Bodenlose Frechheit…

Was ist eigentlich momentan los?
Da wird ein Deutscher entführt und monatelang ohne Rechtsgrundlagen gefoltert und festgehalten – und unsere Bundeswehr verliert, leider leider, der arme Mann, die dazugehörigen Akten.

Bei der Bundeswehr zeigt sich ebenso ein Aktenschwund, diesmal aus einer unglücklichen Verknüpfung technischer Probleme resultierend. Hier geht es um Akten, die zum Beispiel auch in Bezug auf die Arbeit des KSK (Kommando Spezialkräfte) und im Fall Murat Kurnaz wichtig sein sollen. Das Computersystem „Jasmin“ (Joint Analysis System Military Intelligence) sei an seine Grenzen gestoßen, wird von offizieller Stelle verlautbart, deshalb wurde der Geheimdienstdatenbestand von 1999 bis 2003 aus dem System entfernt.

HARR.

In Sachsen bahnt sich ein Skandal an, der von den Ausmaßen her unvorstellbar ist, eigentlich isses schon mittendrin. Und was machen der sächsische Innenminister und sein Kompagnon? Sie vernichten die Akten. Weil die Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.
Ist klar.

Hallo? Ich bin Beamtin, das ist das allererste mal, dass man nach „Aufbewahrungsfristen“ zur Aktenvernichtung guckt. Da stehen doch schöne viele Daten drin, die kann man doch bestimmt nochmal brauch…achne, stimmt ja, sind ja böse Akten. Da steht möglicherweise was drin, was „hochrangige Ehrenmänner“ belastet. Da muß man natürlich Verständnis haben. Die Aufbewahrungsfrist. Sie verstehen?

Solche mutmaßlichen Kriminellen respektive nachgewiesenen Datensicherungs-Vollpfosten sollen also:

1. meine ureigensten Daten vor dem Mißbrauch durch Dritte schützen (z.b. durch das Deponieren meines genetischen Fingerprints an einem Tatort)
2. dafür Sorge tragen, dass Terroristen hier keine bösen Sachen machen können
und
3. dafür auch wirklich das letzte Hemd kontrollieren dürfen.

Ehrlich Leute, ich glaub wirklich langsam, ich bin im falschen Film.
Leute, die SO mit Daten umgehen, dürften noch nicht einmal Zugriff auf das Vereinsregister des Taubenzüchtervereins Wanne-Eickel 05 bekommen.
Da werden erschreckende Mängel deutlich, was Rechtsstaatliches Bewußtsein und demokratisches Grundverständnis angehen.
Die sind sich ja noch nicht mal einer Schuld bewußt – und glauben tatsächlich, dass sie mit diesem grandiosen Mist auch noch durchkommen.

Das schlimme ist: Wahrscheinlich werden sie es auch. Die Lichtgestalt der deutschen Aufklärungskultur hat offensichtlich kein Interesse daran, da einzugreifen – man mag von der Zeitung halten, was man will, aber sie könnte genug Druck machen.
Statt dessen wird über Paris Hilton berichtet. Ist ja auch wichtiger.

Spiegel und co. reißen das Thema zwar an, können es aber nicht am kochen halten, da zuwenig Leser.

Irgendwann ist dann Gras über die Sache gewachsen, die schlimmsten Gauner Politiker kommen nach Brüssel auf ein einträgliches Rentenpöstchen, wo man eh nicht anwesend sein muß und das wars dann.

Zurück bleiben Frauen, die um ihrer Körper willen verkauft wurden, jede Menge politischer Flurschaden und eine Bevölkerung, deren Vertrauen in die Politiker wiederum um einige Grade gefallen ist. Und ein Fanal für die Schamlosigkeit, mit der sich einige Leute „da oben“ am Staate Deutschland bedienen. Wi-der-lich.

Wie sagte nochmal jemand?
„Das wird so lange gutgehen, bis die Leute sich daran erinnern, was man mit Sensen, Schaufeln und Fackeln so feines machen kann“

Tja…. aber dann wills wieder keiner gewesen sein.

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