles mit Strom machen, wenns auch 2 Hände gibt. Auch wenns natürlich bequemer und schöner ist.

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10 thoughts on “Tschernobyl und kein Ende

  1. Bei der Aufzählung nach den zwei Händen fehlt noch dies oder jenes Accessoire, das in den Mund zu nehmen meine Mutter mir verboten hätte… 😀

    Solarstrom ist nicht sehr ergiebig, nicht mal im Süden. Aber mit Solarenergie sein Warmwasser aufzuheizen, das geht sogar in Deutschland und spart da ne Menge. Speziell in der Südhälfte Frankreichs würd ich sagen, die Ölheizung nur fürs Warmwasser laufen zu lassen kann man sich dann komplett sparen – und das spart übern Sommer einiges. Gleiches gilt für meine Wasseranlage, aber für einen Warmwasserspeicher fehlt in der Etagenwohnung halt der Platz.
    Das führt aber wieder zum Strom zurück, weil viele Wohnungen hier in Frankreich elektrisch beheizt und bewarmwassert werden – ist ja so schön billig.

  2. Zugegeben, das klingt alles echt super und ich kann das alles auch nachvollziehen.
    Trotzdem werde ich nicht über die Weltpolitik nachdenken wenn ich irgendwie im Haus das Licht einschalte. Ich bringe meinen Beitrag im Bezug auf Energieersparnis und Umweltschutz im täglichen Leben mit ein.
    Ja, ich bin auch zu geizig die nicht unerheblichen Mehrkosten von Ökostrom zu zahlen. Als Ottonormalbürger muss man tatsächlich sehen wo man das Geld lässt.
    Ich selber trage die Meinung, dass umweltfreundliche Technologien erst dann richtig erforscht werden, wenn man damit richtig Kohle machen kann. Das betrifft sowohl Staat als auch Wirtschaft.
    Wie gesagt, mich würde interessieren wieviel Kritiker von Atom-, Gas- und Kohlestrom freiwillig auf Ökostrom wechseln bzw. gewechselt sind.
    Alles andere wäre inkonsequent.

  3. Sodale, hab mal in meinen anderen Emailpostkasten gefunden und von Lacki einige Kommentare gefunden, die er zu faul schüchtern war hier reinzuhauen. Ich mach das dann mal für ihn *g*
    —-
    Dummerweise gibts leider keine Krebsregister in der Ukraine. Es gibt auch keine genauen Studien wie sich die Strahlung allgemein ausgewirkt hat. Eine Schadensbezifferung gibts auch nicht. Folgeschädenerforschung gleich Null. Wenn die irgendjemand im Netz finden sollte, bin ich dankbar.

    warum suchst du das bezüglich der ukraine?
    die ganze wolke ist nach norden abgezogen. und da pripyat (tschernobyl hat mit dem kraftwerk ungefähr genausoviel zu tun, wie äpfel mit birnen) direkt an der weißrussischen grenze liegt, wären zahlen von belarus weitaus interessanter. oder warum kommen die strahlenkinder immer aus belarus zur erholung nach deutschland?

    und wenn dir mal einer erzählt, dass sich der unfall von pripyat in deutschland nicht wiederholen könnte, kannst du ihm mal diesen bericht zeigen.
    ist schon interessant, wenn man liest, dass man 10 kilometer von einer tickenden atombombe entfernt wohnt…

    http://de.indymedia.org/2001/09/7216.shtml

    hat er nicht unrecht 😉

  4. Ich muß mich korrigieren. *g*
    lacki: ich bin nicht zu faul oder zu schüchtern. ich kämpfe nur gerade mit meiner furzerei, die ich im griff haben will, bis tanja wieder zuhause ist.

    😀

  5. Pingback: Kralleblog » Spamrätsel *g*

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